S. Mahunka szerk.: Folia Entomologica Hungarica 31/1. (Budapest, 1978)
wohnt den quellnächsten Biotop, die kleinste dagegen besiedelt die von der Quelle entferntesten Standorte. STEFFAN erklärt das mit der temperaturabhängigen Dauer der Nahrungsaufnahme während der Larvalzeit. In den ganzjährig gleichmässig temperierten Bachoberläufen können die Larven Ständig Nahrung zu sich nehmen. Infolgedessen wachsen sie zwar langsam, werden aber grösser als diejenigen, deren Entwicklung aufgrund der in Fliessrichtung zunehmenden Jahrestemperaturamplitude sich rasch in wenigen Sommermonaten vollzieht und im Winter stagniert. Vielleicht kann in diesem Zusammenhang auch die Entwicklung des 3. Elytrenzwischenräumes gesehen werden. Bei Elmis maugetii wird, nach eigenen Untersuchungen, mit zunehmender Entfernung des Fundortes von der Quelle und parallel dazu einhergehender Erweiterung der Jahrestemperaturamplitude eine Verringerung der Aufwölbung des 3. Zwischenraumes der Flügeldecken festgestellt. In Quellnähe sind die Elytrenrippen noch deutlich ausgeprägt. Nach einer Durchmischungszone, in der Tiere mit und ohne aufgewölbten Rippen vorkommen, sowie solche, die eine Zwischenstellung einnehmen, erhöht sich bachabwärts die Anzahl der Individuen, deren 3. Zwischenraum abgeflacht ist, bis nur noch ausschliesslich diese Form vertreten ist, die dann als var, m egerlei bezeichnet wird (KNIE 1977, 1978). Bei den untersuchten Tieren des Pécsely-Baches fehlt ebenfalls die Aufwölbung der dritten Rippe. Unterstellt man die Richtigkeit der Annahme, dass die Temperatur verantwortlich für die Ausbildung oder Unterdrückung dieses Merkmals ist, wäre die Abflachung der 3. Rippe bei der var. hungarica durch die Lage des Verbreitungsgebietes im Bereich des Kontinentalklimas mit seinen heissen Sommern und kalten Wintern zu erklären. Die Erhöhung der Temperaturampiitude hat ebenfalls eine Erweiterung der Variationsbreite .der einzelnen Arten und Variationen zur Folge, wie auch STEFFAN (1963) dies für maugetii und megerlei feststellte. Nach den eigenen Befunden (Tab. 2 und 3) beträgt beispielsweise die Variationsbreite der Körpergrösse von maugetii s. str. , die die Bachabschnitte mit den geringsten Temperaturschwankungen bewohnt, 0,33 mm. Die in Biotopen mit breiterem Temperaturspektrum lebende var. megerlei hat eine Variationsbreite von 0, 36 mm und bei der var. hungarica erreicht sie 0, 45 mm. Inwieweit tatsächlich die Temperatur der massgebliche Faktor für die Variablität des genus Elmis ist, wird in weiteren Freiland- und Laboruntersuchungen zu klären sein. LITERATUR 1. BERTHÉLEMY, C. (1962): Contribution a 1' étude systématique des Elminthidae (Coléoptères). - Bull. Soc. Hist. nat. Toulouse 97: 201-225. 2. KNIE, J. (1977): _ Ökologische Untersuchung der Käferfauna von ausgewählten Fliessgewässern des Rheinischen Schiefergebirges (Insecta: Coleoptera). - Decheniana 130 : 151-221. 3. KNIE, J. (1978): Statistischmorphometrische und autökologische Untersuchungen an der Gattung Elmis Latreille, 1798 (Col. : Elminthidae). - (im Druck). 4. STEFFAN, A.W. (1961): Vergleichend-mikromorphologische Genitaluntersuchungen zur Klärung der phylogenetischen Verwandtschaftsverhältnisse der mitteleuropäischen Dryopoidea (Coleoptera). - Zool. Jb. Syst. 88: 255-354. 5. STEFFAN, A. W. (1963): Beziehungen zwischen Lebensraum und Körpergrösse bei mitteleuropaischen Elminthidae (Coleoptera: Dryopoidea). - Z. Morph. Ökol. Tiere 53 : 1-21. 6. STILLER, J. (1957): Zur Biologie und Verbreitung der Protozoen- und Crustaceenfauna eines Mittelgebirgs baches in Ungarn. - Arch. f. Hydrobiol. _53: 392-424. Anschrift des Verfassers: Dr. Joachim KNIE, Argelanderstr. 155, D - 5300 Bonn BRD