Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1842 (Pesth)

33 Eine Frau, (kommt mit einem großen Korbe voll Gemüse und Fleisch.) Sie da! Motten Sie mir wohl diesen Korb nach Hause tragen? Nante. Zwee Mal, wenn Sie befehlen: Wo wohnen Ste'n? Die Frau. In de Wilhetmsstrasse am Hatt'schen Th vre. Nante. Ach du meine Mütze! Un da sott ick den Korb hindragen? Ne da wer ick ihnen en Korb jeben müssen, det dauert mir zu lange; ick möchte fern det andere Monat ver­reisen. Na, indessen, wenn Se acht Jroschcn jeben, denn will ick der mit Jednlv drajen, wat Sie mir auferlegen. Die Frau. Ach acht Jroschen, Sie sind wohl nicht klug! Zwei Groschen will ich Ihnen geben! Nante. So? wollen Se det wirklich? Ne, aber warum wollen Se'n so viel Jeld daran wenden? Wissen Se wat, sehen Se ruhig zu Hause, un lassen Se den Korb hier uf de Straße stehen, denn drägte'n Jhn'n Eener um- sonst weg. Die Frau. Er ist nicht klug! (geht ab.) Nante. Wat sagt Die? Ick bin nich klug? Na nu ts et noch hübscher! Ick muß mir wirklich'ne Tabelle anlejen, sonst vergeß ick det Attens. Erseht bin ick en dummer Kerrel, denn bin ick en Schafskopp, und nu bin ick nich klug? Nu soll Eener wissen, woran er is, wenn sich die Leute so ver­schieden über ihn aussprechen! (Ein Bürger geht vorüber.) Ach, hören Se mal, ick habe 'ne Bitte an Ihnen (er greift in die Tasche). Können Sie mir vielleicht vor einen Dhaler Fiecn Selb seben? Sie würden mir wirklich 'ne jroße Jefälligkeit erzeijen; ick habe da wat zu koofen, un cs fehlt mir an fiecn Selb. Der Bürger, (verwundert lächelnd) Na, ich will mal sehen, ob ich so viel klein Geld bei mir habe, (er zählt) Aber sonderbar ist es, daß Sie einen Thalec besitzen. Nante. Ick einen Thaler besitzen? Ne, damit stuckert et bet mir; von Dhaler'sch schreibt Paulus bei mir nischt. Ick habe Ihnen ja man blos um en Dhaler fiecn Zeld jebeten, weil man es doch braucht, un ick jar nischt besitze, indessen, wenn Sie mir einen harten Dhaler jeben, denn binn ick ooch zufrieden. Der Bürger. Ach so? Na, für den Witz sollen Sie zwei Groschen haben. (Er gibt ihm ein Geldstück.) Nante. (besteht dasselbe) Na jut, denn bleiben Sie mir zweeundzwanzig Iroschen schuldig. Aber schieben Sie't nich uf de lange Banke; bei die schlechten Zeiten muß man det Seinije Zusammenhalten. Der Bürger, (lächelnd) Erist ein Narr! (geht ab). Nante. (mit sich selbst Komödie spielend, verwundert). Erschtens dummer Kerrel, darauf ein Schafskopp, ferner nich ilug, und dann ein Narr? Ne, det wird mir zu vitte, da verheddre ick mir, da muß ick mal lieber in de Descht- latkonsanstalt wanken, un mir vor die zwee Iroschen er­kundigen, wer von die viere recht hat. (ab.) Der Maskenball. Alexis 2£***, dessen Abkunft für ihn selbst zu den dun­kelsten Geheimnissen des Lebens gehörte, hatte seine Mut­ter, deren Namen er trug, bei seiner Geburt verloren, wäh­rend er seinen Vater gar nie kannte, wie viele Mühe er sich auch gab, den geheimnißvotten Schleier seiner Wiege zu lüften. In seinem achtzehnten Jahre starb ihm die letzte Stütze seines jungen Daseins, ein Oheim, der ihn erzogen und dessen Vermögen er zu erben hoffte. Aber er täuschte sich in dieser Hoffnung, denn die Erbschaft wurde von einer Seitenlinie des Verstorbenen angesprochen und Alexis ab» gewiesen, weil er seine Verwandtschaft mit dem Erblasser nicht durch das gerichtlich nothwendige Aktenstück eines Tauf- und Familienscheines zu beweisen im Stande war. Umsonst stellte er die angestrengtesten Nachforschungen an: das so wichtige Aktenstück konnte er nirgends aufrrei- ben. Er gab endlich seine blühende Hoffnungen auf und begnügte sich mit seinem Vermögen, das in hunderttausend Franken bestand, welches ein Unbekannter aus Alexis Named bei der Nationalbank niedergelegt hatte, welche ihm die Zin­sen davon quartaliter sehr regelmäßig zukommen ließ. Mit diesem Vermögen und seinen mäßigen Ansprüchen an deü Luxus seines Zeitalters, verlebte der junge Mann glücklich seine Tage und wußte sich über den Verlust seines nie be­sessenen Erbes philosophisch zu trösten. Sein philosophischer Trost wurde aber noch sehr bedeutend verstärkt durch seine Liebe zu dem jungen Fräulein von E., welches seine zarten Gefühle nicht unerwiedert ließ. Wie sollte ein liebendes Herz in seiner Wonne und dem Glück, sich wieder geliebt zu wissen, sich nicht über eine verlorne Erbschaft zu trösten vermögen! Doch der Verlust dieser letztern war nicht der einzige Fluch, welcher auf seiner ungewissen, illegitimen Abkunft lastete und ihm hemmend in den Weg trat— des Fräuleins Ellern wollten eine Verbindung nicht zugeben, die ihre Vor- urtheile verwundete. Ein junger Mensch, dessen Herkommen dem ganzen Lande ein Geheimniß war, konnte unmöglich der Ehre, ein Mitglied der Familie C. zu sein, gewürdigt wer­den. Alexis wurde daher förmlich abgewiesen, und Amalle mußte, der )ewalt der Umstände und Konvenicnzen wei­chend, ihre Hand dem Herrn von 9? *** überlassen, welcher den wesentlichen Vorzug besaß, als echter und offizielle» Edelmann geboren zu fein. v Dieser erste Abschnitt von Alexis Lebensalter hatte sich in der Bretagne zugetragen. Als der Unglückliche seine letz­ten Hoffnungen welken gesehen, begab er sich nach Paris, dem Zufluchtsorte aller Gebeugten, und stürzte sich in den Strudel eines untergeordneten Lebens, um seine sehlgeschla- genen Hoffnungen zu vergessen und fein krankes Herz zu zerstreuen. Cr unterließ nichts , was nur von ferne seine Liebe auszulöscken vermögen sollte, und verschwendete dazu sein ganzes Vermögen, welches der unbekannte Wohlthäter ihm so großmüthig zugewendet hatte. Kurz, nach einem fünfjährigen Aufenthalt in Paris war er ruinirt durch seine Verschwendung; aber was er dadurch zu erzielen gehofft—

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