Historische Blaetter 2. (1921)

Josef Karl Mayr: Das politische Testament Karls V.

(vgl. S. 222) ist gleich ausgeprägt nicht nur dort1, Sondern auch in den Instruktionen von 15391 2 und 15433. und in den Kommentarien von 1550 4 nachzuweisen. Ein Gleiches gilt von dem Ratschlage der Gottesfurcht und des Gehorsams gegen Kirche und Glauben5, dem Hinweise auf ruhmreiche Vorfahren und die Bitternisse der Herrschaft (vgl. S. 222). Von Rat­schlägen und Ermahnungen dieser Art sind Karls Instruktionen über­voll 6; seine Sorge um Philipps jugendlichen Mut7 8 spiegelt sich in der Ansprache vom 16. Jänner 1556 deutlich wieder“. Karls väterliche Milde gegenüber den Untertanen, die namentlich bei der Erörterung ihres Verhältnisses zum Fürsten unverkennbar zutage tritt (vgl. S. 223 f.), ist E. W. Mayer9 bedenklich erschienen. Indes mit Unrecht; denn daß Karl in der Tat von ungewöhnlicher Liebe zu jenen erfüllt gewesen ist, läßt sich allenthalben erkennen. Die Instruktion von 1548 weist in beweglichen Worten auf die Erschöpfung der Staaten und die großen Opfer hin, die Karl den Untertanen habe aufbürden müssen10 11 12 * * *. Ja es läßt sich erweisen, daß sich Karl ihnen gegenüber merkwürdig gebunden gefühlt hat; in der Instruktion von 1539 macht er eine seiner älteren Tochter zugedachte Ehe mit einem Sohne Franz I. von Frank­reich ausdrücklich von der Zustimmung der Niederlande abhängig'1 und bezeichnet sich in der Instruktion vom 6. Mai 1543 geradezu als von dem guten Willen der Untertanen abhängig18. Wie sehr ihm das allgemeine Wohl der Christenheit, Ruhe, Glück und Wohlstand 1 Indem Karl die sachlichen Gründe seiner Abdankung aufzählt, weist er jeden Gedanken an persönliche Interessen weit von sich (vgl. Mignet 1. c 102). 2 Die Reise durch Frankreich mag gefährlich sein; auch rät man uns ab; doch bleiben wir dabei, denn nur die Not der Christenheit und unserer Untertanen treibt uns dazu (vgl. Weiß 1. c. 2, 552). 3 Nur der Schmerz über die Not unserer Königreiche und Länder und die Sorge um Philipps einstiges Erbe zwingen uns zum Kriege gegen Frankreich (vgl. Maurenbrecher 1. c. 3, 299). * Vgl. Kervyn 1. c. XXV f.; Morel-Fatio 1. c. 162, 170, 172, 223, 231, 239, 241, 247. 5 Vgl. besonders das kaiserliche Schreiben an Ferdinand vom 8. April 1555 bei Turba 1. c. 248; vgl. auch W. Richter 1. c. 24 f. 6 Vgl. Weiß 1. c. 2, 549 ff., 561; 3, 267 ff., 285, 309, 312; Maurenbrecher 1. c. 3, 291; Kervyn 1. c. XVI, XXII ff.; Morel-Fatio 1. c. 217, 233, 261. 7 T 9/3 (Dans l’áge oú vous étes on a le cceur plein d’ambition). 8 Daß die Abdankung nicht schon 1549, als Philipp zum ersten Male nach Flan­dern gekommen sei, stattgefunden habe, sei sichtlich Gottes Fügung gewesen, der Philipp vor Stolz und Eitelkeit bewahren wollte. 9 Vgl. 1. c. 120. 478. i° vgl. Weiß 1. c. 3, 271. 11 assenty d’iceulx (vgl. Weiß 1. c. 2, 554). 12 Wenn uns unsere Untertanen nicht sehr helfen, wissen wir nicht, wie wir diese Last tragen sollen; ohne vielfältige Hilfsdienste der Königreiche, Herr­schaften und Untertanen werde ein Sieg über Frankreich nicht möglich sein (vgl. Maurenbrecher 1. c. 3. 300 f.).

Next

/
Thumbnails
Contents