Historische Blaetter 3. (1921-1922)

A. Hessel: Die Politik König Albrechts I. Innerdeutsche Probleme und das Verhältnis zu Frankreich und Italien

Ziele des Habsburgers. Als Rudolf L seine Hand auf Österreich und Steier­mark legte, muß ihn dazu die Erkenntnis bestimmt haben, nicht inner­halb der engen und befestigten Verhältnisse des alten Deutschland könne dem wiedererstandenen Königtum eine solide Basis geschaffen werden, sondern allein auf den weiten Flächen des in rascher Entwicklung be­griffenen Kolonialgebietes. Wie der Vater dachte auch Albrecht. Und wenn er nach der Thronbesteigung zunächst den Konflikt mit den rheinischen Kurfürsten durchfocht und einen Ausgleich mit Rom suchte, so geschah es nur, um die Kräfte der Zentralgewalt von jeder Fessel zu befreien; denn erst dann ließen sie sich mit den Mitteln der Hausmacht zu gleichem Zwecke vereinigen. Dem Familiengut hatte er sofort nach der Nieder­werfung des Kölner Erzbischofs größere Aufmerksamkeit zugewandt, schon während des Jahres 1303 mit der Herstellung der Urbare der Vorderen Lande begonnen. Auch steigerte sich in derselben Zeit die Zahl der Käufe, die den habsburgischen Besitz, besonders in Schwaben, erweiterten und abrundeten. Auf dem östlichen Schauplatz begegnete Albrecht seinem alten Wider­sacher, König Wenzel von Böhmen. Dieser fühlte sich als der Erbe der hohen Traditionen des Przemyslidengeschlechts, seine Pläne überschritten sogar die Grenzen des Erreichbaren. Aber da ihm gerade die zum Feld­herrn und Staatsmann befähigenden Eigenschaften des Geistes und Willens mangelten, überließ er die Leitung seiner Unternehmungen andern, dar­unter Fremden, die mit den Interessen des Landes nicht bis in die Wurzeln verwachsen waren. Die südwärts gerichtete Expansionspolitik Ottokars ließ sich nicht wieder aufnehmen, dafür luden die anarchischen Zustände des polnischen Reiches zum Eingreifen ein. Ohne viel Mühe konnte sich Wenzel während des Hochsommers 1300 in Gnesen zum König krönen lassen; sein Rivale Wladislaw Lokietek mußte ins Ausland flüchten. Da­mit noch nicht zufrieden, lenkte die Prager Regierung ihre begehrlichen Blicke auf Ungarn, wo dem letzten Arpaden Andreas der Anjou Karl Robert die Herrschaft streitig machte, unterstützt von keinem Geringeren als Bonifaz VIH. Nachdem Andreas 1301 gestorben war, veranlaßte Wenzel die ungarische Nationalpartei, seinen jungen Sohn Wenzel III. auf den Thron zu erheben. Die abmahnenden Schreiben des Papstes blieben unbeachtet. Und der nach Ungarn gesandte Kardinal Nikolaus von Ostia kehrte Ende 1302 unverrichteter Sache an die Kurie zurück. Die Zusammenfassung eines solchen Gebietskomplexes in der Hand der Przemysliden, die das Fundament der habsburgischen Macht, Österreich und Steiermark, bedrohte, drängte Albrecht zu Gegenmaßregeln. Nach seiner Thronbesteigung hatte er, wie erwähnt, dem Böhmerkönig Meißen, 3Ö9

Next

/
Thumbnails
Contents