Historische Blaetter 2. (1921)

Heinrich Glück: Kunst und Künstler an den Höfen des 16. bis 18. Jahrhunderts und die Bedeutung der Osmanen für die europäische Kunst

síellim (Geschäftsträger) in Diarbekir, um erst später die Stelle eines Hofarchitekten zu übernehmen. Yetim Baba Effendi, ein Gehilfe Si- nans bei der Erbauung der Moschee Suleimans d. Gr., wird nach deren Vollendung zum Bina Emini (Intendanten) ernannt1. Ähnlich erhielt Sinan für seine in den Feldzügen von Wan und Bogdan geleisteten Dienste (Bau von Schiffen und einer Brücke) zuerst militärische Ehrenstellen und dann den Titel eines Hofarchitekten2. Diese Dienste waren freilich mehr technischer als künstlerischer Natur, und dabei ist ;im Auge zu behalten, daß Sinan und Mehmed Agha als Mitglieder des Janitscharenkorps in erster Linie Soldaten waren, die nur diem Brauche gemäß nebenbei noch ein Handwerk zu erlernen hatten. Doch ist die Trennung beruflicher Metiers — wie auch heute noch — bei den Türken keine strenge, zumal bei den leitenden Stellen, da das Beamtenmäßige dabei immer im Vordergründe steht; die Dienstleistung an sich, welcher Art sie immer sei, ist das Entscheidende. Damit ist hier auch jene Stellung des Künstlers als Faktotum, das dem Verlangen des Herrschers sich nach allen Richtungen dienstbar zu zeigen hat, aus der Verbeamtung durchaus erklärlich, während sie gleichzeitig in Europa bei der dem humanistischen Persönlichkeitskulte entsprechen­den freieren Stellung des Künstlers als etwas Fremdartiges anmutet, und einerseits, wie in dem Verhältnisse Michelangelos zu dem Herrscherpapstes Julius II., zu Konflikten führen kann, anderseits aber auch das Aufkommen von Universalmenschen wie Leonardo fördert. Mit dieser Beamtenstellung hängt es auch zusammen, daß in den In­schriften in den seltensten Fällen der Künstler, sondern immer der Auftraggeber als Erbauer genannt wird3, wie es auch in Europa Mode wurde. Freilich ist dies nicht so zu verstehen, daß der Künstler als solcher bei den Osmanen nicht geschätzt wurde. Im besonderen gilt dies zunächst für die mehr immateriellen Künste, wie Dichtkunst, Schönschreibekunst und Musik; was die beiden ersteren anlangt, so kann dies in den Inschriften insoferne zum Ausdruck kommen, als der Dichter dabei vielfach Gelegenheit nimmt, sich als den Verfasser zu rühmen, der Kalligraph gewöhnlich seine Signatur daruntersetzt. Die besondere Schätzung dieser Künstler läßt sich auch daraus ent­nehmen, wie gelegentlich des Empfanges einer persischen Gesandt­schaft unter Sultan Mahmud I. alles darauf angelegt wird, daß die 1 Siehe Djelal Essad, Constantinople, de Byzance ä Stamboul, Paris 1909 (Les Études d’art a l’ét.ranger), S. 265 f., 178. 1 Ebendort, S. 253. * Siehe die Bauinschriften bei Hammer, Konstantinopel und der Bosporus. Pest 1822 (mit Übersetzungen).

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