Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1842 (Pesth)

37 Das Blinden - Institut in Pesth. (Mit einem Abriße des Gebäudes.) Ungefähr in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts lebte in Frankreich ein Mann, Blasius Hany, der das seit Jahrhunderten bestehende Vorurtheil, als wäre der Unterricht der Blinden unmöglich, thatfächlich widerlegte, indem er im Jahre 1789 in seinem eigenen Hause eine Schute für junge Blinde errichtete, und demnach als der erste Begründer der Blinden­erziehung und der nun in ganz Europa und überhaupt in der ganzen gebildeten Welt verbreite­ten Blindeninstitute betrachtet werden kann. Indem wir die zahlreichen Blindeninftitute des Auslandes als nicht hierhergehörend übergehen, und im Kurzen erwähnen, daß in den österreichischen Erblanden, und namentlich in Wien, schon 1808, in Prag in demselben Jahre, in Linz 1823, dergleichen Anstalten errichtet wurden, gehen wir auf die kurze Beschreibung des Pesther Blindeninstimts über. Zugleich den geehrten Lesern un­seres „L a n d b o r e n s" eine Abbildung des neuen Instituts - Gebäudes biethend. Das in Pesth bestehende Blindenmstitut wurde am unvergeßlichen und so folgenreichen Reichs­tage von 1825 gestiftet, und ist also kein städtisches, wie viele glauben, sondern ein Landes- Jnstirut, weil die milden Gaben, Fundationen und Vermächtnisse, aus welchen das Stamm» kapital des Institutes besteht, aus dem ganzen Lande in die Instituts-Kasse fließen und es werden daher auch blinde Kinder aus allen Theiten des Landes nach den Gcldkräften des Instituts in demselben ausgenommen. Die k. Freistadt Pesth hat das Institut gastfreundlich in seinen Mauern ausgenommen und seine edelherzigen Bewohner haben es bei ieder Gelegenheit mildthatig bedacht. Dessen hoher Protektor ist Se. k. k. Hoheit der allgeliebte Erzherzog-Rerchspalatin und wird durch eine permanente Commission des löbl. Pesther Comitates, deren Präsident immer der zweite Vice-Ge- span ist, dirigirt. Nachdem es dem Institute nach vielen erduldeten Widerwärtigkeiten endlich im Jahre 1834 durch die rastlosen Bemühungen des substit. Commisstons-Präsidenten H. Gabriel v. Földváry. p. t. gelungen war, sich ein eigenes Haus am Eckgrunde der Königs - und Fabriks- gasse zu erwerben, und dieses durch die große Überschwemmung im Jahre 1838 zerstört wurde, mußte das Institut bis zur Wiederaufbauung des Gebäudes provisorisch nach Ofen in den soge­nannten Horvs,'schen Garten verlegt werden. Da s neue Gebäude wird, wie aus unserem Abriße ersichtlich ist, weit geräumiger und groß­artiger, als das vorige, es wird von allen Seiten zwei Stockwerke hoch, nach dem Plane und unter der Leitung des allgemein, und rühmlichft bekannten Baumeisters Zitterbarth erbauet. Im untersten Raume desselben enthält es zwei große Werkstätten, ein Magazin, eine Küche, eine Wasch­kammer, ein Gestndezimmer, eine Roll-und Werkzeuge-Kammer, ein Badezimmer, eine Holz­kammer, einen Wein- und Grünzeug-Keller. 1) Der untere Raum ist mit den Hof» und ebenerdigen Wohnungen so verbunden, daß die Blinden mit den Domestiken in gar keine Berührung kommen. 2) Zu ebener Erde ist die Wohnung des Thorwärters und Aufsehers, ein großer Speisesaal, ein Lehr - und Schlafzimmer für Knaben, eine Lehrerwolmung und ein Waschzimmer. 3) Im ersten Stock befindet sich ein großer Saal die Direktions- und zwei Lehrers- Wohnungen , ein Schlaf- und ein Arbeitszimmer für Mädchen, mit einem Zimmer für die Lehre­rinnen, 2 Krankenzimmer und die Kanzlei. 4) Der zweite Stock enthält eine Lehrerß-Wohnung, 2 Zimmer für die Lehrgehitfen, einen großen Schlafsaal mit mehreren Lernzimmern für Knaben und Mädchen.

Next

/
Thumbnails
Contents