Folia archeologica 47.

Endre Tóth: Pogány vagy keresztény?

HEIDNISCH ODER CHRISTLICH? 127 Das Kreuz als christliches Symbol ziert selbständig oder im Kontext häufig die Mitte der Sigillata chiara-Schalen. Auf der Ware aus Africa erscheint zuvor ähnlich den übrigen Gegenständen gleichfalls das Christusmonogramm 5 9 (Style D: 440­500) 6 0 und wird zur beliebten Verzierung, und dann kaum später das Kreuz (Style E: 480-540) und das Gemmenkreuz 6 1 (530-600). Auf der sog. C-Ware aus dem östli­chen Mediterraneum ist das den afrikanischen verwandte oder selbständige Kreuz­motiv für die Ware aus den 440-580er Jahren bezeichnend. 6 2 Gleichzeitig verwendete man das christliche Kreuz im Ostteil des Reiches im letzten Drittel des 4. Jahrhunderts schon als Schutzmittel: Die Schwester von Gre­gor von Nyssa und Basilius von Caesarea, Makrina, trug am Hals ein Kreuz, als Nachfolger der früheren heidnischen Phylakterionen. Die dem heidnischen Brauch entsprechende Schutzfunktion des Kreuzes Christi und seiner Nägel be­gann unmittelbar, nachdem die Mutter Konstantins des Großen, Helena, diese in Jerusalem gefunden hatte. Ein Stück des Kreuzes verbarg Konstantin gleichsam als neues Palladium im Inneren seiner Statue auf einer Porphyrsäule in der neuen Hauptstadt. 6 4 Eine noch typischere heidnische Handlung war, daß er aus den Nä­geln Steigbügel schmieden ließ und andere Stücke zu seinem Schutz an seinem Helm anbrachte. Es ist nicht leicht, ja sogar manchmal unmöglich zu entscheiden, wie das kreuz­förmige Zeichen zu interpretieren ist, wenn es ohne Kontext im 4. Jahrhundert auftritt: Kann es christlich motiviert sein oder nicht? Das erste bekannte Vorkommen des Kreuzes als Symbol in Pannonién findet sich nicht im sepulchralen Bereich oder an kleinen Gebrauchsgegenständen, son­dern auf Privatinitiative nicht im religiösen Raum oder an ebensolchen Gegen­ständen. Es befindet sich in der spätrömischen Festung von Ságvár, im sog. Kom­mandanten-Wohngebäude Nr. IV, im Terrazzo-Fußboden eines flurartigen, mit Heizkanal versehenen Raumes. Bei der Herstellung des Fußbodens wurden in die noch weiche Oberfläche zweimal nahe beieinander kreuzförmige Zeichen einge­drückt. Eines entstand durch Eindrücken eines kurzen zylindrischen Gegenstan­des in den Fußboden, das andere etwas unregelmäßig mittels eines nicht zylindri­schen Gegenstandes. Beide haben gleich lange Balken. Die alleinstehenden Kreu­ze sind wahrscheinlich Symbole, und möglicherweise wurde - da es sich um die zweite Hälfte des 4. Jahrhunderts handelt - bewußt das christliche Symbol nach­geahmt. Vielleicht ist der den Fußboden herstellende Arbeiter Christ gewesen. Das Gebäude wurde im nördlichen Teil der Festung an die Festungsmauer gebaut. Die prächtige Innengestaltung, der Fußboden und Spuren des Wandmosaiks, die Wandmalereien und zwei Bauperioden sind alles, was wir von ihm wissen. Auf­grund der Heizung des Terrazzo-Fußbodens und der Innengestaltung ist es zwei­fellos ein Wohngebäude, das einzige solche in der Festung. Deshalb ist zu vermu­ten, daß es die Wohnung des Festungskommandanten war. Der Fußboden entstand in der zweiten Bauperiode, die auf die Mitte der 370er Jahre zu datieren ist. Mit Kreuz verzierte Schalenbruchstücke fanden sich in Nordtransdanubien, in der Umgebung der spätrömischen Festung von Tokod. Diese gemusterten Stük­ke wurden nicht bei Ausgrabungen, sondern in einer Schlammgrube des moder­nen Bergwerks entdeckt, so daß die Fundumstände unbekannt sind. Mit Sicherheit ist nur zu sagen, daß ihr Material mit dem der Erzeugnisse aus Tokoder Werkstatt 5 9 Hayes 1972, fig. 54, fig. 78. 6 0 Hayes 1972, fig. 221. 6 1 Hayes 1972, 222. 6 2 Hayes 1972, 348-349, fig. 78-79. 6 3 Gregor de Nyssa, vitae Macrinae, PG 46, p. 973 D 976, zitiert von: Dölger 1932, 81. A. Heurgon 6 4 Sokràtes I., 17, 146.

Next

/
Thumbnails
Contents