Historische Blaetter 1. (1921)

Alfred Stern (Zürich): Wit von Dörring in österreichischem Dienst

wegten Leben Wit von Dörrings beizubringen. Das genannte Archiv besitzt eine Anzahl von Kartons aus dem Nachlaß Rechbergs (»Präsidial­akten aus der Zeit des Grafen Rechberg, welche nach dem Tode des Freiherrn Max von Werner in dessen Zimmer in einer Kiste sich vor­fanden«), die mir mit gewohnter Liberalität zu unbeschränkter Ver­wertung zur Verfügung gestellt wurden. Der zweite dieser Kartons ent­hält unter anderen Korrespondenzen eine solche des Fürsten Windisch- grätz mit dem Grafen Rechberg. In einem Brief vom 19. Dezember 1859 an Rechberg schreibt Windischgrätz: »Ich bin zufälliger Weise schon vor mehreren Jahren mit Herrn Wit von Dörring in Berührung gekommen. Dieser Mann ist zwar ein gelasteter (sic!) Lump, hat aber seit langer Zeit schon reine und rechtschaffene Absichten und großes Talent. Unter Euer Excellenz unmittelbarer Leitung dürfte er Ihren Absichten entsprechen. Ich beehre mich, in der Anlage eine Abschrift von einer Zuschrift von ihm an mich sowie auch meine darauf erfolgte Erwiderung hier bei­zulegen.« Ich lasse beide Aktenstücke im Wortlaut folgen: * Wit von Dörring an Windischgrätz. Durchlauchtiger Herr! Bei der hohen Gnade, welche mir Dieselben seit langen Jahren be­wiesen, halte ich mich verpflichtet und berechtiget, Denenselben nach­stehende Mitteilung zu machen. Graf Rechberg (dem ich durch E. D. unvergeßlichen Neffen Konstantin Löwenstein nahe bekannt worden) hat mir seit dreißig Jahren seine Achtung und sein Vertrauen geschenkt, und dieß so eben dadurch bethätigt, daß er mich hieher gezogen, um unter seiner unmittelbaren Leitung das ganze Preß wesen Oester­reichs zur Reform in die Hand zu nehmen. Es gilt gleichzeitig die hiesige nichtswürdige Preße zu reformiren, und den ganz verloren gegangenen Einfluß Oesterreichs auf die ausländische Preße wieder zu gewinnen. Umsonst mein Einwand, daß ich nichts hievon verstände, Graf Rech­berg will die Sache in anständige Hände bringen, denen er vertraut und hat mir die Wahl der Organe und Mittel ganz frei gegeben. — So will ich denn mit Gottes Hülfe daran gehen, den Augiasstall zu reinigen und bitte ehrerbietigst Ew. Durchlaucht mir Dero so lange bewiesene 57

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