Pester Lloyd-Kalender 1860 (Pest, 1860)

Pester Lloyd-Kalender für das Schalt-Jahr 1860 - Geschichte des Jahres

Geschichte des Jahres. 121 renden Regengüssen. Doch waren alle bisherigen Gefechte auf die Vorposten beschränkt geblieben. Ka­men ja einmal, wie am 3. Mai bei Frassinetto an der Sesia, Geschütze mit ins Spiel, so suchte doch kein Theil einen größeren Erfolg.. Im Anfang wa­ren es die vorgehenden Oesterreicher, von denen der Angriff ausging; später, als Graf Gyulai seinen rechten Flügel und die gegen die Dora Baltea vor­geschobenen Abtheilungen wieder über die Sesia zu­rücknahm , um sie nicht einem Flankenangriff von Süden her auszusetzen, drängten die Piemontesen lebhaft nach. Bevor der FZM. sich vollständig an dem Zusam­menflüsse des Tessin und des Po, aufPiacenza und Pa- via gestützt und in der Fronte, wo die Positionen sei­ner Armee sich bis Voghera ausdehnten, durch das Defilä von Stradella gedeckt, concentrirte: beschloß er, sich noch durch eine großeRekognoscirnngdessen zu ver­gewissern , daß er wirklich hier, also von Alessandria aus, und nicht auf dem linken Poufer von der Dora und Sesia her den Hauptstoß zu erwarten habe. Am frühen Morgen des 20. Mai traten die zur Aus­kundschaftung beorderten Truppentheile unter dem Befehle des FML. Grafen Stadion ihren Marsch über Stradella hinaus an. Die vorrückenden Oester­reicher stießen Anfangs nur auf piemontesische Ka­vallerie, die sie aus Casteggio und dann aus Mon- tebello warfen. Der kommandirende General Sonnaz hatte jedoch sofort Baraguay d'Hilliers, der bei Novi stand, von dem Angriffe benachrichtigt, und dieser augenblicklich die Division Forey mit der Eisenbahn nach dem Schlachtfelde abgeschickt. Mit Forey's Ankunft kam das Gefecht zum Stehen. Stadion, der schon bis zu dem Gehöfte Genestrello vorgedrungen war, mußte nach Montebcllo zurück- weichen. In diesem Dorfe ward nun von Gaffe zu Gasse, von Haus zu Haus gekämpft, oft mit der blanken Waffe und Mann gegen Mann. Der Kirch­hof, der auf einer Höhe liegt, wurde bis sechs Uhr Abends gehalten. Um jene Stunde bildete General Forey eine neue Sturmkolonne, an deren Spitze er ich mit General Beuret stellte. Sein Wassengefährte fiel, von einer Kugel mitten in die Brust getroffen, und er selbst wurde in der Hand verwundet; aber er überwand die letzte Schranke. Graf Stadion ord­nete den Rückzug an, der von der Brigade Bits so kräftig geschützt wurde, daß die verfolgenden franzö­sischen Plänkler bereits bei Casteggio umkehrten. Der Verlust der Oesterreicher betrug, nach amtlichen Angaben, 294 Todte, 718 Verwundete, 283 Ver­mißte ; die Franzosen wollen 700, die Garden 300 Mann verloren haben. Die verhängnißvollste Wir­kung des Treffens von Montebello war indeß wohl die, daß sie den FZM. in seiner Ansicht bestärkte, der Feind werde das Defile von Stradella und den Poübergang zu forciren suchen, während am Ticino und aus der geraden Straße nach Mailand nichts zu fürchten sei. Die Richtung, welche die i t a l i e n i- sche Revolution in ihren weiteren Verlaufe nahm, that das ihre, diese Meinung in seinen Au­gen zur unumstößlichen Gewißheit zu erheben. Prinz Napoleon, der am 23. Mai in Livorno mit einer geringen Anzahl französischer Truppen gelandet war, hielt folgenden Tages seinen Einzug in Flo­renz und nahm sogleich die Neorganisirnng des tos­kanischen Heeres in die Hand, nachdem er die Bevöl­kerung in einer Proklamation darüber beruhigt, daß er keine Familieninteressen verfolge, und die Gerüchte, als wolle er ein Königreich Etrurien gründen, Lü­gen gestraft hatte. Die Herzogin-Regentin von Parma hatte sich zwar mit ihrem unmündigen Sohne Robert I vor einer Militärdemonstration am I.Mai, geflüchtet, war jedoch schon am 4. in Folge einer gelungenen Gegenrevolution zurückgekehrt. In Mo­dena endlich hatte Franz V. am 23. Mai auch noch die beiden anderen transapenninischen Provinzen, Lunigiana und Garfagnana preisgeben müssen, da die dort stationirten Garnisonen nach der Ankunft des Prinzen Napoleon in Floren; von Toskana aus leicht von dem übrigen Herzogthum hätten abgeschnit­ten werden können und daher abberufen wurden. Unter dem Eindrücke dieser Vorgänge vermochte der österreichische Chefkommandant die Ereignisse der nächsten Tage, die ihn auf eine Verlegung des Schwerpunktes der verbündeten Armeen ans dem Feftungsdreiecke um Alessandria nach der Sesia hät­ten vorbereiten müssen, nicht rechtzeitig ihrer vollen Bedeutung nach zu erfassen und zu würdigen. Wah­rend Gyulai seine linke Flanke und namentlich die Alpenseen mehr und mehr entblößte, drang Cialdini schon am 21. gegen Vercelli vor, aus welchem Orte er die Halbbrigade Ceschi zurückwarf; und kaum hatte dieser Heerkörper auf dem rechten Ufer der Sesia festen Fuß gefaßt, als G a r i b a l d i mit etwa 7000 seiner „Alpenjäger" sich von ihm loslöste und nach dem Südende des Lago Maggiore aufbrach, wo er am 23. bei Sesto Calende den Ticino über­schritt und so die Invasion der Lombardei begann. Zu diesem Behufe theilte er seine Leute in drei Abtheilungen. Die eine unter Dekristoforis, seinem besten Hauptmann, blieb zur Bewachung von Sesto Calende zurück; die zweite eehielt den Auftrag, bei Nacht über den Langensee zu setzen und einen Angriff auf Laveno, den Stationsort der österrei­chischen Dampfer, zu machen; mit der dritten brach er selber in das Beltlrn gegen Varese auf. Hier schloß sich ihm Alles an; er verschanzte sich mit Hilfe der Einwohner und erwartete den Angriff des gegen ihn entsandten General's Urban, der wider die Stadt nichts ausrichten und eben so wenig die Besetzung Como's verhindern konnte, vielmehr bis Monza zu­rückweichen und dort Verstärkungen ab warten mußte. Dem FZM. Gyulai erschienen alle diese Ereignisse lediglich im Lichte von Versuchen, ihn zur Schwä­i

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