Historische Blaetter 2. (1921)

Heinrich Glück: Kunst und Künstler an den Höfen des 16. bis 18. Jahrhunderts und die Bedeutung der Osmanen für die europäische Kunst

ist1. Und in diesem Sinne ist es für die Anregung zur endgültigen Neuerfindung in Europa bezeichnend, daß; die ersten greifbaren Re­sultate, die in Florenz am Hofe Franz I. zu dem sogenannten Medici­porzellan führten1 2, nicht nur chinesischen, sondern auch persischen Dekor aufweisen. Neben Persien war es aber vor allem der osmanische Hof, an dem das Porzellan frühe Verwendung als Luxusgegenstand fand und ebenfalls eine reiche Fayenceindustrie auslöste3, so daß der höfische Porzellankult Europas wohl eher von hier aus seine An­regung erhielt, wo man das Fremdartige in festlichem Gebrauch sah, als durch die vereinzelte direkte Importware. Bezeichnend dafür — wenn auch in diesem Sinne kaum noch untersucht — ist, daß für die Phantasie der Porzellankünstler — mögen auch direkte ostasiati­sche Vorbilder nachweisbar sein — der Begriff des Chinesischen immer wieder mit Türkischem vermischt wird. So im Kostüm der dargestell­ten Personen, die zuweilen überhaupt als Türken gegeben werden4, durch das Beiwerk von Palmen, Tulpen (s. u.) oder die gerade damals in der Konstantinopler Blumendekoration so beliebten Nelken- und Fruchtvasen5, durch Kartuschen und arabeske Details, die Einführung der damals so charakteristischen türkischen Kioske (Schnorr v. Carols- féld, Abb. 24), nicht zum wenigsten in der Farbgebung, vor allem dem grellen Hochrot, wie es speziell den türkischen Fayencen gegenüber den dieser Farbe ermangelnden persischen und gegenüber dem ge­hinderten sang de boeuf Chinas zukommt. Dies alles soll nur im Sinne einer Anregung vorgebracht werden, diese Dinge auch in dem größeren durch den Islam und die Osmanen gegebenen Kulturzusammenhang zu begreifen, der — seit Jahrhunderten bestehend — erst später jenen Drang auslöste, das exotische Kulturgut auch auf direktem Wege zu übernehmen und an der Quelle zu studieren, wie es etwa in dem „Traité des édifices, meubles, habits, machines et ustensiles des Chi- nois“ von M. Chambers (erst 1776!) geschieht. Schließlich sei noch auf einige von den Osmanen ausgehende oder durch sie vermittelte Momente verwiesen, die zwar nicht direkt für 1 Siehe J. Brinckmann, Führer durch das Hamburgische Museum f. Kunst u. Gew. (Handb. d. Gesch. d. Kunstgewerbes) II., S. 503, 507. 4 Siehe L. Schnorr v. Carolsfeld, Porzellan (Bibliothek für Kunst- und Anti­quitätensammler, 3), S. 5. 3 Ebendort, 508 f. * Vgl. etwa die bei Brinckmann a. a. 0., S. 417, 456 abgebildeten Gefäße. 5 Siehe meine Türkische Dekorationskunst a. a. 0., Abb. 53—59, u. vgl. dazu etwa Abb. 26 bei Schnorr v. Carolsfeld, Porzellan.

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