Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1833 (Pesth)

Der Pesther Stadt- und Landbothe für das Königreich Ungarn 1833. - Manningfaltigkeiten

24 MANNiskaltLskerten z u m Nutzen und Vergnügen für die Besitzer dieses Kalenders. GesuirUheitsKunDe. I. Krankheiten der Kinder. Verschiedene Ursachen machen, gerade bei den Krank- beiten der Kinder, die Bekanntschaft mit einfachen, diäte­tischen Heilmitteln wünschenswerth. Schon der fast unüber­windliche Abscheu vieler Kinder vor Arzeneien erweckt bei den Angehörigen das Verlangen nach Mitteln, die sich ih­nen leichter beibringen lassen. Dazu kömmt, daß viele Kin­derkrankheiten, weit sie blosse Entwickelungszustände sind, der künstlichen Heilkunde gar nicht bedürfen; in anderen aber, wie bei der englischen Krankheit und den Scropbeln, die langsame Beförderung der Ausbidnng der natürlichen Kräfte, durch ein zweckmäßiges, diätetisches Verhalten, weit ersprießlicher ist, s der rasche Eindruck vor Arzenei- mitteln, die auch, wenn man sie während der jahrelangen Dauer jener Ucbel beständig fortbrauchen wollte, damit endigen würden, den Magen zu ruiniren, und jene natür­liche Entwickelung, von der alles Heil in solchen Fällen abhängt, aufzuhalten. Die Hilfsleistungen, im scheintvdten oder im ohnmäch­tigen Zustande gcbornc Kinder wieder zu beleben, sind größtentheils einfach. Sie bestehen: 1. in warmem Bade. 2. in Reiben der ganzen Oberfläche mit der Hand ober der Bürste. 5. im Ein blasen von Luft. 4. im Kitzeln der Nase mittelst einer Feder. 5. Dcranszichen des Schleimes aus dem Halse mittelst des Fingers oder einer Feder. 6. Waschen und Anspritzen mit kaltem Wein. 7. Auf- und Abbewegen des aus dem Bade genomme­nen Kindes in freier Luft. Ei ne gute Ammenbrust ist das zuverlässigste Stärkungs­mittel für ein zu frühzeitig gebornes und schwächliches Kind. Zum ernähren des Neugebornen, neben einer schwa­chen Mutterbrust, oder ohne alle Muttermilch, ist thieri- sche Milch, die das Kind aber saugen muß, der beste Er­satz. Denn das Kind hat das lebhafteste Bedürfniß, zu sau­gen , von der Natur erhalten. Nichts beruhigt es so sehr, als die Befriedigung dieses Bedürfnisses. Z» dem Ende be­festigt man an die Mündung eines eau de Cologne Glases eine aus Elfenbein oder Horn gedrechselte, kvlbige Spitze, voran ein mit dünner Leinwand überzogenes längliches Stück Bad esel wamm angebracht ist. Die Milch muß in der ersten Zeit gekocht, mit etwas Zucker versüßt und mit Wasser ver­dü nnet seyn. 'Später kann man sie unvermischt, jedoch im­mer gekocht, saugen lassen. . In den ersten Monathen bedarf das Kind keiner an­dern Nahrung. Die consisientern Speisen, die man ihm später-rcicht, bestehen am zweckmäßigsten: in Gries, Nu­deln, Weißbrvd, Reis, Grütze mit Milch oder Fleisch­brühe gekocht. Weit unpassender ist der bei uns so häufig mißbrauchte Zwiebacksbrei aus gestoßenem Zwieback, Zu­cker und Wasser. In Rußland und Schweden läßt man Neugcborne an­statt des Saugglascs aus einem Horn Kuhmilch trinken. An das schmal abgesägte Ende des Rindshornes wird die zubereitete Haut von der Zitze einer Kuh, oder eine andere dünne Haut, in die man kleine Locher sticht, befestigt. Man hat auch vorgeschtagen und cs in Italien ans- geführt, die Kinder unmittelbar an Ziegen sangen zu lassen. Di e jetzt in England beliebte Kranken- und Kinder­speise: Arrvw-rvot , besteht aus dem glänzend weißen, mit Zucker in heißem Wasser verrührt, angenehm schmeckenden Satzmehl einer westindischen Pflanze (Maranta). Um diese Kinderspeise, welcher die Kartoffelstärke sehr nahe kommt, zu bereiten, thut man einen Kaffehtöffct voll Arrow-root in ein Porzetlangefäß, setzt so viel kaltes Wasser hinzu, daß dasselbe einen Teig bildet, gießt dann eine Tasse ko­chende Milch darauf, rührt cs um und läßt cs am Feuer so lange kochen, bis es die Conststenz einer leichten Gal­lerte angenommen hat. Hierauf gibt man etwas Zucker hinzu. Unruhige und an Schlaflosigkeit leidende Kinder soll man öfters Abends warm baden. Zn den mancherlei Gebrechen der Neugebornen gehört auch die K o p f g c sch w u l st, eine durch Druck während der Geburt entstandene Beule, die gewöhnlich auf einem Scheitelbeine ihren Sitz hat. Diese Geschwulst vergeht ge­wöhnlich unter beständigem Auflegen von Läppchen, die in kaltem Wein getaucht worden. Die a ng e s ch w o tle n e n B r ü st e neugebvrner Kin­der , welche die Wärterinnen durch Ausdrücken der in ih­nen enthaltenen, wässerigen Feuchtigkeit behandeln zu müs­sen glauben, und dadurch oft heftige Entzündung und Ei­terung verursachen, erfordern nichts, als das Auflegen mit Zucker durchräucherter Baumwolle; oder, in hartnä­ckigen Fällen, eines Pflasters aus geschabter Seife und Hotlunderblüthen mit warmem Wasser angemacht. Nachblutungen ans dem dicht am Leibe abgeris­senen oder abgefallenen Nabel werden durch ein Stück Zun­der, welches man an der Stelle aufdrückt und dann sest- bindet am besten gestillt.

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