Folia archeologica 52.
Mészáros Orsolya: Egy 15. századi toszkán üvegműhely
250 MÉSZÁROS ORSOI.YA Unter den Glaswerkstätten in Ungarn spielt die neulich, in den Jahren 200405 in Visegrád, in der Rév Strasse 5. freigelegte Glaswerkstatt eine bedeutende Rolle. Diese Freilegung war der Grund für die Idee, Pariginis Werk herauszugeben: Die am Ende des 15. Jahrhunderts funktionierende Werkstatt ist mit der Beschreibung des toskanischen Meisters gleichen Alters, und steht damit in mehreren Punkten im Einklang. Bei der Interpretation der Konstruktion der Werkstatt, der Ofen und der freigelegten Metallwerkzeuge ist die Arbeit von Parigini sehr gut verwendbar. Für die Visegráder Werkstatt ist die bei den Glaswerkzentren übliche Tradition nicht typisch, indem die Hütten innerhalb eines größeren Gebietes schnell gewechselt werden: die „verbrauchten" Hütten werden verlassen, und neue werden gebaut. Im Falle von Visegrád geht es um eine einmalige, an einem Ort funktionierende, öfters erneuerte Werkstatt und Öfen. Das als Werkstatt funktionierende Gebäude wurde im Zentrum der mittelalterlichen Stadt aus Stein gebaut. Aufgrund seiner Größe und Stelle konnten die Meister in dem Gebäude oder in dessen unmittelbarer Umgebung gewohnt haben. Die Datierung, die Lage der Werkstatt, sowie ihre Größe, Qualität und Funde sprechen dafür, dass sie auch für den königlichen Hof Produkte herstellte. Meister Parigini fertigte seinen Entwurf, in dem er eine Werkstatt mit den Augen und aufgrund der Ansprüche des Bestellers beschreibt, wahrscheinlich im Auftrag an. Diese Anschauungsweise steht auch von der Visegráder Werkstatt nicht weit, und man kann nicht ausschließen, class es im Falle von Visegrád um eine Werkstatt geht, die aus königlicher Initiative zustande kam. Der Charakter des Gebäudes als innerhalb der Stadt stehende, vielleicht auch als Wohngebäude dienende Werkstatt, sowie die Einteilung und die Struktur der Werkstatt, der Typ der Öfen und die Umgebung der Werkstatt klingen mit den von dem zeitgenössischen Meister formulierten Aussagen zusammen. Der nächste Schritt der Forschung ist die Antwort auf die strukturellen und technischen Fragen der Visegráder Glaswerkstatt. Die Freilegung der einzelnen Teile und der Umgebung des Gebäudes muss noch fortgesetzt werden, und die archäometrische und chemische Untersuchung der Funde wird auch mehrere Fragen beantworten. In der Phase der Analyse der archäologischen Daten kann genau beurteilt werden, inwieweit die Konzeption des Florentiner Meisters für die im königlichen Zentrum Ungarns gestandene Werkstatt gilt. Übersetzung: Judit Bokor Orsolya Mészáros