Folia archeologica 51.

Endre Tóth: Római űrmértékek a Magyar Nemzeti Múzeumban

148 ENDRE TÓ TH Bei der Datierung des Meßgefäßes ist zu berücksichtigen, daß der Text lateinisch geschrieben war. In der späten Kaiserzeit war das in der SO-Ecke Pannoniens liegende Sirmium politisch und auch kulturell immer stärker mit der Osthälfte des Reiches verbunden, weshalb die in Sirmium gesprochene Sprache zumindest im 6. Jahrhundert eher das Griechische als das Lateinische war. 48 Deshalb wurde das Gefäß vielleicht eher in einem früheren als späteren Abschnitt des 6. Jahrhunderts gefertigt. Ecclesia catholica Sirmiensis: Das Meßgefäß war Eigentum der katholischen Kirchengemeinde von Sirmium. Fraglich ist, ob das catholica sich dem alltäglichen Sprachgebrauch gemäß nur auf die christliche Gemeinde bezieht, 4 9 oder im engeren Sinne das Gefäß nicht einer anderen christlichen Kirche, sondern nur der katholischen gehörte. Die andere Kirche konnte eine häretische Gemeinde oder die Kirche des Sirmium ein­nehmenden Volkes sein. Das Attribut catholica taucht in Pannonién gerade in der Benennung der christlichen Gemeinde von Sirmium auf, in der Leidensgeschichte des Märtyrerbischofs der Stadt, Irenaeus (t ca. 304). 5 0 Nach Tibor Nagys Ansicht ist catholicus in der Passio Irenaei 5 1 nicht die Folge eines späteren, gegen die Arianer gerichteten Einschubs. 5 2 Unabhängig vom Fehlen einer textkritischen Ausgabe und den unterschiedlich redigierten Handschriften der Passio nennt diese die christliche Gemeinde von Sirmium betont eine katholis­che. Es ist nicht meine Aufgabe zu untersuchen, warum das Attribut zum Zeitpunkt des Märtyrertodes des Irenaeus oder etwas später aktuell war. Wollte der Verfasser der Passio den Unterschied zu einer häretischen Gemeinde, die Sonderstellung gegenüber der arianischen Kirchengemeinde zum Ausdruck brin­gen? 5 3 Im Sinne der Verordnung der Kaiser Gratian, Valentinian und Theodosius (27. Februar 3 80) 5 4 ist kaum bestreitbar, daß das Attribut catholica die den ortho­doxen Glauben bekennende Kirchengemeinde der römischen Bevölkerung Sirmiums bezeichnet. Die Existenz einer von der Orthodoxie unterschiedenen Kirchengemeinde in Sirmium oder seiner Umgebung ist im ersten Drittel des 5. Jahrhunderts 5 5 und auch später aktuell. Das machte die Betonung nötig, daß das Gefäß Eigentum der den orthodoxen Glauben bekennenden katholischen Kirchengemeinde war. I H Ein Argument für das in der Stadt gesprochene Griechisch ist die Ziegeleinritzung (Arheoloski Muzej, Zagreb, Inv.-Nr. 4303), auf der ein sirmischer Einwohner auf Griechisch Gott um die Rettung der Stadt vor der Awarengefahr anfleht: BrunSmid 1893, 331-333; Alföldi 1938; Noll 1989, 139-154; Szädeczky-Kardoss 1979, 241. •'!> In Africa: II. CU 1103,2 (Tipasae), 1103,2 add. (Cuicul), 1579 A adn. (Orleansville), 1579 A (Thagaste), 1579 A Thageste, 1579 A adn. (Thagaste); in Italia: aeclesiae catolicae sancte Brundisine ILCU 1026 7. Jh., lector eclesie catolice 1268 Roma a 362.; see. aecl. catholec.. 1854 Parenzo s. VII., eclisie catolice Sal. 3870 a. 430, [ecclesiae cjatol. Salon(i)tfanae 3837 undatiert, Fragment [cathjolice [eecle­siae 1579 A adn. Salona, Grabstein CIL III 9611 5 0 25. März, Martyrologium Hieronymianum Acta Sanctorum Nov., 11:2, Bruxelles 1931, 177 5 1 BUI, 4466, BHG 948-951. Domine Jesu Christe, qui pro mundi salute pati dignatus es, pateant caeli lui, ut suseipiant Angeli spiritum servi tui Irenaei, qui propter nomen tuum et plebem tuam produetam de Ecclesia tua catholica Sirmiensium haec patior. Te peto, tuamque deprecor misericordiam, ut et me suseipere, et hos in fide tua confirmare digneris, Passio Irenaei c. 5. Musurillo 209-300) 52 Nagy 1937. ' 5 3 Der in Nagy 1937, 141, Anni. 148 angekündigte Artikel über den hl. Iraeneus ist allerdings nicht erschienen. r' 4 CTheod. XVI 1,2 (27. Febr. 380) „Hanc legem sequentes Christianorum catholicorum hörnen iubemus amplecti, reliquos vero dementes vesanosque iudicantes haeretici dogmatis infamiam sustinere nec conciliabula eorum ecclesiarum nomen aeeipere, divina primum vindicta, post etiam motus nostri, quem ex caelesti arbitrio sumpserimus, ultione plectendos". 55 Nagy 1939, 157-158.

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