Historische Blaetter 2. (1921)

Josef Karl Mayr: Das politische Testament Karls V.

gilt wohl auch von T 77/2, 2. Hälfte und 77/3 (gleich I 136 f) 1 über Defensiv- und Offensivkriege; die Schlußwendung nimmt deutlich auf den vorgenannten zweiten Zwischensatz Bezug. Von T 78/1 bis 79/2 (gleich D 227, 14—228, 2, und I 137—139)5 folgt ein dritter Zwischensatz über Rekrutierung; er mag als jüngere Erläute­rung des folgenden Abschnittes entstanden sein. Mit T 79/3 gewinnen wir, wie es scheint, Anschluß an den ersten Ab­schnitt (vgl. S. 226). Das Textstück3 steht in keinerlei direktem Zu­sammenhang mit dem unmittelbar vorausgehenden — bezüglich des dritten Zwischensatzes besteht sichtlich das umgekehrte Verhältnis — und hebt sich auch inhaltlich so auffallend davon ab, daß es wohl nur als bodenständig aufzufassen ist. Ohne Zweifel tritt hier, allseits von jüngeren Bildungen umsäumt, ein Stück alten Untergrundes zutage. Als Herr vieler schöner und großer Staaten könne Philipp zu Ver­teidigung und Angriff * Truppen ausheben und so der eigenen Kraft vertrauen, wofern er nur in voller Eintracht mit den anderen Fürsten des Hauses Österreich lebe. Denn nur in Streit mit ihnen hätte er seine Feinde zu fürchten. Andernfalls aber könne sich Philipp auch der Deut­schen 5 bedienen und überdies aus der Mischung des Kriegsvolkes Vorteil ziehen. Voraussetzung aber bleibe, wie schon so oft gesagt, ein gutes Einvernehmen mit Philipps Vetter, dem böhmischen Könige, einem Fürsten von hervorragender Tüchtigkeit. Denn die Hilfe von Philipps Ver­wandten, wiewohl sie glauben, Grund zu haben, sich über ihn zu be­klagen — dieser Passus fehlt in I —, sei wertvoller als jegliche Freun­deshilfe; keine Animosität sei so heftig wie die unter Verwandten; Philipp müsse daher alles vermeiden, was einen Bruch herbeiführen könnte — auch dieser Passus fehlt in I —, und handle verdienstlicher, ihnen um der Eintracht willen etwas nachzugeben, als seine gerechten Präten­tionen allzustrenge aufrechtzuerhalten. In D fehlt die zweite Hälfte dieser Ermahnungen gänzlich und auch in I fehlen, wie bemerkt, zwei wichtige Wendungen. Ihr Inhalt ist jedoch derart charakteristisch und entspricht, wie sich noch zeigen wird ("ved. S. 2391. so sehr der alk’e­1 D enthält nichts davon. 2 Vgl. E. W. Mayer 1. c. 120, 470, Anm. 2. 3 T 79/3—80/3; D 228, 2—229, 13; I 139—143; vgl. E. W. Mayer 1. c. 120, 471, Anm. 1. * Die Wendung fehlt in D. 5 I nennt sie 141 pure nazione armigera ed onorata, T 80/1 sicher das kiege- rischeste und tapferste Volk der Welt. In D fehlt ein derartiger Zusatz, wohl weil ihn dessen Vorlage nicht mehr hatte. Daß gerade die ital. Texte — T ist ja die Übersetzung eines solchen — diese charakteristische, für italienische Leser wenig schmeichelhafte Wendung enthalten, spricht sehr für deren Bodenständigkeit. I enthält anscheinend die ältere Fassung; Teissier mag sie verstärkt haben.

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