Folia archeologica 49-50.

Zsolt Mráv: Egy litterae aureae felirat Intercisából

ZSOLT MRAV raetischen Faimingen (Phoebiana) ans Licht. 2 3 Das lokale Kultzentrum des Apollo Grannus in Phoebiana suchte Caracalla persönlich auf, um seine Krankheit zu kurieren, und hier richtete er während des Feldzuges auch seine Hauptquartier ein. 2 4 Schon seit langem knüpft man die zum Vorschein gelangten und auf Grund der Bronzebuchstaben vermuteten Inschriften - wegen ihrer Gleichzeitigkeit und ihrer aus den Militärlagern des früheren Zeitraums unbekannten, repräsentativen Technik - an die Ereignisse des Caracalla-Aufenthaltes in Obergermanie und Raetien. Wenn mit ihrer Hilfe, entgegen der Annahme von A. Radnóti, 2 5 auch nicht die Reiseroute Caracallas zu ermitteln ist, darf man dennoch vermuten, dass viele Kastelle - vielleicht sogar alle - sich in Form einer mit litterae aureae geschriebenen Ehreninschrift auf den möglichen Kaiserbesuch vorbereitet haben. 2 6 (Angesichts des mehrmonatigen Verweilens des Imperators im alamannischen Grenzgebiet war das tatsächlich zu erwarten.) Das gleiche gilt für die im norischen Traismauer (Augustiana) gefundene Ehreninschrift. Im Verlaufe der schnellen Schiffsreise, bei der der Kaiser der Reihe nach die Militärlager an der Donau besuchte, konnte man durchaus auch in einzelnen norischen Garnisonen mit seinem persönlichen Erscheinen rechnen. Zahlreiche Argumente sprechen dafür, die in Metallbuchstaben ausgeführte Inschrift von Intercisa ebenfalls dieser caracallischen Inschrift-Gruppe zuzuordnen: 1. Auf Grund der im Inschriftfeld befindlichen Dübellöcher stimmt die Befestigungstechnik der Buchstaben mit den im Falle der germanischen, raetischen und norischen Inschriften angewandten Techniken überein. (Wahrscheinlich wurden die Dübel auch bei der Inschrift von Intercisa mittels Blei fixiert, obwohl sich in den Dübellöchern keine Bleireste fanden.) Ahnlich wie bei dem in Traismauer gefundenen Tafelfragment verwendete man auch an der Inschrift von Intercisa kein Buchstabenbett. (Den Text hob nicht nur die Goldfarbe der Lettern, sondern auch deren sich aus der Dicke des Blechs ergebende, leicht plastische Wirkung von dem weißen Hintergrund ab.) Textlänge, Zeilendichte und Größe der Buchstaben sind bei den aufgezählten Inschiften aus der Zeit Caracallas ebenfalls annähernd identisch. Die in Intercisa gefundene Inschrift bestand aus sechs Zeilen, die in den aufeinander folgenden Zeilen befestigten Buchstaben haben folgende Höhe: 1. Zeile: 14 cm, 2. Zeile: 8 cm, 3. Zeile: 9 cm, 4. Zeile: 9 cm, 5. Zeile: 10 cm, 6. Zeile: 11 cm. (Da die Zeilen­höhen anhand des Abstandes der Dübellöcher errechnet wurden, kann die Höhe der befestigten Buchstaben um einige Millimeter von diesen abweichen.) 2. Beide Ränder des Inschriftbildes zierte ursprünglich ein mehrfach profiliertes sog. norisch-pannonisches Wellenlinienmotiv mit komplizierter Li­nienführung. Die zur waagerechten Mittellinie der Inschrift achsensymmetrische, mehrfach profilierte Volute verläuft von der Mitte an in Form zweier geweihartiger Gebilde in jeweils entgesetzte Richtungen, um dann an den wieder zu­rücklaufernden Geweihspitzen je eine S-förmige Welle zu beschreiben. Die sich aus den Spitzen der geweihförmigen Gebilde zurückwindenden S-förmigen Wellen schließen keinen Kreis, sondern ein blatt- oder tropfenförmiges Feld ein. (Deshalb fehlen in den Beugen auch die bei Volutenmotiven ähnlicher Li­nienführung häufig angewandten, Nietköpfe imitierenden Knöpfe.) Zum Glück 2 3 Radnóti 1967, 20, Anm. 41. 2 4 Cass. Dio 78, 15, 6; IvEph Nr. 802; vgl. Dietz 1983, 136-137; Dietz 1985, 81-86; Halfmann 1986, 223, 225-226; Kellner 1995, 316. 2 5 Radnóti 1967, 20. 2f i Schönberger 1985, 412-413.

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