Historische Blaetter 1. (1921)

Arnold Winkler: Die Korrespondenz des Erzherzogs Johann mit der Staatskanzlei über die Schweizer Sonderbundsfrage

sie schalten und walten zu lassen, Handel und Wandel nicht zu hemmen nicht zu beschränken, mit der größten Unparteilichkeit und Unbefangen­heit vorzugehen, vielmehr alles zu Befördern was den Vortheil, den Nutzen, das leichtere Bestehen zur Folge hat, und dieß damit die Er- kenntniß fest begründet werde Oesterreich sey freundlich gesinnet ent­halte sich jeder Einmengung Ehre die unverlezbarkeit der unabhängigen Cantonal Souveränität, und lasse hierin frey wirken, es sey blos da zum Schutze und mit den übrigen intervenirenden vereiniget um Friede, Ein­tracht gegen das Anarchische treiben zu erhalten, aufgeregte Leiden­schaften zu löschen und zu hindern daß die Partheyen Handgemein werden. Wie lange die Intervention zu dauern habe, auf welche Garantien es ankomme um für die Zukunft gesichert zu seyn, dieß auszumitteln ist die Sache jener welchen die Geschäfte der Politik anvertrauet sind; ich glaube daß die beste Gewährleistung darinnen läge, wenn man es da­hin bringen könnte, daß alle rechtlichen das Wohl ihres Vaterlandes ernstlich wollenden — ohne Unterschied der Farbe — ihre partiellen Ansichten, ihre Empfindlichkeit, ihren Ehrgeitz, ihren Schroffen Eigen­sinn auf dem Altar des Vaterlandes zum Opfer brächten, beherzigend daß in jedem Cantone mehr oder minder Gebrechen zu beseitigen Ver­besserungen nothwendig sind, daß ohne Glaube keine Tugend bestehen, und ohne zweckmäßiger VolksErziehung, welche das Volk tüchtig machet, moralisch veredelt, seine Bestimmung richtig begreifen lehret und Werth machet dadurch Zufriedenheit verbreitet: keine Ruhe kein Friede bestehen kann. Dieß ist ihre Aufgabe dieß wozu sie beruffen sind. Die zaghaften und trägen aufmuntern, die bedenklichen über­zeugen, manche Verirte zurükbringen, dadurch eine kräftige Mehrzahl zu bilden, aus den besseren gebildeteren, aus dem Volke, und diesem Werth mit dessen Vertrauen, dahin einwirkend daß die schlechten frem­den Pflanzen welche so viel Übles der Schweitz gebracht, und die arg­lose Gastfreyheit so arg mißbrauchet den Boden verlassen wo sie nie aufhören werden den Frieden zu stören dieß die weitere Aufgabe. Wenn es zu einer Intervention kommen sollte, so kann jener dem die Führung der zu diesem Zweke bestimmten Truppen anvertrauet wird, sehr nützlich einwirken; nothwendig in Berührung mit den Cantonal Regierungen, mit so vielen einzelnen Menschen, muß er allen Zugäng­lich seyn; er kann durch Rede, Benehmen, durch ein Ernstes, ruhiges, unbefangenes handeln viel nützen. Die Völker der Berge sind zu ge­winnen, wenn man es der Mühe Werth hält sie kennen zu lernen, ihnen Liebe zeiget, das an was sie hängen Ehret, offen, Wahr und Einfach 95

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