Folia archeologica 47.
Endre Tóth: Pogány vagy keresztény?
118 ENDRE TÓTH lung veröffentlichte. Den Ring datierte L. Nagy aufgrund der vieleckigen Form und der Ringinschrift ins 4. Jahrhundert. In Wirklichkeit entspricht die Form des Tataer Ringes aber nicht den als Parallelen aufgezählten eckigen spätantiken Ringen. Die scheinbare Eckigkeit des Ringes wird von dem dünnen Ringreif und den eingravierten Buchstaben verursacht. In Wirklichkeit handelt es sich um ein schmales Band ohne Wappen, ohne jede zeitbestimmende Charakteristik. Deshalb ist die Form nicht unbezweifelbar ins 4. Jahrhundert zu datieren. Mehr als der undatierbare einfache Ringreif verrät die Inschrift. Eine textlich verwandte Inschrift aus dem 4. Jahrhundert kennen weder Lajos Nagy noch ich. Auch der von Lajos Nagy erwähnte altchristliche Gebrauch der Wörter pax und dormitio kann kein Datierungsargument sein, höchstens läßt sich der Gegenstand als aus christlicher Zeit stammend qualifizieren, einschließlich der Völkerwanderungszeit und des Mittelalters. Die von ihm zitierte Ringinschrift Dindari vivas et invidis ment(u)la vertritt in Wirklichkeit "einen ganz anderen Geist". 1 1 Jedenfalls ist letzterer Ring ein gutes Beispiel dafür, wie wenig man den Wunsch vivas für christlich halten kann. 1 2 Der nächste Verwandte der Ringinschrift ist aus dem Mittelalter, aus einem entfernten Gebiet bekannt. Die Inschrift eines nordschwedischen Spinnwirtel lautet: 1 3 pahs (= pax) portandi, salus abaenti (= habenti) Ingiualtr. Struktur und Wortgebrauch der mit Runen geschriebenen lateinischen Inschrift auf dem Spindelknopf aus dem 15. Jahrhundert sind mit denen des Tataer Ringes verwandt. Man könnte den Tataer Ring sogar für mittelalterlich halten, wenn sich der als Gegensatz formulierte Wunsch der Inschrift nicht auch schon früher Fände. Die Inschrift auf der einen Seite eines goldenen Kreuzes vom Ende des 5. - Anfang des 6. Jahrhunderts aus einem Grab des Friedhofes der Basilika San Lorenzo in Rom 1 4 lautet Emmanuel vobiscum Deus und die auf der anderen Seite Crux est vitam mihi, mors inimice tibi. Inhaltlich steht die Inschrift der Deutung der des Tataer Ringes näher als die schwedische Inschrift. Wie kann also der Tataer Ring datiert werden? Eine genauere Zeitbestimmung kann ich nicht belegen, jedoch kann der Ring nicht ins 4. Jahrhundert datiert werden. In welches spätere Jahrhundert er gehört, könnte mit Hilfe der Fundumstände bestimmt werden, die wir aber nicht kennen. Jedenfalls sind aus dem 14.-15. Jahrhundert tatsächlich Ringe ohne Wappen aus Bronze, Silber und Gold bekannt, 1 5 deren Inschriften amulettartig sincf. Der Schrifttyp der Inschrift des Tataer Ringes ist aber nicht gotisch. Da der Tataer Ring nicht als römerzeitlich gelten kann, ist der Ausgangspunkt für Lajos Nagys Kreuz-Deutung entfallen. Geblieben aber ist die kreuzför1 1 CIL III 10189, 16 Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum 1 2 Siehe z. B. den Zirkel von Siscia mit der Inschrift Quintiane vivas: Migotti 1997, VII:2, p. 92 und die Zwiebelkopffibel aus Micia (Dacia) mit der Inscbrift Quartine vivas: Barnea 1977, Nr. 84 usw. 1 3 Svärdström,E., Ett skrivdon med runinskrift fran Lödöse, Fornvännen 65, 1970, 86, Anm. 2 und Svennung, J., Jordanes und die gotische Stammsage, Studia Gotica (red. U. E. Hagberg, Stockholm 1972) 56, Anm. 78 1 4 Biblioteca Apostolica del Vaticano, Inv.-Nr. M.S. 1101; О. В. de Rossi, Bulletino di Archaeologia Cristiana 1, 1863, 31-32, Schrauben-Katalog 1995, 176-177 1 5 Schmuck II. Fingerringe, Kunstgewerbemuseum der Stadt Köln, Chodur, A. B. - Joppien, R., Köln 1985, Nr. 202-204, mit weiteren Beispielen. 1. ábra A tatai gyűrű Abb. 1 Der Ring von Tata