Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1840 (Pesth)
Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1840. - Mannigfaltigkeiten
In Leipzig kann, nach einem akademischen Statute, Niemand vor dem 30. Jahre eine ordentliche Professur erhalten. Christian August Clodius, Professor der Dichtkunst, welcher am 30. Oktober 1784 starb, hielt in seinem 28. Jahre darum an; allein er gab sich, um nicht abgewirsen zu werden, bei der Behörde für 30 Jahre alt aus. Als er nun einst bei der verwitweten Churfürstin von Sachsen (Maria Antonia) speiste, fragte ihn diese Dame, bei welcher er vorzüglich in Gnade stand, kn Gegenwart des damaligen Oberconststorial- Präsidenten v. Globig, wie alt er wäre? Was sollte er ihr antworten? Verleugnen wollte er doch fein Alter nicht und doch wollte er sich auch nicht widersprechen. Er half sich mit einem witzigen Einfalle aus aller Verlegenheit. „Ew. Hoheit,“ sagte er, „in Dresden bin ich 28* Jahr, in Leipzig muß ich 30 Jahre alt seyn.“ Er erklärte sich über diese Antwort und sie gefiel der Chursürstin so wohl, daß sie ihm einst zu Leipzig durch einen Kammrrherrn sagen, ließ: Es würde ihr angenehm seyn, wenn sich der Mann wohl befände, der in Dresden jünger als in Leipzig wäre. Kant hatte auch in jungem Jahren nie eine starke Stimme, je älter er wurde, je mehr nahm die vhnedieß geringe Stärke derselben noch ab. Es mußte das seinen Zuhörern bald bemerkbar werden, und sie strebten darnach, ihm so viel als möglich nahe zu sitzen, denn in einer Entfernung von fünf Schritten mußte man schon alle Aufmerksamkeit anwenden, um ihn zu hören. und kn einer Entfernung von acht Schritten war es fast unmöglich ihn zu verstehen. Die Studenten, welche etwas nachschreiben wollten, nahmen immer die nächsten Bänke ein. Kant hatte aber die Gewohnheit sie anzusehen, und gewöhnlich heftete er seinen Blick insbesondere auf Einen von ihnen, welcher ihm gerade gegenüber saß. Dieß war eine Zeitlang ein junger Mann, welchem ein Knopf an seinem Rocke fehlte, und der diesem Mangel aus Nachläßigkeit nicht abhalf. Kant blickte mit unverwandten Augen auf ihn und auf die Stelle an seinem Rocke hin, wo der Knopf fehlte, und so blieb er ungestört. Kurze Zeit nachher ließ sich der Student einen neuen Knopf annähcn, und so erschien er wieder an seinem gewöhnlichen Platze. Jetzt war Kant während der ganzen Stunde zerstreut, verlor oft den Faden feines Vortrags, und in seinen Beweisgründen herrschte weniger Zusammenhang. Nach geendigter Vorlesung ließ er den Studenten vor sich kommen, und sagte zu ihm: Er habe feit geraumer Zeit bemerkt, daß ihm ein Knopf an seinem Rocke fehle. Der junge Mann fiel ihm hier in die Rede und bat ihn um Vergebung, daß er lange nachläßig genug gewesen sey, sich den Knopf nicht wieder annähen zu lassen. Nein, nein! crwiederte Kant, das meine ich nicht, ich wünschte vielmehr, daß Sie den Knopf wieder wegnehmen ließen; denn er stört mich. Der englische Arzt Cheyne erzählt von einem Capk- tän, Namens Townshend, der die Bewegung des Herzens ganz willkührlich hemmen konnte. Er machte einmal einen Versuch in Gegenwart des Herrn Eheyne und zwei sciucr Freunde. Er fiel als todt nieder, ohne Puls und------ 32 Athem. Als er eine Zeit lang in diesem Zustande geblieben war, wurden die Zuschauer bestürzt, und besorgte», Townshend sey wirklich gestorben. Sie wollten eben das Zimmer verlassen, als der vermeinte Todte, der wahrscheinlich ihr Gespräch gehört hatte, seinem Herzen die Bewegung wiedergab, und in Kurzem sich wieder in feinem natürlichen Zustande befand. Ein junger Mensch verliebte sich zu Paris in die Tochter eines reichen Bürgers, vnb sie in ihn, aber ihr Vater zwingt sie, einen andern zu heirathen. Nicht lange daraus verfällt sie kn eine Krankheit und stirbt. Man begräbt sie, wie damals zu Paris gewöhnlich, nach 24 Stunden. Ihr erster Liebhaber, der der Sehnsucht nicht widerstehen kann, sie noch einmal zu sehen, gewinnt den Todtengrä- ber, ihm das Grab zu öffnen. Es geschah in derselben Nacht; der junge Mensch droht dem Tvdtengräber augenblicklich, wenn er nicht schweigen würde, nimmt die Leiche heraus, und trägt sie in ein benachbartes Haus. Hier legt er sie ans Feuer, reibt sie mit warmen Tüchern, und sucht ihr unter tausend Umarmungen und Küssen das Leben wieder einzuhauchen. Und nach einigen Stunden wurde ihm seine Mühe reichlich belohnt, sie fing an zu seufzen, und ihr Leben kehrte wieder. Bald darnach ging das seltene durch den Tod vereinte Paar nach England, und wagte es erst nach einigen Jahren zurückzukommen. Man wollte sie erst gar nicht für die Verstorbene erkennen, aber es ward bald erwiesen, und ihr jetziger Mann verlangte nun auch, daß man ihm das ihr gehörende Vermögen hcrausgeben sollte. Es entstand hierüber der sonderbarste Proceß. Der erste Mann bestand darauf, daß sie ihm noch zugehöre, der zweite behauptete, sie sey für jenen todt, und nur für ihn und durch seine Bemühungen wieder lebendig geworden. Aber das Parlament schien sie doch dem erstern Besitzer zukommcn lassen zu wollen; sie warteten also den Proceß nicht ab, sondern kehrten nach England zurück. Zu einem berühmten Wundarzte kam ein reicher Jude, um sich von einem Bcinschaden heilen zu lassen. Er hatte nicht allein drei von seiner Nation bei sich in der Kutsche, sondern es folgten auch verschiedene seiner Frennde und Bekannten zu Fuße nach, um das Urtheil des Wundarztes zu vernehmen. Dieser untersuchte das Bein. So oft er fon* dirte, zwangen die Schmerzen den Patienten zu schreien, uud jedesmal stimmte dann die ganze Begleitung in das Geschrei ein. Den Wundarzt befremdete dieß komische Ge- schrei. „Aber, warum schreit ihr benn?“ fragte er zuletzt ungeduldig. — Ganz trocken antwortete der Jude, welcher das Bein des Patienten hielt: Mein, weiß der Herr denn nicht, daß wann Eins grunzt, so grunzen sie Alle? Bin ich nicht ein geduldiger Mann? sagte ein Gichtischer zu seiner Frau. Andere, die das Podagra haben, schmeißen den Leuten Alles, was sie zu fassen kriegen, an den Kopf. — — Die werden es wohl nicht kn den Händen und Füßen zugleich haben! erwkederte die Frau rasch. Ein Kommissionär empfahl ein zu verkaufendes Hauunter Anderem auch damit: -Es hat den ganzen Tag Mittagssonne.«