Folia archeologica 51.

István Fodor: Szent István kardja

FOLIA ARCHAEOI.OGICA LI. 2003-2004. BUDAPEST DAS SCHWERT STEPHANS DES HEILIGEN István FODOR In ausländischen Sammlungen befinden sich zwei verzierte Waffen, die höchst­wahrscheinlich einst Eigentum ungarischer Fürsten und Könige gewesen sind. Die eine ist der kunstvolle Säbel im Wiener Kunsthistorischen Museum, der allgemein Schwert Attilas oder Karls des Großen genannt wird. Waffengeschichtliche Untersuchungen haben jedoch unbezweifelbar bewiesen, dass diese Waffe weder mit dem großen Hunnenherrscher noch mit dem Frankenkaiser irgendetwas zu tun hatte, da sie weit nach deren Herrschaft geschaffen wurde, irgendwann im 10., oder zu Beginn des I 1. Jahrhunderts. Und sie ist noch nicht einmal ein Schwert, also eine gerade Waffe mit zweischneidiger Klinge, sondern die einschneidige Nahkampfwaffe mit gebogener Klinge (ein Säbel) der einstigen Steppenreiter. Auch ich bin der Ansicht, dass sie mit größter Wahrscheinlichkeit entweder im 10. Jahrhundert in Ungarn in einer der fürstlichen Werkstätten oder aber in der Umgebung von Kiew am Fétide des 10. oder Anfang des 1 I . Jahrhunderts gefertigt wurde. Auch wenn sie benutzt wurde, wird sie doch in erster Linie eine machtbe­zeichnende Prunkwaffe gewesen sein, und zwar gewiss die eines ungarischen Großfürsten oder Thronfolgers. Die Ehefrau des ungarischen Königs Andreas, die aus Kiew stammende Anastasia, mag sie 1063 dem deutschen Heerführer Otto von Nordheim zum Dank dafür geschenkt haben, dass er ihrem Sohn Salomo zum Thron des Landes verholfen hatte. Später, schon auf deutschem Gebiet, wurde die Legende um sie gewoben, sie habe einst dem hunnischen Großkönig Attila gehört. Noch später war sie das prächtigste Stück der Krönungsinsignien der römisch­germanischen Kaiser. Bis 1801 wurde sie in Aachen aufbewahrt, seither in Wien. Seit 1063 ist sie nicht wieder auf ungarischem Boden gewesen, die interessierten Ungarn können dieses prachtvolle Zeugnis dei ungarischen Geschichte nur in der Kaiserstadt betrachten. 1 In glücklicherer Lage waren wir im Falle des Schwertes Stephans des Heiligen in der Schatzkammer des Veitsdomes in Prag, das das ungarische Publikum in den letzten Jahrzehnten dank den tschechischen amtlichen Organen sogar dreimal sehen konnte. Erstmals liehen diese es 1970 für die Ausstellung anlässlich der Jahrtausendwende der Geburt Stephans in Székesfehérvár aus, danach war es in der Ausstellung anlässlich seines 950. Todestages im Ungarischen Nationalmu­seum im Jahre 1988 und ebendort vom März bis November 2000 in der großen internationalen Ausstellung zu sehen, die die Geschichte Mitteleuropas vor einem Jahrtausend zeigte. 2 So konnten sich viele davon überzeugen, dass diese prächtige Waffe auch heute noch das Auge erfreut. Sie ist ein echtes Meisterwerk und hat trotz ihrer auffälligen Abnutzungen die Jahrhunderte gut überdauert und in ihren Hauptzügen ihr einstiges Aussehen bewahrt. Die Länge beträgt 74,5 cm. Die Klinge von hervorragender Qualität und der Griffdorn wurden aus einem Stück geschmiedet, Griffknauf Und Parierstange wurden später anmontiert. Die 60,6 cm lange und unter dem Griff 3,9 cm breite Klinge ist durch den einstigen Gebrauch, 1 Tóth 1930; Fodor 1996; Den. 2000. 2 Wieczorek-Hintz 2000, 575.

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