Folia archeologica 48.
Endre Tóth: A magyar koronázási jogar
124 ENDRE TÓTH der Datierung sowohl von Gyula László als auch von Éva Kovács, die filigranverzierten Gegenstände der Grabfunde von Székesfehérvár, 3 2 sind aber für sich allein undatierbar. Welche der in unbekanntem Zusammenhang in der Mitte des 19. Jahrhunderts freigelegten Funde in Székesfehérvár aus der Bestattung eines Königs, einer Königin oder eines anderen Familienmitglieds aus dem Arpadenhaus stammte, konnten sie in Wirklichkeit durch kein Argument stützen. Unsicher ist auch, ob die Goldgegenstände zu einem Fundensemble gehörten. Gyula László verband die Funde mit König Koloman (1095-1116) und datierte auch das Krönungszepter dementsprechend. Eva Kovács hielt dagegen die Gegenstände für Grabfunde des Kindes Ladislaus III. (1204-1205) und datierte auch das Zepter demgemäß. Es ist unnötig zu sagen, daß all das für eine Zeitbestimmung des Krönungszepters nicht ausreicht. Die Aufarbeitung der Székesfehérvárer Funde kann auch zu neuen Erkenntnissen führen. Die Interpretation der Funde ist auch deshalb wesentlich, weil Gy. László aus einzelnen Bruchstücken ein Zepter rekonstruiert hat. 3 3 Die Kristallkugel Die Herkunft und das Alter der Kristallkugel des Zepters hat G. J. Lamm in seiner grundlegenden Arbeit über östliches Glas und Kristalle bestimmt: Die Kugel ist von ägyptischer, fatimidischer Herkunft und wurde im 10. Jahrhundert gefertigt. 3 4 Seine Feststellung bedeutet auch heute die sichere post quem-Datierung des Zepters. Die Zepterkugel ist ein Bergkristall, und im wesentlichen wurde alles geschrieben, was man über sie wissen kann. 3 5 Die geschliffene Kristallkugel gehört zu jenen Gegenständen des 10.-11. Jahrhunderts, die zur Zeit des FatimidenKalifats in Ägypten vermutlich aus Rohmaterial aus Madagaskar oder dem Fernen Osten geschnitten und geschliffen wurden. 3 6 Eine frühere Kristallkugel ist aus 2 Kovács E., in: Pannónia Regia (Red. Imre Takács, Budapest 1994) 211-212. 3 3 Einen Teil der Grabfunde hat man nach der Entdeckung 1839 zu einem Armband umgestaltet. Das Armband schuf man aus* einem viereckigen, in der Mitte von geperltem Draht getrennten und bei der Herstellung zerstückelten und durch Kettchen verbundenen Filigrangoldblech. Die heute quadratischen Goldbleche passen teils zusammen und sind mit wechselndem Filigranmuster von Herzpalmetten verziert. Die Bleche sind länglich, streifenartig angeordnet wie die Hülle um den Schaft des Zepters. Aus diesen Blechen hat Gy. László aufgrund der Ähnlichkeit einen Zepterstiel rekonstruiert und hat den kleinen - von Eva Kovács als Miniaturkrone bezeichneten - runden "Ring" als das die Kugel haltende Glied am oberen Endes des Zepterschaftes rekonstruiert. Der sich aus der Ringgröße (Dm: 2,1-2,1 cm) ergebende Umfang (6,9 cm) entspricht gut dem Maß der als Schaftumhüllung rekonstruierten, längs und quer zerschnittenen Goldbleche: aus den 1,3 cm breiten, zweiteiligen Goldblechen, nebeneinander plaziert, sind 5 Paar um 4 mm weniger als der Umfang des die Zepterkugel haltenden Ringes: Die Maße entsprechen einander also gut. Die Fläche cler erhaltenen Bleche beträgt 1,3 '6,5 = 8,45 cm 2. Da im Falle der Rekonstruktion ein mindestens 30 cm langer Schaft vorausgesetzt werden muß, hätte er eine Fläche von 207 cm 2. Demgegenüber ist aber die Fläche der erhaltenen Goldbleche (8,45 cm 2) so gering, daß selbst bei Berücksichtigung der Umgestaltung das Verschwinden eines so großen Teils kaum möglich war, wenn bei cler Umgestaltung der Zylindermantel des Hüllblechs eines Zepters zerstückelt wurde. Deshalb kann eine Zepterscnaftrelconstruktion zweifelhaft sein. Ich vermag den kleinen "Ring" auch nicht als Miniaturkrone anzusehen, wie dies Eva Kovács dachte. Ladislaus III. wurde nach der regio more bestattet: Das bedeutet jedoch nicht, daß man ihm Miniaturgegenstände ins Grab beigab. 3 4 Lamm 1930, 188; über die frühmittelalterliche - nicht christliche liturgische - Bedeutung: Hinz 1968, 237; B. Arrhenius, RGA II, 267. 3 5 Lamm 1929-1930, 204, 210. 3 6 H. Wentzel nimmt an, daß das Rohmaterial aus Madagaskar stammte (1948, 275), Th. J. (Kat. Hildesheim II, 392), daß es aus Madagaskar und von der südwestindischen Küste kam. Zum fatimidischen Kristallschnitt: Contadini, A., Die dekorativen Künste der Fatimiden, Kat. Wien 1998, 65-66.