Folia archeologica 49-50.

Zsolt Mráv: Egy litterae aureae felirat Intercisából

FOLIA ARCHAEOLOGICA XLIX-L. 2001-2002. BUDAPEST EINE LITTERAE AU RE AE-INSCH RI FT AUS INTERCISA 1 Zsolt MRÁV Im römischen Lapidarium des Ungarischen Nationalmuseums wird seit annähernd einem Jahrhundert das Fragment einer Kalksteintafel aufbewahrt (MNM, Inv. Nr. 62.172.1; Maße: H: 107 cm, B: 58 cm, D: 25 cm) (Abb. 1-2), deren Bedeutung jedoch trotz dieses Zeitraums bislang unerkannt blieb. Die rechte Seite des Steindenkmals ist beschädigt, die an der Bruchfläche der linken Seite sichtbaren Werkzeugspuren deuten darauf hin, dass die Steintafel zerstückelt wurde. Rahmen und Inschriftfeld zeigen auf der Oberfläche deutliche Spuren der Benutzung eines Zahneisens. Den linken Rand des an mehreren Stellen stark beschädigten Inschriftfeldes beschließt ein Volutenmotiv mit komplizierter Linienführung, dessen mehrfach profilierte Wellen ursprünglich eine rotbemalte Astragalosreihe begleitete. Allerdings ist das Astragalosmotiv nur entlang des oberen Leistenrahmens und in der oberen Hälfte der Voluten sauber, unten dagegen eher oberflächlich ausgearbeitet. Die Wellenlinienverzierung sowie den unteren und oberen Leistenrahmen der Inschrift hob man durch rote Bemalung hervor. Die Rinne des oberen Rahmens wurde vollständig mit Stuck ausgefüllt und dieser bis zum Rand des Inschriftfeldes rot bemalt. In der in der Ecke beginnenden senkrechten Rinne trug man den Stuck keilförmig auf, bemalte ihn rot und führte dessen Linie - die Wellen der Wellenlinienverzierung des Rahmens berührend - in senkrechter Richtung fort. Einzelne Abschnitte der hinter dem norisch-pannonischen Volutenmotiv lediglich durch Bemalung angedeuteten senkrechten roten Linie sind gut sichtbar erhalten geblieben. Am oberen Abschluss der Steintafel befindet sich ein 1,9 x 2,2 cm großes und 5,1 cm tiefes Dübelloch, in dem ursprünglich ein mit Blei fixiertes Eisenband steckte. Die rechteckige Rinne des 1,8 cm breiten Eisenbandes verläuft in das Dübelloch. Der Fundort des Steindenkmals ist Intercisa (Dunaújváros, Komitat Fejér), die genaue Stelle und näheren Umstände seiner Auffindung sind jedoch nicht bekannt. Als problematisch erweist sich auch die Bestimmung des Typs der Steintafel und ihrer Funktion. Antal Hekler hatte das Steindenkmal 1912 als Sarkophagfragment identifiziert und lediglich in einem Satz seines Artikels über die neuen Steindenkmäler von Intercisa das römerzeitlich-keltische Weiterleben des das Inschriftfeld säumenden, der klassischen Kunst fremden Volutenmotivs betont. 2 Der von F. Fülep und G. Erdélyi zusammengestellte, 1954 erschienene Kttalog der Inschriften und Steinmetzarbeiten von Intercisa befasst sich ebenfalls nur kurz mit dem Steindenkmal (noch ohne Inv.Nr.), und zwar im Rahmen des 1 Das Manuskript entstand während meines einmonatigen Stipendiumaufenthaltes am Lehrstuhl Seminar für Alte Geschichte der Heidelberger Universität. Dafür sowie für die mir beim Abfassen des Artikels gewährte Unterstützung bin ich Herrn Prof. Dr. Dr. muh. h. c. Géza Alföldy zutiefst zu Dank verpflichtet. Die Fotos sind Arbeiten von András Dabasi, die im Text vorkommenden Zeichnungen stammen von der Hand des Verfassers. 2 Hekler 1912, 183 u. 179, Abb. 117. Vgl. Erdélyi 1929, 36-39, der es ebenfalls als Sarkophagfragment ohne Inschrift bezeichnete.

Next

/
Thumbnails
Contents