Historische Blaetter 3. (1921-1922)

Ludwig Bittner: Ein Schiedsgerichtsvertrag aus dem 17. Jahrhundert

Nemblich und für daß Erste solle kein Thaill den andern oder seine Lechenleith, Landtsassen und Underthanen wider Gebür, Recht und Herkhommen beschweren, sich kheines verbottenen Gewalts auf ainicherley Weeg underfangen, weniger befechten oder bekhriegen, sondern waß ein Theil gegen den andern für nachbarliche Sprüch, Anforderung und Ge- rechtigkheit zu haben vermainte, sollen folgender Gestalt gesuecht, erfordert oder geörthert werden. Nemblich, wan einTheiU in obgemelten Sachen und Landen sich oder seine Leuth, Landtsassen und Underthanen beschwährt zu sein erachten wolte, so solle er den andern freundtlich ersuechen, solche Irrung und Beschwerungen abzuschaffen. Wo aber solches nicht beschehe oder ein jeglicher Thaill von seinem Vorhaben nicht abstehen wolte, sondern ein jeder Recht zu haben vermainte, so sollen wür beede unnsere schiedliche Räthe in gleicher Anzahl von jedwedem lengist in ainem Monath darauf auf einen Tag und Mallstatt zu nechst der Gränicz und dem Spann und Irrung gelegen zusamben sehickhen1 und durch selbige solche erhebte Strittigkeit und Zwytracht in der Guete hinlegen und ab- stöllen lassen8. Wan aber solches nicht sein, oder also durch sy in gleicher 1 1509 Dez. 11: Wo wir, alle unnser Erben, nachkommende Pfalltzgraven bey Rein unnd Herzogen in Baym Irrung oder Vordrung, die nicht Lehen betreffen, gegen der obgemelten königklichen Wirde, unnserm lieben Herrn Oheim unnd genedigen Herrn unnd der Cron Behem gewonnen, der wir unns gütlich unnd fruntlich mit irer königk- [ichen Wirde nicht vereinen mochten, so sollen wir unnser Anvordrung, wie wir die rechtlich vermeinen zu thun, der genannten königklichen Wirde, iren Erben, nach­kommenden Königen unnd der Cron Beheim schriftlich zuschicken unnd irer königk­lichen Wirde einen Tag in einem Viertljar gen Eger benennen unnd vier unnser Rete setzen. Auff denselben Tag sol ir königklich Wirde unnd dy Cron zu Eger selbs oder durch ir volmechtige Anweide erscheinen unnd auch vier irer Rete zu den unnsem setzen. — 1535 April 22: Wo aber nach Aufrichtung diser Ainigung ain Tail gegen dem anndern Sachen halben obgemellte Lannde, auch die Strassen, Gwerb, failen Kauf, Ab- unnd Zueganng unnd annder Sachen betreffend Irrung unnd Beschwerung ze haben vermaynten oder gewönnen, so solle alßdann derselb Tail, der sich allso beschwärt ze sein vermaynt oder deme Irrung oder Beschwärung zugefuegt, den Tail, davon ime sollich Beschwärung begegnen, freundtlich ersuechen, sollich Irrungen und Beschwärungen abzeschaffen. Wo aber sollichs nit beschalle oder ain yedlicher Tail von seinem Vor­haben nit absteen wollt, alßdann sollte der Tail, so allso in Irrung gewachsen war, in ainem Monad dem negsten nach obgeschribner Ersuechung seine schidliche Räte unnd ain yeder Tail drei auf ainen Tag unnd Malstat zu negst der Grenitzen unnd dem Span unnd Irrthumb gelegen (wöllche der beschwärt Tail dem andern zu benennen unnd zuzeschreiben Macht haben solle) sehickhen .... Doch sollen in disem Compromiß die dreu Herrschafften Khuefstayn, Ratenberg unnd Kitzpuhel mit irem Aigenthumb nicht eingetzogen verstannden noch durch unns, die Fürsten zu Bayrn etc., angefochten werden, sonnder allayn wo sy der Grenitzen oder Confinien halben derselben dreyer Herrschafften unnd auch von wegen des Holltzsehlags Irrung oder Spenn zutragen wurden, derselben Irrungen der Grenitzen unnd Ilolltz halben wie annder Sachen, die sollen Innhallt diß Compromiß ausgetragen unnd erörtert werden. a 1509 Dez. 11: Dieselben acht gesetzten Rete sollen alsdann von unns baiden Partheyen irer Glubden unnd Pflichten in der Sach, so für inen rechtlich gehanndlt werden sol, die Zeit irer Hanndlung ledig gezellt werden unnd von Neuen Pflicht thun in den irrigen Sachen, so für sy bracht wirdt, unnd sy nit gütlich mit wissen vertragen mögen, nach ir aller besten Yerstentnus, Recht zue sprechen niemand zu Lieb noch

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