Historische Blaetter 3. (1921-1922)

Edmund Friess: Der steirische Erzberg. Eine geschichtliche Skizze

Allein die hohen Eisenpreise, die vornehmlich durch die teuren, veralte­ten Methoden der Eisengewinnung in Österreich hervorgerufen worden sind, brachten auch dem erbländischen Orienthandel empfindsame Ein­bußen. Die wallachischen Eisenhändler stellten den österreichischen Eiseneinkauf ein und bezogen aus dem näher gelegenen Rumelien ihre Waren. Die Hofkammer hatte gleichwohl die Wurzel des Übelstandes erkannt, die den Niedergang Innerbergs und Vordernbergs am Beginne des 19. Jahrhunderts herbeigeführt hatte. Sie forderte gebieterisch die Einführung der im Auslande angewandten Verbesserungen bei der Eisenerzeugung in Österreich1. Solche Zustände mögen ein oder den anderen inländischen Kaufmann verlockt haben, fremdländisches Eisen hereinzubringen, obwohl er wissen mußte, daß eine derartige Handlungs­weise von den landesfürstlichen Organen nicht gutgeheißen werden konnte, und er daher mit dem Verluste seiner Einfuhr rechnen mußte' Die Abgrenzungen der beiden Eisenverschleißbezirke (Innerberg und Vordemberg) wurden jedoch nicht regelmäßig eingehalten. Klagen und Streitigkeiten der Kaufleute untereinander sowie Ordnungen der landes­fürstlichen Behörden überzeugen oftmals vom Gegenteile. Und selbst das Landesfürstentum hat öfters durch Begünstigungen („Zulässe“) den Rayon durchbrochen3. Neben den Eisenverlagsorten Steyr und Leoben bestand schon vom Mittelalter her eine Reihe von Eisenniederlagsstätten, von denen einige die landesfürstliche Privilegierung erreichten als Legorte oder Leg- Stätten. Sie hatten der Bestimmung zu dienen, den dort einheimischen Kleineisenhandwerkern die nötigen Halbfabrikate zu verschaffen. Da­neben trieben die damit beschäftigten Eisenhändler jedoch auch Fern­handel mit Roheisen und Ganzfabrikaten, wozu sie von den Leobener und Steyrer Verlegern, bzw. von der Hauptgewerkschaft, mit den in den welschen und kleinen Hämmern erzeugten Eisen- und Stahlsorten beliefert w'urden. Auch hier stand das übliche Verlagssystem in An­1 Commerz-Index für Österreich unter und ob der Enns 1805/06 (1805, 21. Jänner), fol. 10 r—v, Hofkammerarchiv in Wien. 1 So wurde dem Triestiner Handelsmanne Joseph von Justenberg, der Brescianer Eisen (8% Zentner) einführte, vom Triester Zollamte diese Einfuhr beschlagnahmt und sein Rekurs abschlägig beschieden. Vgl. das Dekret an das Triester Gubernium und an die innerösterreichische Bankaladministration vom 20. August 1799, Z. 2292. Commerz-Index, Litorale 1799/1800, fol. 60 v—61 r, im Hofkammerarchiv in Wien. 3 So bahnte sich der Vordernberger Mock, ein eisenschüssiger Stahl, wieder­holt den Weg zur Kirch-, Micheldorfer und Scharnsteiner Sensenindustrie in Österreich ob der Enns. Vgl. A. v. Pantz, Die Innerberger Hauptgewerkschaft (1625/1783). In Maria Theresias Zeiten wurde die Einhaltung des altgewohnten Warenbezuges zum letzten Male vom Landesfürstentume bekräftigt, die Proviant­bezirke hingegen erst damals genau abgegrenzt. Ebenda S. 119. 417

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