Folia historica 6

Vigh Károly: Portrévázlat Juhász Nagy Sándorról (1883-1946)

eigentlich das Programm,- was die Demokratisierung des ungarischen Unterrichtswesens bedeutet, in dem der Unterricht bis zum 14. Lebensjahr obligatorisch und kostenlos wird. Eine wichtige Aufgabe wird ihm im Januar 1919 in der Károlyi folgenden Berinkey-Regierung zuteil, er wird mit dem Justizministerium betraut. Eine seiner unvergänglichen Massnahmen und Rechtsetzungen ist die Ausarbeitung des Gesetzentwurfes über den besonderen Richterstatus, wo die richterliche Unabhängigkeit gesichert wird, der Ministerrat nimmt ihn Anfang März an. Sándor Juhász Nagy steht den äussersten politischen Richtungen gegenüber und er bekennt sich bis zum Schluss konsequent zu seinen bürgerlich demokratischen Ansichten. Nach dem Sturz Mihály Károlyis während der Räterepublik nimmt er keine politische Rolle an, nach der Niederschlagung der ungarischen Proletarmacht emigriert er nach Wien. Er kehrt erst 1923 nach Debrecen zurück, als er vom reformierten Kirchendistrikt jenseits der Theiss — dessen Obernotar er von seiner Jugend an war — nach Hause gerufen wird, er schliesst sich allmählich dem politischen Leben an. Die konterrevolutionäre Ordnung schreckte aber vor den rohesten Wahlmissbräuchen nicht zurück, um sein Hineinkommen ins Parlament verhindern zu können. Schon seit 1935 ist er nicht bereit, an den Parlamentswahlen teilzunehmen. Dabei steht er aber den Strebungen und Kämpfen seines Freundes Endre Bajcsy-Zsilinszky, oppositionellen Politikers mit seiner moralischen Kraft aktiv bei, der nachher Martertod starb. Im Reformkreis von Debrecen sieht er Zsilinszky und andere oppositionelle Politiker als Gast, die dort Vorlesungen über aktuelle aussen- und innenpolitische Fragen halten. Die Dokumente im Anhang sind meist die Briefe von Zsilinszky, die er in den 30-er Jahren an Sándor Juhász Nagy schrieb, als ihre Verbindung auch wegen der Gesellschaft das Engste war. Während des zweiten Weltkrieges ist Sándor Juhász Nagy gegen die Politik der deutschfreundlichen ungarischen Regierungen, deshalb wird er nach der deutschen Okkupation im April 1944 von der Gestapo verhaftet und gequält. Nach der Befreiung spielt er eine bedeutende Rolle in der Eröffnung des neuen Lebens und er ist schon krank, als er die Aufgaben des Vizepräsidenten der Provisorischen Nationalversammlung annimmt. Er stirbt am 10. Mai 1946 als ein Bejaher der volksdemokratischen Revolution. Bei seinem Begräbnis nimmt das ganze Land mit Ehrfurcht von seinem grossen Sohn Abschied. 225

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