Historische Blaetter 2. (1921)
Josef Karl Mayr: Das politische Testament Karls V.
— lassen die früheren Erörterungen dieses Gegenstandes (vgl. S. 232 f.) als Vorlage hiefür vermuten \ Auch der nächste Absatz, der keinen italienischen Fürsten zu mächtig sehen will1 2 3 ist kaum bodenständig. Ein ähnliches gilt wohl auch bezüglich der Ratschläge, die den Wunsch ganz Italiens, Mailand und Neapel der spanischen Krone entfremdet zu sehen, betreffen*: die Texte widersprechen sich — T rät Einigkeit mit den Päpsten an, I) und I bezeichnen sie als Quertreiber — und schwanken in der Auffassung; erst wird den italienischen Bündnissen höchste Gefährlichkeit, gleich darauf das Gegenteil beigemessen. Gegen die Ursprünglichkeit des Schlußteiles4 spricht vor allem die Tatsache, daß er, was kaum anders zu deuten ist, in D gänzlich fehlt. Auch das Beispiel Cäsars und anderer Gestalten der Antike läßt diese Vermutung zu. Der überblick über weitere, unbehandelt bleibende Themen, die Beziehungen Philipps zu Italien im allgemeinen und besonderen, zu England, Deutschland, Flandern (I sagt Frankreich) und der Schweiz, ist unlogisch — von Italien Avar ja wiederholt die Rede — und differiert, Avie bemerkt. Die Zeitangabe — es ist schon spät und der Diskurs muß geschlossen werden — erinnert an frühere Erscheinungen gleicher Art (A'gl. S. 222). Von dieser textkritischen Zergliederung in eine bunte Fülle älterer und jüngerer Bestandteile — scharfe Grenzlinien ließen sich nicht immer ziehen — schreiten Avir nunmehr zum zweiten Teile, zur meritorischen Untersuchung der als bodenständig vermuteten Schichte5 fort, die mit der Frage, Avann diese ihrem Wortlaute nach entstanden sein mag, aufs engste zusammenhängt. Wir müssen uns dabei mit E. W. Mayer auseinandersetzen. Nach ihm6 wäre das Testament seinem Wortlaute nach am Tage vor der feierlichen Übertragung der nichtspanischen Länder, am 24. Oktober 1555 also, erlassen Avorden.7 Der Schreiber habe aber von den Ereignissen dieses 1 Korfu, Cypern und Morea werden als noch venezianisch aufgezählt; vgl. bezüglich Cyperns Anm. 1, S. 232. Daß auch Morea, das schon 1540 türkisch geworden war, genannt ist, zeigt, welch unklare Vorstellungen der Autor von diesen Dingen besaß. 2 T 103/2; D 247, 3—18; I 182. 3 T 103/3; D 248, 1—26; I 182 f. * T 104/1; I 183 f. 6 Auch W. Richter vermutet 1. c. 15 u. 21 eine gemeinsame, später überarbeitete Quelle. * Vgl. 1. c. 120, 452 ff. 7 Br. Stübel hat sich MIÖG 23, 621 ohne nähere Begründung für den Vormittag des 25. Oktober ausgesprochen, wohl weil der Text einmal von „heute“ spricht, wie E. W. Mayer 1. c. 120, 476, Anm. 2 vermutet (vgl. Anm. 2, 8. 222). —