Historische Blaetter 2. (1921)

Eduard v. Wertheimer: Neues zur Orientpolitik des Grafen Andrássy (1876-1877)

die Durchführung der Reform zur Beruhigung Bosniens und der Her­zegowina zusammen. Nur im Schlußpassus des Memorandums vom 12. Mai 1876 war eine scharfe Wendung belassen worden, die von Gortschakow herrülirte1. Er hatte sich bemüht, eine noch schärfere Fassung durchzusetzen. Da aber traten ihm, unterstützt vom Zaren selbst, Bismarck und Andrássy entgegen und vor solcher Phalanx mußte Gortschakow seinen Widerstand aufgeben2. Kaiser Alexander war jedenfalls in höherem) Grade als sein Minister des Äußern mit dem Erfolge des Berliner Aufenthaltes zufrieden. „Ich empfinde“ — äußerte er gegenüber Graf Károlyi — „eine aufrichtige Befriedigung darüber, daß ich1 hier dem Grafen Andrássy begegnen konnte. Meine Unterredungen mit ihm haben mir die besten Eindrücke hinterlassen. Die Besprechungen sowie die hier stattgefundenen Unterhandlungen werden von glücklicher Wirkung für die Zukunft sein. Wenn ich darauf halte“ — fuhr er fort — „und danach strebe, mit 'Ihnen die besten Beziehungen zu unterhalten, so geschieht das nicht infolge von Begehrlichkeit, sondern im Hinblick auf unsere gegenseitigen Inter­essen und besonders mit Rücksicht auf das Ziel der Erhaltung des allgemeinen Friedens“3. Das bedeutendste Ergebnis des Aufenthaltes Andrássys in Berlin jedoch war, daß ihm Alexander erklärt hatte, er würde sich sehr freuen, mit dem Kaiser Franz Josef auf seiner Rück­reise, ungefähr wie im vergangenen Jahre, irgendwo zusammenzu­treffen, und wenn der Kaiser zustimme, wolle er alles Nähere über das Rendezvous mit Erzherzog Albrecht verabreden. Diese An­regung hat ihre Vorgeschichte. Im Monat Juni 1875 war Erzherzog Albrecht zum Besuche des sich damals in Jugenheim1 (bei Ems) be~ findlichen Zaren eingetroffen. Hier hatte er Alexander II. eingeladen, seine Rückreise nach Rußland über Nordböhmen zu nehmen, um sich dort mit Kaiser Franz Josef I. zu begegnen. Der Zar ging sofort mit größter Freude auf den Vorschlag ein und hatte nunmehr keine größere Sorge, als daß am Ende aus der gegenseitigen Begrüßung nichts werden könnte4. Ohne Zuziehung der beiden Minister des Äußern trafen sich die Monarchen am 28. Juni 1875 in Eger. Der Herrscher aller Reußen sprach dann im Frühling, 1876 vor seinem Schwager, dem Österreich-Ungarn sehr wohlgesinnten Prinzen Ale­xander von Hessen, den Wunsch aus, nach Beendigung seiner im 1 Siehe den Schlußpassus des Memorandums, Wertheimer a. a. 0., II., 299. 8 Langenau, Mein Wirken als Gesandter. W. St. A. 3 Károlyi an Andrássy, Boriin, 16. Mai 1876. W. St. A. 4 Erzherzog Albrecht an Kaiser Franz Joseí I., Heiligenberg, 17.—19. und 21. Juni 1875. Eigenhändig. W. St. A. (Kabinetts-Archiv.) 263

Next

/
Thumbnails
Contents