Historische Blaetter 3. (1921-1922)

A. Hessel: Die Politik König Albrechts I. Innerdeutsche Probleme und das Verhältnis zu Frankreich und Italien

wohl die Majorität der böhmischen Stände den Kärntner zum König gewählt und dieser sich mit Niederbayern verbündet hatte, gelang es einem kombinierten Einmarsch von Westen und Süden her, jeden Wider­stand zu vereiteln, so daß Rudolf schon am 16. Oktober mit der letzten Gemahlin Wenzels II. Hochzeit haltener und seine Brüder im folgen­den Januar zu gesamter Hand mit Böhmen belehnt werden konnten. Rudolf übernahm auch die Ansprüche seiner Vorgänger auf Polen. Zu diesem Zeitpunkt vereinigten die Habsburger eine Ländermasse in ihrer Hand, wie vor ihnen seit langem kein deutsches Herrscher­geschlecht. Ein großes zusammenhängendes Gebiet bildeten Steiermark, Österreich und Böhmen. Daran schlossen sich Meißen und Thüringen, deren völlige Unterwerfung nur eine Frage der Zeit zu sein schien. Hin­zu kam der Streubesitz der Vorderen Lande, ständig vermehrt durch eine ebenso eifrige wie planmäßige Erwerbungspolitik. Konnte man sich doch dem Ziele König Rudolfs: Herstellung einheitlicher Territorien in der Schweiz und Schwaben, dazu Beherrschung der wichtigen Gott­hardstraße, um ein gutes Stück näher dünken. Und die östliche und west­liche Hälfte verband das weitmaschige Netz des Reichsguts, das sich aber auch Dank der energischen Revindikationen von Jahr zu Jahr ver­dichtete. So wurde zum Teil aus Enklaven, die dem Pfalzgrafen Rudolf und Wenzel II. abgenommen waren, die neue Landvogtei Nürnberg ge­bildet. Über diese Fülle von Machtmitteln gebot unbeschränkt der Wille eines einzigen. Die Söhne, Vertrauten und sonstigen Hilfskräfte kannten nur sein Gebot. Ohne die Kurfürsten zu befragen oder den Reichstag zu berufen, traf er die wichtigsten Entscheidungen. Welche Entwicklung möchte das deutsche Königtum genommen haben, wäre dem Habsburger — er zählte damals wenig über fünfzig Jahre — ein längeres Leben beschieden gewesen? & Zwei unvorhergesehenen Ereignissen, dem Tode Wenzels II. und der Ermordung seines gleichnamigen Sohnes, verdankte Albrecht die letzten großen Erwerbungen. Zwei nicht minder überraschende Un­glücksfälle stellten sie wieder in Frage. Am 4. Juli 1307 starb der junge König Rudolf, und sofort erklärte sich Böhmen für Heinrich von Kärnten. Schon vorher, Ende Mai, hatte der Wettiner Friedrich habs­burgischen Hauptleuten bei Lukka eine empfindliche Niederlage beige­bracht. Nun schloß er mit dem Kärntner ein Bündnis, dem Stephan von * Bianca war 1305 gestorben. 33

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