Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1833 (Pesth)

Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1833. - Manningfaltigkeiten

30 Auch das Eintauchen deS Hintern in kaltes Wasser wird empfohlen ; zum innerlichen Gebrauch ein Absud von getrockneten Heidelbeeren ; Reil empfiehlt den frischen Saft der Steinnessel, zu 2 Loth mit Fleischbrühe. Di e Radikalkur der Hämorrhoiden ist aber nur von der Lebensvrdnüng zu erwarten. Die Hanptbc- dingnngcn, ans die es dabei ankommt, sind: Vermeidung eines unthätigen schwelgerischen Lebens, anhaltenden Sitzens und Sorge für regelmässige tägliche Bewegung in freier Luft durch Spazierengehen, Bergsteigen und Reiten. Die Bewegung durch Hvlzsägen und Gartenarbeiten bekommt den Hämvrrhoidalisten besonders gut. Auch die Vermeidung von Federbetten und weichen gepolsterten Stühlen ist bei der Kur nicht unwichtig. Denn die an Hämorrhoiden leiden, müssen auf Rvhrstühlcn oder einem glatten Brette von Eichenholz sitzen. X. Zur Heilung der H y p o ch o n d e r i e. Menschen die ihr Leben mit Nichtsthun hinbringen, oder in eingesthlvsscner Lust an den Schreibtisch gefesselt, selbst das Athmcn vergessen, entgehen mit zunehmendem Alter selten der Hypochondrie und Melancholie. Dagegen solche, welche bei einem mühevollen und thätigcn Leben dem Einstusse der freien Luft am meisten ansgesetzt sind, wie Landleute und Bergbewohner, selten von Langerweile, Mißmnth, Grillen und Lebensüberdruß geplagt werden. Muth und Heiterkeit werden erweckt durch alle active Be­wegungen in freier Luft, wahrscheinlich dadurch, daß mit Beschleunigung der Respiration und Belebung des Kreis­laufs das Blut gteichmässtger vertheilt, und dem Hirn und Herzen schneller zngefnhrt wird. Hieraus geht her­vor, daß die wirksamsten Heilmittel der Hypochondrie diäte­tische sind. Oben an steht die Gymnastik der Alten und ihre Kurmethvde durch regelmässige Leibesübungen, von denen sie Gesundheit und Wohlbefinden vorzüglich abhängig hiel­ten. Die Leibesübungen, welche die griechischen Aerzte em­pfahlen , bestanden im Springen, Wettlaufen, Wertendes Diskns und Wurfspießes, im Ringen, Spazierengehen, Reiten, Schwimmen, in der Zagd, Schiffahrt, Landar­beit, dem Ballspiel, Tanz, dem lauten Sprechen und Lesen, Baden und Reiben. Für solche, die gymnastische Hebungen verschmähen, ist der Rath, täglich eine Stunde weit zu gehen, vdcr einen Berg zu ersteigen, schon sehr wichtig. Denn durch rasche Bewegung im Freien, zumal bergan, wird mit Ver­doppelung der Respiration die Aufnahme der Lebenslust vermehrt, der Kreislauf des Blutes belebt, allgemeine Wärme und reichlichere Hantansdnnstung erweckt, die in der Regel Wohlbehagen und Heiterkeit herbeiführt. Nach lebhafter Muskelbewegnng ist das Gefühl von Abspannung eine Art Wollust, die zur Wiederholung anssordert. Zn allen Zeiten hat man daher Reisen, besonders in südliche Länder, für die größten Heilmittel der Hypochon­drie angesehen. Bewegungen und tägliche Ortsoerändernng, wodurch der Geist vielfältig angenehm beschäftigt wird, unterbrechen die Schwcrmuth und erwecken neue Lebenslust. Herzklopfen und hypochondrische Beängstigung, die weder dem Aderlaß, noch Abführungsmittcln, nvch irgend einer andern vielgernhmtcn Kurmethvde weichen wollten, hören oft ans, sowie der Kranke in den Wagen steigt oder die erste Station znrückgelegt hat. Besonders ist für Nordlän­der eine Reise durch Italien und die Schweiz als Gegenmit­tel des Splens geeignet, wobei nicht bloß die Bewegung unter einem sonnigen Himmel und der Anblick neuer, den Geist vielfältig beschäftigender Gegenstände, sondern auch der Umgang mit sanguinischen Menschen zur Gcmüths- anfheiterung beiträgt. Für viele Hypochon driften , die an Verstopfung, hä- morrhvidalischen Cvngestivnen, Spannung des Bauches und schmerzhaften Empfindungen im Unterlcibe leiden, ist keine Art von Bewegung zweckmässiger, als die durch tägliches Reiten. Die Bewegungen des Pferdes theilen sich, näm­lich, besonders den Unterleibsorganen deS Reiters mit, erschüttern auf eine wvhlthätige Art die überfüllten Blut­adern, und beleben den Kreislauf des Pfortadcrsystems. Auch ist den meisten Hypvchondristen der Aufenthalt in einer großen, geräuschvollen Stadt wohlthätiger, als das einsame Landleben, denn der tägliche Wechsel interessanter Begebenheiten, die Zerstreuung welche die öffentlichen Be­lustigungen und Schauspiele gewähren, selbst der häufigere Anlaß zur Bewegung ist dem Kranken heilsamer, als das stille Landleben, welches den Geist leer und leicht inSchwer- muth versinken läßt. Ans eben dem Grunde sind Fußreisen in guter Ge­sellschaft und kurze Seereisen erheiternder und gewähren mehr Zerstreuung, als das gewöhnliche Reisen im ver­schlossenen Wagen. Niemand hat die erheiternde und stär­kende Wirkung des Reifens zu Fuß besser geschildert, als Scume in seinem Spaziergang nach Syrakus. Der Tanz, den selbst Sokrates nicht verschmäht haben soll, das allgemeinste, bei allen Völkern übliche Erhei» ternngsmittcl, darf bei der Kur einer Krankheit nicht übergangen werden, die in activer Bewegung ihr größtes Hülssmittel findet; und die verschiedenen Arten des Ball­spiels, wohin auch das Billard zu rechnen ist, sind darum so schätzbar, weit sie alle Muskeln in Thätigkeit setzen und zugleich ergötzen. Galen hat über den Nutzen deS Ball­spiels ein eigenes Buch geschrieben, wodurch er zu bewei­sen sucht, daß die Motion, welche es gewährt, allen cm» der« vorzuzichen sey; denn eS können auch Arme, Schwäch­liche und Alte sich diese Bewegung zu Nutzen machen. Zn allen Zeiten hat man der Ehe in der Kur dev Hypochondrie und Melancholie viel Gutes nachgesagt. Gegen eingebildete Krankheiten kann Ueber- redung, vernünftige Vorstellung und Belehrung, daß alle die Symptome, welche ans unheilbare organische Fehlev hinzndeuten scheinen, bloße Wirkungen krankhafter Seelen» stimmung seien, von großem Nutzen seyn. Kants Schrift r von der Macht des Gemüt Hs, durch den bloßen Vorsatz,

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