Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1842 (Pesth)

35 hervorging, daß sie sich sehr gut ln ihren Wittwenstand zu fügen wußte. v Um nun endlich die Nachforschungen über seinen Ge­burtsort in vollem Ernste und an der rechten Quelle zu betreiben, entschloß sich Alexis, nach England zu reisen, wo- hin alle bisherigen Spuren am deutlichsten wiesen. Ein grvßmüthiger Freund lieh ihm das benölhigte Reisegeld dazu. Als er eben seinen Koffer packte, um h einer Stunde wegzufahren, brachte man ihm ein Billet, welches die kurzen Worte enthielt: „Fehlen Sie heute Abend ja nicht auf „dem Renaissance-Balle. „Ihre Unbekannte." Um aller Erbschaften in der Welt willen hätte Alexis, auf diese Einladung hin, nicht ven diesem Balle ausbleiben wollen, der Alles In sich vereinigte, was elegant und vor­nehm genannt werden wollte. Mit stechendem Blicke suchte der Eingeladene sich feinen braunlockigen Domino aus der Menge heraus, als plötzlich ein zierlicher Blondin In blauem Domino ihn in den Arm kneipte und halblaut sagte: — Er kommt nicht. — Wer nicht? — Dein schwarzer Domino vom Opernball. — Er kommt nicht? Also hat nicht sie mich eingela­den auf heute Abend. — Nein. Aber warum bist Du so düster? Liebtest Du sie etwa schon? — Ich liebte sie schon lange. — Wenn Du mir versprichst, nicht nach England ab- reisen zu wollen, so schenke ich Dir dieses Papier, welches Dir viele Freude machen wird. — Ich bleibe. Laß sehen. Eben so schnell, wie der schwarze, so war auch dieser blaue Domino verschwunden, und Alexis hätte zu träumen geglaubt, wäre nicht ein Papier in seiner Hand gelegen, dessen Siegel ihm bekannt schien. Hastig öffnete er, und siehe da— sein Taus- und Heimathsche in. rmch aller Form Rechtens ausgestellt, lag vor seinem erstaunten Bl'cken. War auch diese zweite Ucbcrrafchung noch weit auf­fallender, als die erste, so verspürte Alexis doch keinerlei Veranlassung in sich, die Fee entdecken zu wollen, die ihn auf so merkwürdige Weise beschenkte, aus Furcht, dieselbe zu beleidigen und gegen sich einzunehmen. Auch war er in Gedanken zu sehr mit seinem Prozesse und der Frau von 9?*** beschäftigt. als daß er viel Zeit auf wahrscheinlich unfruchtbare Nachforschungen hätte verwenden mögen. Da ihm die Maskenbälle aber so viel Glück brachten, so war er einer der Ersten, und zwar ohne Einladung, ans dcm Mu> sard-Ball, dem geräuschvollsten und fröhlichsten aller Car- »evalöfeste. — Finde ich hier vielleicht meinen schwarzen oder blauen Domino wieder? dachte er bei sich selbst, als er aus einer Fensterblende gegen die Thüre hinschrilt. durch welche eine Menge Masken hereinrouschke, unter denen ein grüner Domino lustig mithüpfte. Augenblckiich stand Alexis an dessen Seite, und fand ihn nicht minder geistreich und liebens­würdig, als die beiden srühern. Als endlich die Scheide­stunde gekommen war, und der grüne Domino Miene machte, fortzugehen, sagte Alexis lächelnd: — Es sollte mich sehr überraschen, wenn ich kein Bil­let zum Abschied von Dlr erhalten sollte. — Das wäre möglich. Doch vorerst möchte ich Dir rathen, um eine Anstellung auf der Landschaft anzuhalten, bevor Du nach der Bretagne abreiscst. Vermögen allein reicht nicht aus, und ein Titelchen zu seinem Namen ist überhaupt nicht zu verachten. — Das weiß ich, allein mir fehlen Protektionen. — Willst Du jene Stelle, die vakant ist, im Ernste erlangen, so darfst Du nur — diesen Brief auf die Post tragen. Lebe wohl. Geheimnißovll, wie die beiden ersten, verschwand auch dieser grüne Domino, indem er keine Spur von sich zurück­ließ, als einen Brief in Alexis Hand, mit der Aufschrift: „Dem Herrn Marquis von * * *, Pair von „Fran kr eich." Am dritten Tage nach dem Maskenballe erhielt Alexis die schriftliche Ernennung zu seiner gewünschten Stelle und zugleich die Nachricht, daß er seinen Prozeß gewonnen habe. — Jetzt, sagte er laut zu sich selbst: jetzt fort nach der Bretagne. A ls er eben ausgehen wollte, um scinenRcisepaß zu besorgen, trat ein rosenrvther Dcmino ins Zimmer. — Wie? rief er erflouri: Masken in den Privat­häusern! Das ist drollig. Wer bist Tu, schöne Rose? — Ich bin der schwarze Domino aus dem Opernhaus, der blaue Domina von der Renaissance und der grüne Mu- sard, kurz die braunlcckige und blonde Tänzerin der Masken­bälle, die Dir drei Dienste erwiesen hat und nun kommt, ihren Lohn dafür einzuzichen. — Niches als billig. Was willst Du? — Dich deirathen. — Drei hübsche Frauen auf einmal wollen mich hei- rathen? Das ist nicht übel, wäre göttlich sogar, hätte ich nur noch ein freies Herz. — Wo ist Dein Herz? — In der Bretagne. — Bei der Frau von 92etwa? — Bei der. — Liebst Du ste immer noch? — Immer noch, und immer mehr. Ich reise diesen Augenblick noch zu ihr. — Ist nicht nöthig, denn sie steht vor Dir, sprach der rothe Domino, zog dir Maske rorg. und flog in Alexis Arme. — Ich komme so eben aus England zurück, woselbst ich Deinen Taufschein ausgkfuuden habe. — Aber der Brief an den Marquis von der mir eine so schöne Stelle eintrug? . . . — Den schrieb ich in Deinem Namen. Der Marquis durfte mir Nichts abfchlagen. — Es leben die Maskenbälle I rief Alexis fröhlich, Sie haben mich glücklich gemacht. 5*

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