Historische Blätter 4. (1931)

Karl Großmann: Metternichs Plan eines italischen Bundes

Deutschlands zu sehen. Italien aber, das alte Kampfgebiet deutscher Herrscher, lag nun fest, und wie es schien, für immer in Österreichs, der deutschen Vormacht, Hand. Von Venetien und der Lombardei aus be­herrscht es die Halbinsel. In Mittelitalien sitzen habsburgische Dynastien und der Kirchenstaat und Neapel sind schwach und auf Österreich ange­wiesen. Nur im Nordwesten freilich, gerade an der französischen Alpen­grenze, saßen die Könige von Sardinien, klein zwar, aber doch recht selbstbewußt und landhungrig und mit der einzigen brauchbaren Armee Italiens. Setzten sie ihre überlieferte Schaukelpolitik zwischen Österreich und Frankreich fort, so konnten sie unter Umständen recht unangenehm werden. Doch noch war Frankreich schwach und ließ Zeit, für die Zu­kunft zu sorgen. So schien also wirklich noch einmal der große Bau des heiligen römischen Reiches gelungen und er war durch Verträge von allen Großmächten beglaubigt, durch Bündnisse mit ihnen geschützt. Und doch, so sehr der große Meister auch alles herangeführt hatte, um seinen Bau zeitgemäß aufzubauen und zu unterbauen, es sollte sich zeigen, daß er doch nicht die rechten Stützen gefunden hatte. Das Ge­bäude schien neu, die Steine waren abgebraucht. Wirklich neue wußte er nicht zu verwenden, oder verstand es nicht, sie gegen seinen Bauherrn durchzusetzen. Alle Kräfte hatte er berechnet, soweit sie von den Staaten kommen, die aber, die von den Völkern stammen, die hat er kaum in Rechnung gezogen, obwohl er ihre Wirkung eben erlebt hatte. So mußten sie sich bald störend bemerkbar machen, Risse hervorbringen, den Bau bedrohen. Und die Mittel, die mit vieler Kunst dagegen ange­wendet wurden, beseitigten die Risse nicht, verdeckten sie nur. So, wenn die Kaiserkrone, von den Besten des deutschen Volkes er­sehnt, zurückgewiesen und dafür ein deutscher Bund geboten wurde, wenn man die italienische Königskrone fast mit Entrüstung ablehnte und dafür mit vieler Mühe eine Lega italica zusammenzuzimmern versuchte. Es ist hier freilich eine Einschränkung zu machen. Deutscher und italie­nischer Bund sind nicht ganz dasselbe, sollen wenigstens im Geiste Metternichs nicht ganz dasselbe bedeuten. Für Deutschland bestimmte schon der erste Pariser Friede im An­schluß an die Abmachungen zu Chaumont unabhängige Staaten, ver­knüpft durch ein föderatives Band 12. Von Italien dagegen sagt man nur, es wird, außerhalb des österreichischen Besitzes, aus souveränen Staaten bestehen 12 Auf Hem Kongreß dann, es war in der Sitzung vom 12 I. L. Klüber, Akten d. Wr. Kongr. in d. Jahren 1814 und 1815, Erl. 1815ff., Bd. 1, n. 2, S. «ff. 39

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