Historische Blaetter 3. (1921-1922)

Friedrich Engel-Jánosi: Die Anfänge des Prinzen Eugen

gefallen und sie hatte die Rache ihrer Rivalin, der Frau, von Montes- pan, zu fürchten und auch1 di(e Louvois’, den Saint Simon einejn fürchterlichen und unversöhnlichen Feind nennt. Sie hatte ihm die Hand ihrer Tochter für seinen Sohn abgeschlagen. Ihr Prozess wurde in ihrer Abwesenheit geführt; Olympia ist nie wieder nach Frank­reich zurückgekehrt. Es waren also wenige günstige Umstände, die Eugen für sich anführen konnte, als er im Frühjahr 1683 den König — denn alle Gunstbezeigungen erteilte Ludwig persönlich — um Aufnahme in das Heer bat. Mehrmals war versucht worden, ihm kirchliche Stellen zu verschaffen, ohne daß ein namhafter Erfolg erreicht worden wäre. Man könnte sagen, daß Eugen den Militärdienst habe ergreifen müssen, nur dort hättie sich ihm Aussicht au,f Rufern und Erfolg, geboten, da er aus psychischen Gründen mehr noch als wegen seiner Erscheinung sich zum Hofmann untauglich wußte. Versailles hat im Eroberer das edelste und erhabenste Menschenschicksal ge­sehen. Ähnliche Erwägungen mögen Ludwig bestimmt haben, als er fühlte, daß er Krieger sein konnte; Eugen ist notwendig Krieger gewesen. Als er die geistliche Kleidung abgetan hatte, verstieß ihn . seine Familie. Er lebte in den ärmlichsten Verhältnissen. Wenige Wochen später, im März 1683, stellte ihn der ältere Conti dem König vor, dem er seine Bitte vortragen konnte. Seit Eugen berühmt1 geworden, ist über diese Zusammenkunft viel geschrieben worden; wir wissen über sie nur wenig. Es scheint, daß Eugen — wie 'es damals der Brauch war — eine Kompagnie kaufen wollte. Der König zögerte mit der Antwort. Es war Frieden, alle seine Offiziers­stellen waren besetzt, die Blüte der französischen Jugend drängte sich zu seinen Waffen; hier war ein unscheinbarer junger Mensch, der Sohn einer in Ungnade gefallenen Favoritin, die — für den König mußte es feststehen — ihre Zuflucht zur Giftmischerei ge­nommen. Man sagte ihm eine Ausschweifung nach, vor der Ludwig ausgesprochen starken Abscheu hatte; durch nichts noch hatte er sich hervorgetan. Der König ließ ihn fallen. In den Memoiren des Marschalls Villars ist zu lesen, mit welcher Sehnsucht damals die adelige Jugend Frankreichs nach dem Osten blickte, wo wieder ein Kampf mit dem Halbmond heraufzog. Daheim war sie unbeschäftigt, finanziell ruiniert, im Beginn der 80er Jahre bot sich ihr keine Aussicht zu großen Taten. Auch der Bruder Eugens, der bisher in Piemont gelebt hatte, war an den Kaiserhof gegangen und hatte dort das Kommando über ein Kavallerieregiment erhalten. ;45

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