Folia archeologica 51.

István Fodor: Szent István kardja

DAS SCHWERT STEPHANS DES HEILIGEN 171 bei den Wikingern und auch den Germanen im Besitz besonders vornehmer Personen. Mit Recht ist auch anzunehmen, dass dieses Schwert bei den Deutschen - und vielleicht f rüher auch schon bei den Wikingern - lange Zeit in Gebrauch war und die sichtbaren starken Abnutzungsspuren von dort herrühren. Schon Géza Nagy hatte angenommen, dass diese Waffe das ursprüngliche ungarische Krönungsschwert war, ist doch das heutige eine weit spätere, eine venetianische Arbeit aus dem 16. Jahrhundert. Auf Grund der Miniaturen der Bilderchronik (14. ]h.) stellte er fest, dass in den Krönungsszenen fast aller ungarischer Könige aus dem Arpadenhaus auch das Schwert zu sehen ist. 35 Demgegenüber haben mehrere ungarische Forscher vorgebracht, man wisse nicht genau, nach welcher Zeremonie (Ordo) Stephan und allgemein die Könige aus dem Arpadenhaus gekrönt worden seien. Auf Grund der engen deutsch­ungarischen Beziehungen ist die Annahme sinnvoll, dass dies der römisch­deutsche, der sog. Mainzer Ordo gewesen sei, bei dem das Schwert organischer Bestandteil der Krönungszeremonie war. 3 6 Schwierigkeit bereitet allein, dass wir nur die genaue Beschreibung einer einzigen Krönung besitzen, und dort findet sich nicht dieser Ordo. Als Andreas I. 1057 (oder 1058) seinen Sohn, den kindlichen Salomo, krönen ließ, wurde der sog. Egbert-Ordo verwendet, in dem das Schwert keine Rolle spielte. 3 7 Hier sei nun ein namhaftes Ereignis der arpadenzeitlichen Geschichte genan­nt, die sog. Szene bei Várkony von 1059. Wie bekannt, ließ König Andreas I. 1057 seinen Sohn, das Kind Salomo krönen. Dies führte zu einer ernsthaften Spannung zwischen ihm und seinem jüngeren Bruder, dem Thronanwärter Herzog Béla. Unter solchen Umständen lud der König seinen Bruder Béla zu einem Treffen ein und stellte ihn im Lager von Várkony an der Theiß vor die Wahl zwischen den in einem Zelt ausgestellten Gegenständen Krone und Schwert. Andreas wollte dadurch erfahren, ob sein Bruder nicht die Absicht habe, gegen seinen Sohn nach dem Thron zu streben. Da man Béla die Absicht des Königs verraten hatte, wählte er - seine wahren Ziele verbergend und aus Sorge um sein Leben - das Schwert. Dieses bekannte Ereignis beleuchtet eindeutig, dass die Krone das ganze Land, die Königsmacht symbolisierte und das Schwert die Thronfolger-, die Dukatusmacht und die Herrschaft über nur einen Teil des Landes. Nach György Györlfys Hypothese kann das Machtsymbol des Dukatus eine reichverzierte Waffe gewesen sein, vielleicht das anfangs erwähnte sog. Attila-Schwert in Wien. 3 8 Vor kurzem äußerte Endre Tóth, der hervorragende Erforscher der Krönungs­insignien, das Schwert Stephans des Heiligen sei möglicherweise ebenfalls eine Dukatus-Insignie und kein Krönungsschwert gewesen. 3 9 Meiner Ansicht nach ist das allerdings schwer vorstellbar, weil das Dukatus-System schon im Laufe des 10. Jahrhunderts in Ungarn lebendige Praxis war, das Schwert des hl. Stephan aber erst um 997 ins Land gekommen sein kann und kein Grund für die Annahme besteht, dass die Waffe des Königs durch das alte Dukatus-Schwert ausgetauscht worden wäre. Auch lässt sich nicht beweisen, dass der anfängliche Mainzer Krönungsordo mit der Krönung Salomos endgültig verdrängt worden sei und das frühere Krönungsschwert (Stephans des Heiligen) einfach seine Funktion verloren hätte, „aus der Mode gekommen" und deshalb später von Herzogin Anna nach Prag gebracht worden wäre. 4 0 ss Nagy 1900, 234-235. 36 Cyörffy 1977, 148-162; Ders. 1988, 116. 3' Bartoniek 1939, 33-36; Genes 1995, 121-132. s» Györffy 1977, 36. 3f Tóth-Szelényi 1996, 59. « Tóth-Szelényi 1996, 59.

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