Folia archeologica 54.

Tibor Kemenczei: Funde der skythisch geprägten Aföld-gruppe in Trans-danubien

116 TIBOR KF.MENCZEI Die Donau bildete eine natürliche Grenzlinie zwischen den östlichen und west­lichen Kulturkreisen Europas. Die im Donauknie zum Vorschein gekommenen Funde aus der mittleren Eisenzeit haben dementsprechend unterschiedlichen Cha­rakter. Von der Tiefebene abweichend war das Gebirgs- und Hügelland das Verbre­itungsgebiet der mitteldanubischen Hallstattkultur. Dementsprechend wurden im Westteil der Region von Budapest die Siedlungen (z. В. XI. Bezirk. Kőérberek-Tó­város, Törökbálint-Tópark), 1 0 Bestattungen (z. В. Békásmegyer, Budakalász Lupa csárda, Pomáz -Zdrvlyák dűlő/Flur) der Hallstattkultur freigelegt." In dem an die­sen Stellen ausgegrabenen Fundstoff befinden sich auch solche Fundstücke, die die Wirkung der skythisch geprägten Alföld Gruppe zeigen (Abb. 2, 2-5, Abb. 5, 1-8). Die Alföld Gruppe überquerte die Linie der Donau nicht, sie drang in die Ge­biete der Hallstattkultur in der Kleinen Ungarischen Tiefebene, ins Gebiet nördlich de Donau entlang des Flusses vor. Zwei Siedlungen zeigen den unterschiedlichen Charakter der Siedlungsgebiete, und zwar die bei der Uberfahrt Pilismarót-Szob freigelegte Siedlung der Hallstattkultur 1 2 und die ihr gegenüber liegenden, zur skythisch geprägten Gruppe gehörenden Siedlungen, Bestattungen jenseits der Donau in Szob. 1 1 Jene Gegenstände skythischer Prägung, die aus dem Gebiet südlich der Donau, aus dem Gebiet der Hallstattkultur in Transdanubien zum Vorschein kamen, bele­gen nicht die Ansiedlung einer neu angekommenen Volksgruppe. Sie gelangten an­hand der Beziehungen zur Bevölkerung der Tiefebene ins Gebiet westlich der Donau. Diese Beziehungen erstreckten sich weit nach Westen, wie es von mehreren Funden skythischen Typs in Österreich, in Mähren belegt ist (Hallstatt: eiserne Stre­itäxte, bronzene Pfeilspitzen, Salzburg-Hellbrunnerberg: bronzene Pfeilspitzen, Tonstempel, Villach-Warmbad, Frühholz: Tonstempel, Bycí-Skála-Höhle: eiserne Streitäxte, bronzene Pfeilspitzen). 1 4 Unter den in Transdanubien zum Vorschein gekommen typischen Gegenständen skythischer Prägung der Alfölcl Gruppe gibt es Stangenaufsätze im Tierstil und Kö­cherverzierungen, Eisentrensen, eiserne Streitäxte, bronzene Pfeilspitzen, Haar­ringe, Tonstempel und scheibengedrehte Tongefäße. Sogar mehrere Exemplare von Stangenaufsätzen, Rasseln aus Bronze, die oben mit einer Tierfigur verziert sind, kamen in der Osthälfte des Karpatenbeckens zum Vorschein. Ihre ausführliche Beschreibung wurde von Kornél Bakay veröffentlicht. 15 Dieser Gegenstandstyp stammt ohne Zweifel vom Osten, aus dem Steppengebiet. Die aus Transdanubien stammenden vier Exemplare wurden zusammen in Mihályfa im Komitat Zala gefunden (Abb. 4, 6-9). Sie wurden vermutlich als Opfer unter der Erde versteckt. Der Gruppierung von V. Perevodcikova nach gehören die Funde von Mihályfa mit dem Stangenaufsatz aus der Starsaja Mogila in der Dnjepr-Gegend zusammen zum Typ 9. 1 6 Letzteres Exemplar ist ein Denkmal der frühen Skythen­zeit, des 7. Jahrhunderts v. Chr. 1 7 Zur zweiten Gruppe der Gegenstände im Tierstil aus Transdanubien gehören die kreuzförmigen Köcherverzierungen aus Bronze (Budajenő: Abb. 2, 9, Mezőlak, Komitat Komárom: Abb. 4, 1-2). Alle drei Stücke tragen die Merkmale des Stils der 1 0 MARÔTI 1998, 53. Abb. 2, 2; Dies. RKM 2001, 229. 1 1 MRT 1986, 47; KEMENCZEI 1977, 67. 1 2 W OLL A K 1979, 49-76. 1 3 BOTTYÁN 1955, Taf. 31; ILON 1985, 75-96. 1 4 KROMER 1959, Taf. 6, 3; 213, 1; KERN 2003, 96; STÖLLNER 1996, Taf. 89, 331; PARZINGER et al. 1995, 61 ff. Taf. 27, 302-305. 1 5 BAKAY 1971. 1 6 PEREVODÛKOVA 1980, 118. 1 7 I'LINSKAJA 1968, Taf. 13, 4.

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