Pester Lloyd-Kalender 1861 (Pest, 1861)

Pester Lloyd-Kalender für das Jahr 1861. - Nachtrag

Nachtrag zur Nekrologie. Apostol, Pál, Superintendent der dies­seitigen Theißsuperintendenz H. C., starb am 14. März in Miskolc;. Er war der Sohn eines Pfarrers und am 3. October 1787 zu Zsano im Tornaer Äo- mitate geboren. Seine Studien machte er, durch die stürmischen Zeitverhältnisse in der Ausführung seines Vorsatzes, auswärtige Universitäten zu besuchen be­hindert , in Säros-Patak, und wurde 1815 als Lehrer an das reformirte Gymnasium von Losonc; ; Brüser . Zwei Jahre später ward er zum Pfarrer von ; «érjen ernannt; und 1826 gleichzeitig in Miskolc; und 5 tanderen Orten zum Seelsorger gewählt. Er nahm für Miskolc; an und erwarb sich durch die ge­wissenhafte Verwaltung seines Amtes, so wie durch eine Gewandtheit in Schrift und Rede so zahlreiche Anhänger, daß eram 24. September 1848 in aus­drücklicher Anerkenn ung seiner Verdienste u Unghvär zum Supcrintenden ten der dießscitigen Theißsuperin­tendenz ernannt wurde. In den letzten Monaten seines Lebens gehörte er zu den Führern der Reformirten bei den Bestrebungen, die Rücknahme des Septemberpa­tentes zu erwirken. Barry, Sir Charles, Erbauer der neuer Parlamentshäuser in London, starb daselbst am 19. Mai und wurde in der Westminsterabtei neben Robert Stephenson beigesetzt. Dechstein , Ludwig, sack sen - meittingischer Hofrath und Bibliothekar, am 24. November 1801 in Weimar geboren, früher Pharmaceut, dann thätiger Schriftsteller in verschiedenen Richtungen, starb am 16. Mai in Meiningen. Boka, Károly, vielbekannter ungarischer Kapellmeister, Einer der begabtesten Repräsentanten der echten magyar Nota, starb im 52. Lebensjahre am 20. Juli in Debreczin. Danilo, Fürst von Montenegro, fiel am 13. August der Privatrache eines montenegrinischen Verbannten zum Opfer. Dem Mörder, Namens Kadic, gelang es am 12. August um 8 Uhr früh an den Fürsten heranzukommen und eine Pistole auf ihn abzufeuern, als dieser eben in eine Barke steigen wollte, um sich von dem Hafen von Cattaro nach dem nahegelegenen Badeorte Perzagno zu begeben, wo der Fürst seit Wochen weilte, die Heilung eines gichtischen UebelS suchend. Am folgenden Tage war der Fürst bereits todt. Das Attentat wurde auf österreichischem Gebiete verübt und es gelang den Be­hörden, des Mörders habhaft zu werden. Danilo Petrovich-Njegusch war am 25. Mai 1826 geboren und gelangte zur Herrschaft am 19. Oktober 1851. Bald nach seinem Regierungsantritte verheirathete er sich mit einer Dame aus Triest, der Tochter eines dortigen Kaufmannes. Gleich nach seiner Thronbe­steigung führte er das Erstgeburtsrecht in Bezug auf die Erbfolge ein, während bisher jeder Fürst seinen Nachfolger nach Belieben aus dem Kreise der herr­schenden Familie Petrowich-Njegusch ernannt hatte; sodann trennte er die bis dahin vereint gewesene weltliche und geistliche Gewalt von einander, indem er selber nur den Fürstentitel beanspruchte und für Kirchenangelegenheiten einen eigenen Vladika einsetzte. Als im November 1852 die Türken unter Omer und Osman Pascha zur Vernichtung der Czernagorzen heranrückten, rettete Oesterreich sie durch die Sendung des Grafen Leiningen, der in Constantinopel den Abmarsch der Osmanli und die Feststellung des status quo ante gebieterisch forderte und im März 1853 wirklich erlangt. Als aber nach dem Pariser Frieden Frankreich und Rußland alle Ansprüche Danilo's auf Vergrößerung seines Gebietes, auf Erwerbung des Hafens Antivari, auf Erklärung der Unab­hängigkeit Montenegro's von der Pforte uterstützten: kam es bald zu neuen Kämpfen. Die Czernagorzen bra­chen in die Ebene von Grachovo, ein streitiges Gebiet, ein und überfielen, unter dem Schutze eines verräthe- risch gebrochenen Waffenstillstandes am 11. Mai 1858, die dort lagernden türkischen Truppen, denen sie eine vollständige Niederlage beibrachten. Die Pforte rüstete sich zu einem Nachezuge. Da erschien plötzlich der französische Admiral Jurien de la Graviere mit einer Escadre in der Bucht von Cataro und zwang die Türken den Angrif aufzugcben und sich in Con­stantinopel auf Conferenzen einzulassen, welche- wenn auch nicht rechtlich, so doch thathsächlich der Ober­lehensherrlichkeit des Sultans über die schwarzenBerge ein Ende machten und Danilo zu ansehnlichen Gebietsvergrößerungen verhalfen. Der Fürst hat seinem Volke außerdem ein neues Civil- und Straf­gesetzbuch gegeben, so wie einen eigenen Danilo- Orden gestiftet. Das Heer soll er bis auf 25,000 Mann vermehrt haben, die gut bewaffnet und mit Geschützen hinreichend versehen sind. „Unter meinen

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