Historische Blaetter 3. (1921-1922)
Edmund Friess: Der steirische Erzberg. Eine geschichtliche Skizze
Es fehlte freilich nicht an Radmeistern, die zu großem Vermögen gekommen sind. Der reichste seiner Zeit mochte wohl Hans Adam Stampfer (um 1624—1695) gewesen sein, angeblich ein gebürtiger Leobener, sicherlich tirolischer Herkunft, der seit 1655 in Vordernberg ein Radwerk betrieb; seinen Reichtum holte er sich aber aus dem Kupferbergbaue in der Walchen bei Öbla-rn im Ennstale (seit 1666). nach dem er auch sein Adelsprädikat „von Walchenberg“ für Darlehen an den Landesfürsten (1689) erhielt1. Einiges war ja später noch geschehen. Ein Radwerk (seit 1760), desgleichen mehrere Hämmer und ein Zeughammer wurden zu gesamter Hand betrieben, auch ein gemeinsames Arbeiterhaus errichtet, Gebäude in Vordernberg, Magazine und Bauerngehöfte wurden erworben. 1791 fand die Gründung der Kohlenunion der Vordernberger Radgewerken statt, die den gemeinsamen Holzkohleneinkauf für alle Vordernberger Radwerke besorgte. Auch der nötige Beamtenapparat f ehlte nicht, wohl aber das soziale Empfinden, daß der Starke dem Schwachen beispringen müsse, um selbst nicht in die Rolle des Schwachen zu verfallen. Erst die furchtbaren Erschütterungen im wirtschaftlichen Leben, die während und nach den langen Kriegen im ersten und zweiten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts über den Staat hereinbrachen, wirkten ernüchternd auf diese kapitalsarme Unternehmergruppe ein, und geführt von ihrem Mitgewerken Erzherzog Johann von Österreich, griffen die Radmeister zum gemeinsamen Bergbaubetrieb, nachdem sie schon einige Jahre früher (1823 und 1827) große Forste zur Sicherung ihres Holzkohlenbedarfes aufgekauft hatten. Diese neue Kommunität oder Union, die durch den Stellung aller Eisenbergwerksbetriebe in Steiermark und Kärnten bis auf den Erzberg, Hüttenberg und die für die Hüttenbetriebe des Abtes von St. Lambrecht erforderlichen Erze), anderseits die Zufriedenstellung des Kundenkreises durch Angebot von tadelloser Ware von gerechtem Gewichte. Die Waren- beschau war somit unerläßlich, und für die Güte der Ware haftete das Meister-, beziehungsweise das Verlegerzeichen oder die Stadt-, beziehungsweise Marktmarke, die laut landesfürstlicher Weisung auf alle Eisenerzeugnisse, ob Halboder Ganzfabrikate, geschlagen werden mußte. Die geforderte Zimentierung der Eisen'wagen und Gewichte zu Bruck a. d. Mur, Leoben, Knittelfeld, Vordernberg und Eisenerz, sollte die Kaufleute gegen Übervorteilung im Gewichte schützen. Die Regelung der WTaldanteile der Radmeister an den landesfürstlichen Wäldern, die später, 1499, um Eisenerz und Vordernberg eingefriedet wurden, die Bringung des Holzes durch Holzriesen und Klausen zu den Kohlstätten im Tale sowie die Anlage von Kohlenmagazinen am Strande der Mur, zu der die Leobener Verleger und die Vordernberger Radmeister verhalten wurden, sollten ein Stocken in der Eisenerzeugung verhindern. Vgl. Albert von Muehar, Ur- kunden-Regesten für die Geschichte Innerösterreichs (1312—1500). Im Archiv für Kunde Österreich. Geschichtsquellen, 2. Jahrgang, (Wien 1849), 3. und 4. Heft,. Nr. 425—427, 432, 437 und 519. 1 Vgl. neben A. v. Pantz, Die Gewerken a. a. 0., S. 326 ff., auch Adam Wolf, Geschichtliche Rilrler ans Üsterreich 2 1’.i! (Wien 1880V 8 58—80 a \ n