Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836 (Pesth)

Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1836. - Manningfaltigkeiten

23 J; ■' Löffel hinein. In der nächsten Hülben Stunde ist alles gereinigt. Zu manchen Zeiten wenn sich das Wetter än­dert, füllen die heimlichen Gemächer das ganze Haus mit häßlichen Gerüchen an. Er sprengt mit seiner Flasche in ihnen herum, oder gießt eine Schale voll, die er stehen läßt, und die Sache ist beseitigt. Bei Reinigung solcher Gemächer hat schon mancher Arbeiter das Leben durch die daraus hervorströmenden erstickenden Dünste eingebüßt. Wenn aber eine halbe Stunde vorher ein paar Eimer Wasser, worin 1 bis 1 4 Pf. Chlorkalk aufgelöst wurden, hineingegvssen werden, kann sich jeder kn solche Cloaken, in einen lang verschlossenen Brunnen, in ein Todtengewöl­be u. f. f. getrost hinablassen. Namentlich auch bei Leichen ist deßhalb der Chlorkalk so wohlthätig. Wie unerträglich ist oft der Leichendunst, besonders im Sommer bei Ge­witterluft, nach manchen Krankheiten, welche schnell Fäul- nkß begünstigen. An Leichenhmisern fehlt es noch überall. Wie unangenehm ist dann die Lage der Leute, welche we­nig Raum besitzen und dies-n ganz von einer Leiche ver­pesten lassen müssen. Mit 5 Kreuzer Chlorkalk ist alles abgemacht. Löst ihn im Wvsser auf und besprengt den Leichnam mit einigen Tassen über und über! und wäre er halb in Verwesung übergegangen, es ist aller üble Ge­ruch weg, ehe eine Viertelstunde vergeht. Mittel gegen die Bleikolik. In einer Blei­weißfabrik ist das beste Mittel gegen die Bleikolik, wenn man denen Arbeitern den freien Gebrauch von Leinwände, die mit Schwefelwasserstoff imprägnirt ist, gestattet. Erdflöhe ru vertilgen. Die Erdflöhe werden am besten vertrieben durch Schwefelblüthe dünn über die Bette gestreut, inglcichen mit Raps-Kuchenmehl, das zu­gleich düngt. Sehr großeBaumfrüchtc zu erzielen. Mun läßt eine dichte Grube in die Erde mauern und schüttet in diese ein Jahr hindurch alles Thierblut, was man bei den Schächtern erhalten kann, mischt solches mit guter Gar­tenerde, Ofen und Kienruß und rührt es zuweilen um, damit es verrotte. — Durch diese Düngung wird der wohl- gepflegte unb vor Schaden sorgfältig geschützte Baum ge­deihen und vorzüglich große und wohlschmeckende Früchte tragen. Klauenseuche der Schafe zu verhindern. Man läßt die Schafe, einige Minuten lang und zwar während des Löschens des Kalkes auf einem Platze he­rumgehen, den man einen Zoll hoch mit gebranntem Kalke bestreuet hat. Auf diese Weise soll der Huf härter und fester und weit weniger zur Klauenseuche geneigt werden. Ist der Fuß schon erkrankt, so soll man die kranken Theilc erst mit einem scharfen Messer ausschnetden und dann das- selbe Verfahren beobachten. Beste Aufbewahrung der Aepfel und Bir- neu. Zur Aufbewahrung der Aepfel und Birnen ist statt des Strohes und Heues, beßec trockener Sand oder Far- renkraut zu nehmen. Auch die weißen Blätter der Kuku- rutzkolben und trodfenes Moos sind dazu geeignet. Mäuse zu vertilgen. Es werden aus Mehl und verdünnter Phosphvrsäure kleine Kügelchen gemacht, oder Wcizenkörner'niit jener Säure besprengt. Dann legt man einige Pillen oder Körner in jedes Mausloch, so fommeu die Bewohner schleunigst herbei und fressen sich zu Tode. Wie man Bernstein st üke züsamnrenkitten kann. Wenn man zwei Stücke Bernstein mit Aezkali be­feuchtet, und dann beide warm aneinander drückt, so ge- fchiet die Verbindung so vollkommen, daß man nicht ein­mal eine Spur der Verbindung sieht. Gegen das Zittern der Gliedern. Man neh- me Maiblumenwasser, Fünffinger-Krautwasser, Rauten- wasser, von jedem 4 Loth, Anhaltisch wasser 2 Loth, Kampferspiritus 1 Loth, Alles gut untereinander gemischt, und wasche die Glieder warm damit. Ueber die Fabrikation von Papier aus Stroh. Herr W. Baddetey bringt bei Gelegenheit des Steigens der Preise der Lumpen in England, und da nun mehrere faserige Pflanzenfloffe zur Papierfabrikation cm- pfvhlen werden, folgendes Verfahren in Eiinnerung, wel­ches Mathias Kovp im Jahre 1302 patentíren ließ, und nach welchem dieser Mann damals aus Heu und Strvh Papier verfertigte. »Man nimmt auf jedes Pfund Heu oder Stroh 1 bis 1 4 Pfund Aezkalk, den man beiläufig in 6 Quart Flußwasser anrührt. Das Heu oder Stroh wird in Stücke von beiläufig 2 Zoll Länge geschnitten, j Stunden lang in einer bedeutenden Quantität Wasser ge­kocht, und dann 5—7 Tage lang und darüber In der Kalk- auflvsung macerirt, wobei man die Masse fleißig umrührt unb umwendet. Nach Ablauf dieser Zeit wird das Kalk­wasser abgelassen, das Heu oder Stroh gut ausgewaschen und abermals mit einer großen Menge Flußwasser gekocht. Diese letzte Operation wird noch einmal wiederholt, wobei man, um dem Papiere eine schönere Farbe zu sichern, aus 36 Pfund Heu oder Stroh 1 Pfund Soda oder Potasche zusetzt. Die weitere Behandlung der auf diese Weise vor­bereiteten Subfianzen geschieht nach dem gewöhnlichen Ver­fahren ; manchmal ließ der Patentträger die Materialien vorher jedoch gähren, gleichwie man dieß früher auch mit den Lumpen geschehen ließ. Disteln können auf gleiche Weise behandelt werden; man muß sie aber vor dem Abblühen abschneiden. Schutzmittel gegen Kohlensäure in Kel­lern, von Doctor Monheim zu Aachen be­kannt gemacht. Fein gebrannter Kalk, durch löschen mit Wasser zu einem dünnen Brei gemacht, ist das vor­züglichste Mittel, ähnliches Unglück zu verhüten. »Die Luft­art nämlich, sagt derselbe, welche sich während der Gährunq des Weinmostes entwickelt, ist kohlensaures Gas, und die- / scs Gas, welches im Uebermaße immer Erstickung bewirkt, ! hät zum Kalke eine so starke Anneigung oder Verwandt­schaft, daß es von demselben augenblicklich eingesogen wirk. . PZird daher täglich, oder auch nur alle zwei bis drei Tage (nach der Mehr- oder Minderzahl der in Gährung begrif­fenen Fässer) ein solcher Kalkbrei in den Keller gestellt, so wird alle Gefahr durchaus vermieden. Sostte indessen, durch Versäumniß dieser Maßregel, wirklich Gefahr ein-

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