Folia historica 14

Németh Gábor: A kolozsvári csizmadia céh ónkannája 1633-ból. (Adalékok Erdély reneszánsz ónművességének történetéhez)

in der Vorstadt Szentpéter ansässigen unitarischen Kirche aus dem Jahre 1537 führt einen Beweis für das frühzeitige Dasein eines lokalen, siebenbür­gischen Zinngeschirrtyps (Abbildung 5). Für diesen Typ ist eine Kannenform charakteristisch, wo der Mantel durch erhabene Ringreihen in sich nach oben veijüngernde Felder geteilt wird. Die mit Masken ausgestalteten Stollen waren in der siebenbürgischen Zinnkunst der Renaissance-Zeit auch später beliebt. Ihre eigenartige, schuppenförmige Verzierung wurde in den zeitgenössischen Quellen als "Fischhautmotiv" erwähnt. Gleicherweise schmückt dieses Motiv bemalte hölzerne Decken oder Goldschmiedearbeiten. Die Inventare der unitarischen Kirche, oder z.B. die Zusammen­schreibungen zeitgenössischer Stadtbürgerhäuser berichten über die damalige Beliebtheit der Zinngeschirre. Neben siebenbürgischen, in Kolozsvár verfertig­ten Zinngefässen werden auch aus Wiener oder aus englischem Zinn gegossene Geschirre erwähnt. Das Ungarische Nationalmuseum kaufte eine grosse, im Jahre 1633 verfertigte Zinnkanne der Stiefelmacher von Kolozsvár an — aus dem Nachlass der in Budapest ansässigen Linie der Familie Pákei, die vom 18. Jahrhundert an eine wichtige Rolle im Leben der Stadt Kolozsvár spielte. Auch diese Kanne ist ein Meisterwerk der dortigen Zinnkunst (Abb. 1, 2). Die Kanne stellt einen eigenartigen Typ der Frühzeitigen siebenbürgischen Zinngeschirre dar. Beachtenswert ist ihre zeitgemässe Verzierung. Ein Stiefel und Stiefel­macherwerkzeuge sind auf dem in Italienischer Girlande gefassten Wappen­schild zu sehen, welche im Motivenschatz der siebenbürgischen Renaissance oft vorkommt (Abb. 4). Die italienische Girlande wird von einem mit naiver Zierlichkeit ausgestalteten, aber durch kunsthistorische Analogien interessan­ten Sirenenpaar gehalten. Sirenen, Missgeschöpfe sind seit der Renaissance-Zeit des Königs Matthias in der ungarischen Kunst bekannt (Miniaturmalerei, Steinmetzarbeiten). In Siebenbürgen tauchen sie in den Plastiken der Kapelle von János Lázói in Gyulafehérvár (Alba Iulia, Karlsburg, Weissenburg) 1512 mit besonderer Butfarbigkeit auf. Von den 1530er Jahren an nahm der Re­naissancestil in Kolozsvár einen grossen Aufschwung. Die Steinmetzwerkstatt der Stadt wirkte massgebend auf die ganze Renaissancekunst von Sieben­bürgen. In den besonders beliebten Maskengestalten, Missgeschöpfen kam aber auch deutscher Einfluss zur Geltung. Eine auffallende Ähnlichkeit merkt man z.B. zwischen den Sirenen auf der Kanne der Stiefelmacher und den auf dem Titelblatt der Chronik von Gáspár Heltai, die nach einem deutschen Vorbild verfertigt wurde (Abb. 7). Die Sirenen waren beliebte Gestalten der 24

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