Historische Blaetter 3. (1921-1922)
Friedrich Engel-Jánosi: Die Anfänge des Prinzen Eugen
Die Anfänge des Prinzen Eugen von Friedrich Engel-Jánosi Es ist ganz klar, daß auch die Bilder vergangener Zeiten und Menschen sich wandeln. Von außen Gegebenem ist auch das Leben der Geschichtsschreibung bedingt; und nur zu sehr. Die Zeit, aus der gesagt worden ist, daß der Mensch weder um seiner Worte noch um seiner Taten wertvoll, sondern nur um dessent- willen, was er wirklich und wahrhaftig ist, tritt dem politischen Individuum kühler gegenüber. Hier kann das Werk niemals völlig durch die Persönlichkeit erfüllt werden; die Spannung zwischen dem fremd Gegebenen und dem Wollen durchzieht hier das Leben. An die Persönlichkeit glauben wir ja wieder; zuweilen sogar, daß „Schicksale von Völkern und Staaten, Richtungen von ganzen Zivilisationen daran hängen können, daß ein außerordentlicher Mensch gewisse Seelenspannungen iund Anstrengungen ersten Grades in gewissen Zeiten aushalten könne“. Wenn aber das Werk, an dem er gearbeitet, zerfallen ist; wenn es zertrümmert wurde? Von der Kunst ist gesagt worden, daß in ihrem Reiche nicht das Geplante, sondern nur das Vollendete gilt; wird die Geschichtsschreibung einen anderen Maßstab finden? Von dem Mitgründer der Großmacht Österreichs soll in den Tagen tiefster Erniedrigung, in den Tagen fast unerhörter Schmach' gesprochen werden. An die Grundspannung; zwischen Allgemeinem und Individuellem, wie sie jede Lebensbeschreibung bringt, reihen sich also weitere bei der Betrachtung des Prinzen Eugen; auch diese, daß er, der im Überlegen und Handeln das Maß der herrschenden Persönlichkeit erfüllte, daß er, wie Bismarck, wie Hindenburg nie danach strebte, im Leben dies zu verkörpern. Und Prinz Eugen war aus fürstlichem Blut; man glaubte, seinem Bruder zwei Kronen zudenken zu dürfen. Der Großvater war ein Sohn des Herzogs von Savoyen, seine Großmutter trug den Namen der Bourbons. Schon für ihre Heirat — in noch höherem Maße ist es bei dein Eltern des Prinzen der Fall ,— waren Zweckmäßigkeitsrücksichten entscheidend; Maria von Bourbon war die Erbin der Grafen von Soissons. Der Vater Eugens spielte