Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836 (Pesth)

Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836. - Allerlei Zum Zeitvertreib

42 Kant's Wohnung. In Kan t's Wohnzimmer waren vom Staub und von den Dampfmotken seines Ta­bakrauchens die Wände grau überzogendenn er war ge­gen Ordnung unv Sauberkeit in diesem Stücke sehr gleich- giltig. Als der Krkegsrath Scheffner einst, wahrend des Zuhörens eines Gesprächs zwischen Kant und Hip­pel, einige Züge mit dem Finger an die Wand machte, wodurch der weiße Grund wieder sichtbar wurde, sagte Kant: »Freund, warum wollen Sie den Alterthumsrost zerstören? Ist eine solche von selbst entstandene Tapete nicht besser, als eine erkaufte?" Beleuchtung der Strassennamen. Da es in größeren Städten nicht bloß Fremden, sondern zuwei­len sogar Eingebornen nicht selten geschieht, daß, wenn sie bei Nacht und Nebel auszugehen gezwungen sind , nicht mit Sicherheit wissen, in welcher Straße sie sich befinden, so dürfte es sehr zweckmäßig sein, die Namen der Straßen des Nachts zu beleuchten. Man hat dieß in neuerer icit in einigen Straßen von Paris iit Ausführung gebracht und man scheint hiebei anch bereits auf die geeignetste Be- leuchtungsmethode gekommen zu sein. Man schreibt näm­lich die Namen der Straßen auf die an den Straßenecken angebrachten Laternen. Pitt und sein Arzt. Einst scherzte Pitt mit feinem Arzte, und warf ihm vor, daß er vline allen Nu- yen seinen Patienten eine Menge übelschmeckender Arz­neien verschreibe. »Nennen Sie mir Jemand , der sich dar­über beklagt?« rief der Arzt aus. »Das ist eine Unmög­lichkeit,» versetzte Pitt, »Venn Sie stopfen zur Sicher­heit gleich Jedem den Mund.« Die Versorgung. Ein junger Rechtskundiger erhielt durch den Einfluß eines Mannes von Ansehen eine einträgliche Stelle, aber er mußte sich auch verbindlich machen, -die grundhäßliche Tochter seines Beschützers zu heirathen. »Dich hat dein Schwiegervater gut versorgt." sagte sein Freund zu ihm einige Tage nach der Hochzeit. »O ja!« antwortete der junge Ehemann, »er hat mir ein schönes Stück Brot, aber auch ein häßliches Stück Fleisch gegeben.« Verein von Dieben. Zu London hat sich ein Verein von Dieben zusammen gefunden, und sich den Na­men : »Gesellschaft wahrer Freunde« gegeben. Sie soll aus sechzig Mitgliedern bestehen, welche sich allmonatlich in einer Taverne versammeln. Wer ohne hinlänglichen Grund ausbleibt, muß eine Geldstrafe erlegen. Bei der letzten Versammlung fehlten 43, doch es fanden sich giftige Ent­schuldigungen. 6 waren gehängt, 11 deportirt, 9 flüchtig, und 15 saßen im Gefängnis;. P f e r d e - B i l l. In England wurde auf eine Bill aiigetragen, nach der es den Besitzern von Pferden nicht mehr gestattet werden sollte, sie so grausam zu behandeln. »Das ist recht lobenswcrth! « sagte ein Irländer, »aber warum hat man nicht auch der Esel erwähnt, sind die nicht auch unsere Nächsten?« Erzählung aus dem Stegreif. Der Pro­fessor L. in einer langweiligen Gesellschaft sich befindend, wollte dieselbe verlassen, als ihm einer der Gäste sagte: Sie müssen uns einen Witz machen, sonst lassen wir Sie nicht von der Stelle. Nun , dann will ich Ihnen Etwas erzählen.— Ein Dieb hatte sich in eine Kirche geschlichen und die Kanzeldecke gestohlen. Er wollte sich entfernen, fand, aber die Thüce verschlossen. Vielleicht kannst du mit­telst dieses Stricks bis ans Fenster klettern und so ent­wischen , dachte er. Er kletterte daher an demselben hinauf, aber beinahe oben bemerkte er, daß dieser der Glocken­strang war, daher er sich herunter ließ und die Glocke in Bewegung setzte. Die Nachbarschaft eilte hinzu und nahm den Dieb in Empfang, der sich nach der Glocke umsehend sprach: Du mit deiner geschwätzigen Zunge und leerem Kopf bist schuld, daß ich nicht fortkommen konnte. Und nun sprach Professor L. empfehle ich mich Ihnen. Können und nicht können. Ein Oxforder Student, der mehr im Kopfe als in der Börse hatte, setzte sich ohne Einladung mit einer Gesellschaft an die Wirths» tafel, und sprach viel von seinen Talenten und Geschick­lichkeiten. Ein Anwesender bemerkte endlich: wir haben nun genug darüber gehört, was sie können; sagen Sie uns yun auch, was Sie nicht können. »Das \\t beim Him­mel bald gesagt,« antwortete der Gefragte, „ich kann raci* ne Zeche nicht bezahlen. Der Wortwechsel. Im Theater zu Rheims ent­stand auf der Gallerie zwischen zwei Frauen ein Wortwech­sel, wobei die Eine so heftige Bewegungen machte, daß sie das Gleichgewicht verlor, und ins Parterre hinabstürzte. Das Wunderbarste ist., daß die Gefallene weder selbst be­deutenden Schaden nahm, noch Jemand verletzte. Als fte wieder auf ihren Platz kam, sagte sie: »Frau Gevatterin, ich habe mir's überlegt. Sie haben Recht.« Der treue Hund. Einem jungen Herrn fiel e-s ein, seinen Hund zu ertränken. Er hatte ihn mit sich ln ein Schiff genommen, und ihn mitten in dem Strvmm ge­worfen. Mit einem Ruder bewaffnet. verhinderte er ihn, wieder in das Schiff zu springen. Während er mit dieser grausamen Handlung beschäftigt war, verlor er das Gleich­gewicht, und fiel ins Wasser, wo er unfehlbar ertrunken wäre, wenn der Hund, den er ertränken wollte, ihn nicht mit den Zähnen an Rock gepackt, und ans Land gezogen hätte. Die dünnen Beine. Ein junger Rechtsgelehrte« trat einst bei einem Ball einen Herrn, der sehr dünne Beine hatte, auf eines seiner Fußgestelle. Der Herr wurde wüthend und fragte: „Na, glauben Sie etwa, daß ich meine Beine gestohlen Hab ?« »Gott bewahr!« war die Antwort, »pa hätten Sie sich doch gewiß ein Paar beßere ausgesucht!“ Grabschrift eines Mathematiker. Dreyeck und Viereck und Zirkel Hab' ich im Leben gemessen. Dennoch maß ich mir nichts, als dieses Oblongum heraus.

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