Pester Lloyd-Kalender 1860 (Pest, 1860)

Pester Lloyd-Kalender für das Schalt-Jahr 1860 - Industrieller Anzeiger

LXXVI Programm der höchsten Orts bewilligten Höheren israelitischen Lehr-Anstalt, namentlich für die Lehrfach er der Haupt-, Real-11. Handelsschulen, verbunden mit einem i 1 Ck d es (Pest, Königsgafse, Simonyi fcíicé Haus Nr. 3.) Lehrgegeustände der Anstalt sind: Denk-, Sprech-, Sinnen- und Sprechübungen, 2, Lesen, 3. Rechnen, 4. Formen­lehre, 5. Geometrie, 6. Religion, 7. Bibel im Urtext, 8. hebräische Grammatik, 9, Geographie in Verbindung mit Klimathologie, Geognosft und Geognostik, nach meinem größeren geographischen Lehrbuch, 10. Weltgeschichte, 11. Naturgeschichte, 12. Naturlehre in Verbindung mit Chemie nach meinem Lehrbuche. 13, Kalligraphie, 14. Zeichnen, 15. Styl, 16. Seelenlchre, 17. Literatur, 18. Buchhaltung, 19. alle schriftlichen Aufsätze, die im kaufmännischen Leben Vorkommen, 20. die ungarische, französische, italienische und englische Sprache, 21. Musik, 22, Gymnastik. Diese Wissenschaften sind nach Klassen und auf verschiedene Jahrgänge, und zwar vom 6. bis zum 15. Lebensjahre der Schüler vertheilt. Zöglinge, die so glücklich sind, ohne Unterbrechung, ohne Wechsel, in dieser Lebenspertode diese Anstalt zu besuchen, können als für die höheren Stände bűllíwmnten nmMdet die Schule verlassen. Da s jährliche Pensionshonorar für einen Zögling fammt Unterricht in »HEMM. genLa^xa.]i.texi. tf<*•1 »_«*•:»• »M beträgt 400 fl. CM. mit vierteljähriger Vorausbezahlung und vierteteljähriger Kündigung. Für Zöglinge, die an­dere Institute, als die Handelsakademie, das Gymnasium/die Realschule u. s. w. besuchen, ist das Pensionshonorar — inclusive fremder Sprachen — 300 fl. CM. Cs ist allgemein sattsam bekannt, daß in dieser Anstalt auch schwachsinnige und körperlich schwache Kinder — ohne diese anzustrengen — geistig entwickelt und vollkommen ansgebildet werden können. Dem Ansuchen des Herrn Joseph L. Fischer, Inhabers einer hier bestehenden höchsten Orts konzes- sionirten Lehranstalt für die Lehrfächer der Haupt-, Real- und Handelsschulen, mich über den pädagogischen Werth seiner Schule, über ihre wissenschaftliche Richtung, über deren bisherige Leistungen schriftlich auszusprechen, komme jch ich um so bereitwilliger entgegen, als es einerseits Pflicht ist, echtem Verdienste allenthalben Geltung und wür­digende Anerkennung zu verschaffen ; anderseits aber glaube ich hiermit Eltern nahe und ferne einen Dienst zu er­weisen, so ich selbe aufmerksam mache auf ein Lehr- und Bildungs-Institut, das fern von aller Einseitigkeit und Halbheit den gatten Menschen in dem Heranwachsenden Kinde beansprucht; das alle geistigen und moralischen An­lagen bildungsfähiger Kinder naturgemäß entwickelt, sie harmonisch ausbildet, das Denkvermögen übt und schärft, das äußere Anschauungs- und Warnehmungsvermögen etwas tiefer als auf die Oberfläche der Erscheinungen bin- lenkt; aber auch das G e mü tch s leben des Kindes ästhetisch läutert und veredelt. — I ch habe aus mehr­fachen öffentlichen L> e m e st r a l - P r ü f u n g e n in genanter Schule diese freudige Ucberzgung gewonnen, und jeglicher, zu einem Ortbeil hierin berechtigte Fach­mann wird ihr das Zeugn iß geben, daß sie unter allen hiev bestehenden, einzig und allein mit der vorgeschritenen Geistesbildung stehet. Herrn F i s ch e r's Methode ist wahrhaft originell und ausgezeichnet zu nennen, sein Lehr­vortrag voll Geist, v o l l L e b e n, ich möchte sagen voll plastischer Beweglichkeit, voll ein­dring l t ch er Wirkung ; seine Behandlungsweise irgend eines Lehrstoffes ä ch t genial; der Lehrgegenstand von welcher Art immer, wird nicht dem Lehrling wie gewöhnlich von außen eingetrichtert, er wird durch eine st u f e n m ä- ßige Gedanken folge von innen heraus, organisch und naturwüchsig entwickelt, und zur geistigen Anschauung gebracht, daß so das Gelernte von dem Zögling geistig verarbeitet, seinem innersten psychischen Lebun affimilirt, und er mehr zum Denken als zun; bloßen Memoriren angehalten werde. — Mit diesen Zeilen, die den Lehreifer und die didaktischen Leistungen des Herrn Fischer nur im Allge­meinen andeuten, bet weitem nicht erschöpfen sollen, glaubt Unterfertigter nur einer Pflicht zu genügen, die jedem Menschenfreunde und warmen Theilnehmer an einer gedeihlichen Fortbildung der Heranwachsenden Jugend obliegt, diesen würdigen verdienstvollen Jugendbilder der allgemeinen Achtung zu empfehlen. der höheren Mathematik Magister, Prediger.

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