Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836 (Pesth)
Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836. - Allerlei Zum Zeitvertreib
40 Ost in di sch er MLdchenraub. Vor kurzer Zelt wurde zu Kalkutta in Ostindien ein Mensch gehangen, ver ein Verbrechen begangen hatte, das gewiß in Europa noch niemals vorgekommen ist. Er war ein so ausgezeichneter Schwimmer, daß er unglaublich große Stre» (fen unter dem Wasser fortschwimmen konnte. Diese Kunst benuyte der Bösewicht dazu, sich den eingezäunten Bade- plätzen der vornehmen, indianischen Frauen unter dem Was» ser zu nähern; alsdann ergriff er ungesehen eine derselben bey den Füssen, zog sie unter das Wasser, ertränkte sie und beraubte sie alsdann ihres Schmuckes ; denn die indianischen Damen pflegen stets mit allen ihren Juwelen zu baden. Die Umstehenden, welche das Verschwinden der Badenden sahen, glaubten, daß ihre Gefährtin von einem unter dem Wasser verborgenen Krokodilt geraubt sei-, und überall hörte man Verwünschungen gegen diese schrecklichen Thtere. Endlich aber trug cs sich zu, daß ein Mädchen sich glücklicherweise losmachte und entkam, und zum Erstaunen aller sagte, es sey kein Krvkodill, sondern rin Mann, der nach ihr gegriffen habe. Dieses leitete zur Entdeckung des Mörders, und er gestand, baß er schon sieben Jahre das Handwerk getrieben habe. Der lebendig geprügelte Tvdte. (Nach dem Bericht eines Engländers) Zwei Gefilmte tu Petersburg hatten sich gegenseitig ewige und unversöhnliche Feindschaft geschworen. Zufällig starb in dieser Zeit einer von den Dienern des einen Herrn . man begrub ihn , der russischen Sitte gemäß, nach Verlauf von 24 Stunden. Da fiel es dem andern Herrn ein, sich an seinen Gegner zu rächen, und zwar ihn der gewaltsamen Ermordung dieses seines Dieners zu beschuldigen. Um dieser Anklage dem Anschein der Wahrheit zu geben, beschloß er, den Todten mit Hülfe einiger Getreuen wieder auszugraben, und ihn so zuzurichten, daß sich bei dessen Besichtigung deutliche Spuren der Gewaltthätigkeit zeigen sollten. Dem zu Folge ward der Körper aus dem Sarge genommen, ausrecht hingestellt, und eben fing man an, ihn mit gewaltigen Stockschlägen zu regaliren. als der Tvdte, zum Entsehen der ganzen Gesellschaft, nach einigen empfangenen Schlägen, plötzlich auf» lebte, und dadurch die erschrockenen Todtenbeleber zur schleunigen Flucht brachte. Nach und nach sammelte der Erstan- Vene so viele Kräfte, daß er, in seinem Sterbe-Kostüm das Haus seines Herrn erreichen konnte, wo sein Erscheinen alle Einwohner mit Grausen erfüllte. Endlich, überzeugt, daß er fein Geist sey. beruhigten sie sich, und der Neu- belebte mußte ihnen haarklein alles erzählen, was ihm seit seinem Scheintod begegnete. Eine Art Starrsucht hakte ihn bei vollem Bewußtseyn unvermögend gemacht, sich zu bewegen oder auch nur zu sprechen, bis die schrecklichen Hiebe seine erstarrten Glieder wieder belebten. Auf diese Weise ward der höllische Plan endeckt, den man wider feines Herrn Leben und Ehre geschmiedet. Ein Recheu-Erempel. Drei Mädchen wandern aus ihrem Dorfe zur Stadt, um die ersten Früchte ihrer eigenen Bäumchen auch selbst zu verkaufen. Das eine hat 21, das andere 29 und das dritte hat 33 Aepfel. Jedes Mädchen gibt so viele Aepfel für einen Kreuzer als dag- ander«, und doch, als sie zu Hause ihr Geld zählen, hat eins sv viel als das andere. Wie ist das zugegangen? Die französische Tafel. Ein reisender Engländer kam in ein großes Gasthaus, und speiste an der französischen Tafel. Ec fand daselbst eine große Schüssel voll Suppe nebst einem kleinen Stücke Kalbfleisch darin. Es kam ihm, als einem, der viel Fleisch, wenig Suppe aber zu essen gewohnt war, dicß sonderbar vvr. Er nahm daher seine Perrücke ab und zog seinen Rock aus. Die Mitfpeisei.dcn fragten verwunderunzsvott, was er denn thun wolle? Er antwortete: Messieurs! ich will mich entkleiden, damit ich durch diesem Ocean von Suppe nach der kleinen Insel vom Kalbfleisch schwimmen kann. Die Herberge. Ein Dervisch kam auf feiner Reise in den Pallast eines angesehenen Kaufmannes, und wollte daselbst übernachten. Er warf bcr sits fein Bündel in einen Winkel, als ihm die Bedienten bedeuteten, daß dies kein. Wirthshaus, sondern das Svmmerpalais des berühmten Großhändlers Gari von Persien sey. Der Dervisch »rollte sich damit nicht abweifen lassen, sondern zankte mit den Bedienten, bis der Herr des Pallastes selbst herbey kam. Dieser sagte ebenfalls, daß er sich irre, wenn er fein Haus für eine Herberge halte. Der Dervisch überfragte: ,,We»n gehört beim diesrs Haus? Gari ant,vortete: Es gehört mir. — ,,We»n gehörte es früher? " — Meinem Vater. — ,,U„d wer wird es nach Dir bewohnen?^ — Mein Sohn unt) Nachfolger. — „Also ist es nur eine Herberge, und du wirst mir die Einkehr über heut Nacht nicht versagen." Gari begriff den Sinn der Worte, und bcwirthete den Dervisch seinem Stande gemäß nicht blvs diese Nacht, sondern noch mehrere Tage, und entließ ihn sodann reich beschenkt. Die Fremde. Der Sohn eines Daßgeigers ging in die Fremde. Vor seiner Abreise gab ihm der Vater verschiedene Lebensregeln und Ernrahnungen mit auf den Weg und schloß damit: „Dumußt dir die Fremde nicht so rvsenfar- big vorstettcn; du wirst gegen Beschwerden und Unannem- lichkeiteu zu kämpfen haben; glaube nicht etwa der Himmel hänge voller Baßgeigen.« — „Ich hoffe, mein Vater.« sagte Jener, „der Himmel »verde mir auch et»vas Besseres bescheren.« Der Naturalist. Ein Geizhals äußerte sich sehr oft, daß er ein eifriger Liebhaber und Anbeter der lieben Natur sei. „Das sind Sie gewiß nur,« sagte Jemand zu ihr»», weil die Natur drei Reiche hat. Der Wirth und der Gast. Wirth. Meine Herren! Ich habe Sie während der Mahlzeit von einem Prozesse reden hören: sollten Sie hier einen Prozeß haben, so will ich Ihnen meinem Sohn empfehlen. Er isi......... Gast. Wir sind Apotheker und sprachen bloß von einem chemischen Prozeß. Wirth. Das ihut nichts! Mely Sohn hat eine« starken Einfluß, und ich verbürge mich dafür, er gewinnt Ihnen den chemische« Prozeß.