Pester Lloyd-Kalender 1859 (Pest)

Pester Lloyd-Kalender für das Jahr 1859 - Revue von Pest-Ofen 1858

54 Revue von Pest-Ofen. GymnastischerVerein (Kerepescherstraße 12) g- 1839/ Präs. Leopold Gf. Nädasdy, 32 stist., 97 beitr., 25 Aussch.-Mitgl., Verm. 6400 fL — Ak- tienverein zur Erbauungeines Jnte- rimstheaters in Pest (Ob. Donauzeile 1) g. 1852, Vorst. Gustav Mal, Sekr. Joh. Denen, 120 Act., Verm. 60,000 fl. - W e ttr enn g ese l l- schaft, g. 1827, Vorst. Joh. Nep. Ritter v. Hein­rich, Sekr. Karl Borczy, 205 Mitgl., Verm. 12,000, Dek. 10,000 fl. — Verein zur Erhaltung d e r P e st e r F e ch t sch u l e (Seminärg. 4) g. 1833, Präs. Gf. Emmanuel Zichy, 101 Mitgl., Vermögen 40,400 fl. y Anmerkun g. Die in Pest bestehenden israelitischen Vereine für Krankenpflege und Leichenkosten sind aufgelöst und es ist deren Verschmelzung in einen einzigen Verein dieser Art im Zuge? * * * An 9icitl6(UttCtt ist Budapest im letzten Jahre nicht sonderlich reicher geworden, und selbst der An­blick unbebauter Plätze in den belebtesten Theilen der Stadt vermag die schlummernde Baulust nicht zu wecken. Hausgründe, ersten Ranges von welchen in der Residenz die Quadratklafter mit 1500 fl. abgeht, sind hier kaum mit 300 fl. pr. Klafter an den Mann zu bringen. So unerheblich sich aber der Zuwachs an Privatgebäuden herausstellt, eben so be­deutend ist das I. 1858 durch die öffentlichen Bauwerke die in früheren Tagen begonnen, im laufenden Jahre ihren Abschluß erreichten. Unter die­sen Gebäuden nennen wir vor Allem den Duai der Donaudampfschiffabrts- gefellschaft. Derselbe dehnt sich zu beiden Seiten der Ketten­brücke aus, und trägt nicht wenig dazu bei, um den grandiosen Charakter der Donauparthie zu erhöhen. Der Bau dieses Quais, der durch Geschmack und Solidität der Ausführung mit den schönsten derarti­gen Objekten Europas wetteifert, hat im September des I. 1853 begonnen, und wurde Ende August l. I. in allen Theilen beendet. Er dehnt sich, wie bemerkt an beiden Seiten des Pester Landpfeilers der Kettenbrücke aus und zerfällt so gewißermaßen in zwei Qaitheile, von welchen der oberhalb der Brücke ge­legene eine Länge von 76° und eine Breite von 18" einttimmt, während sich der untere Qaitheil in einer Länge von 70° und in einer Breite von 27° aus­dehnt. Die Abweichung ist somit in Rücksicht auf den Umfang des Bauwerkes eine so geringe, daß die Symktrie darunter nicht leidet. Die inneren in den Strom gesenkten Quaimauern sind gleich den beiden Eckthürmen aus dem Materiale unserer Kettenbrücke aus Soskuter Sandsteinen bester Qualität aufge­führt , und da sie mit Beton (einer aus Sand, Hy- . draulischem Kalk und Klopfsteinen erzeugten Masse die sich im Wasser verhärtet) fundirt sind, so können sie der Zett einen unbesiegbaren Widerstand entgegen­setzen. Die gegen die Landseite gewendete Quaiwand (Futtermauer) die sich in der Richtung nach dem Was­serspiegel abrundet, ist aus Promontorer Sandstein in den Abrundungen jedoch aus Soskuter Steinen gebaut. Im Innern des Quais befinden sich die W a a- renhallen. Dieselben sind an die erwähnte Fut­termauer angelehnt, und streben bis zum Niveau des Trottoirs hinan. Sie sind im Rohbauftyle, doch ist das rothe Ziegelwerk mit Soskuter Quadern un­termengt ; die aus gewelltem galvanisch verzinkten Eisenblech (aus der Winiwarter und Gersheim'schen Fabrick bei Wien) bestehende Bedachung, ruht auf gußeisernen Trägern mit Winkelschienen, welche aus der Altofner Schiffswerste der Gesellschaft hervorge­gangen sind. Die Waarenhallen sind mit eisernen Thoren verschlossen. Zur provisorischen Unterbrin­gung der Waaren dehnen sich in beiden Quaitheilen offene gußeiserne Hallen aus, deren Material so wie die galvanisch verzinkte Eisenblechbedachung aus England bezogen wurde. Das Aus- und Ein­laden der Waaren wird auf beiden Quais durch je 12 Krahnen bewerkstelliget, von welchen die 10 klei­neren eine Hebekraft von 15 Tonnen (300 Ztr) die zwei größeren jedoch eine Kraft von 20 Tonnen (400 Ztrn) besitzen. üDte beiden Ouaitheile werden von einem zier­lichen Gitter ans Gußeisen eingefriedet, das auf beiden Seiten, in der Mitte von den eben so einfachen ; als geschmackvollen S p e d i ti o n s h äu se r n un­terbrochen , sich in der Absenkung gegen den Strom an die gußeisernen Eingangsthore anlehnt. Die beiden durchweg mit Soskuter Sandsteinen ver­kleideten Speditionshäuser sind gegen die Donauseite einen Stock hoch, gegen die Häuserreihe des Franz- Josefsplatzes jedoch nur ebenerdig. Sowohl nach der Pe ster- als nach der Donaufronte sind U h r e n mit trans­parenten Zifferblättern angebracht, die des Nachts gleich den andern Räumlichkeiten mit Gas erleuchtet werden. Beide Häuschen sind mit Weisblech gedeckt. Thore sind an beiden Endpunkten drei angebracht; die am obe­ren Ouaitheile befindlichen sind mit gußeisernen Dra­chen , die als Eisbrecher dienen, die unteren Thore jedoch mit Delphinen aus demselben Material und hochragenden Kandelabern geschmückt. Gitter, Thore, Drachen und Delphine sind aus der Gießerei der AltofnerWerste hervorgegangen, während die schmucken fünfarmigen Gaskandelabers von Gußeisen in dem renommirten Etablissement des Herrn Abraham Ganz in Ofen angefertigt wurden. Die Pläne wurden sowohl rücksichtlich der Quais, als auch der damit verbundenen Baulichkeiten von dem Herrn k. k. Oberingenieur Franz Reitter ausgearbeitet, die Ausführung der Bauten war je-

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