Folia archeologica 37.

Sándor Soproni: Marinianus Ursicinus magister

212 ANDREA H. VA DAY der Stirn- und des Genickriemens zu setzen. Dieses Riemenwerk ist nicht einer allzu großen Belastung ausgesetzt, so können hier auch die Unterlagsplatten nicht vorgefunden werden. Mit den halbeiförmigen Beschlägen mit Unterlagsplatte und zwei Ausschnitten ist anders die Lage. Da sich ein Exemplar von ihnen an die Trense angerostet hat, können wir darauf schließen, daß dieses Riemenwerk auf einem Teil nahe der Trense war, die Befestigung der Unterlagsplatte setzt eine stärkere Inanspruchnahme voraus, so kamen sie an unserer Rekonstruktion paarweise auf den Zaumzügel. Bei der Kreuzung des Backen- und Nasenriemens können jene Bronzeknöpfe untergebracht werden, die leider schon verlorenge­gangen sind. (Gerade deshalb, da uns betreffs ihrer Größe, Form und Befesi­gungsweise keine Angaben zur Verfügung stehen, können wir sie nur auf Grund ihrer zahlenmäßigen Entsprechung bedingterweise zur Rekonstruktion gebrau­chen). In ähnlicher Weise setzen wir nur voraus, daß der verschollene Tutulus auf dem Genickriemen als Schabracke gedient hat.) Auf unserer Rekonstruktion be­zeichneten wir an Abb. 6, 10 die verschollenen Gegenstände mit einem schwarzen Fleck). Die mit Goldblech überzogenen Beschläge sind sehr heiklig, so können sie am Zaum nur an eine solche Stelle angebracht werden, wo sie keiner Beschä­digung und am geringsten einer Abwetzung ausgesetzt waren. So kamen die meist verzierten Beschläge an den senkrechten Teil des Stirnriemens. Von den zu unserer Rekonstruktion benutzten Parallelen kann hierzu die Pferdedarstellung des Mosaikbildes von Alexander d. Gr. herangezogen werden (Abb. 6. 4), jedoch liegt die Schabracke auch an den Pferdedarstellungen der sassanidischen Silber­schüssel vor (Abb. 6. 8—9). Dem Backenriemen gehörten auch die zwei Hän­geglieder mit scheibenförmigem Hängering und gezähntem Rand an. Zwischen den beiden Scheiben lief der Kehllinie zu der breitere Riemen bzw. hier endete auch der schmälere, durch den Riementeiler laufende Riemen (Abb. 6. 7). Auf dem sich von der Fläche des Riemens bzw. der Scheibe in abwendender Richtung drehenden Hängering kann das Hängeglied angebracht werden. Zu seiner Re­konstruktion wanden wir die Scheiben mit erhabener Mitte und gezähntem Rand sowie die Riemenzungenanhänger aus Doppelblech an. Der Riemenausschnitt der konvexen Scheiben entspricht dem schmäleren Riemen, ist aber doppelt so stark, dies verweist darauf, daß über ihn zwei Riemen durchgeführt wurden und dieser Anhänger wurde auf die Fläche des Riemens senkrecht angebracht. Diese Bleche sind die im schlechtesten Zustand erhalten gebliebenen Stücke des Fund­komplexes. Das dünne, gebogene Blech war auch von der Beschädigung ge­fährdet, so war es nötig auch das Innere des Hängegliedes auszufüllen. Hierzu dienten wahrscheinlich die verschollenen Bronzeperlen. Schließlich kann die Vergoldung der Scheibe mit erhabener Mitte nur an der oberen Seite in Spuren vorgefunden werden, schon aus diesem Grunde restaurierte ich das Hängeglied aus je zwei solchen, aneinander angepaßten Scheiben. An das Ende des durch dieses Hängeglied durchgeführten zwei schmalen Riemen kamen die zwei Rie­menzungenanhänger aus Doppelblech. Bei der Aufzäumung dürfte man den breiten Zaumriemen, das Hängeglied mit Trapezkopf und in Haken ausgehendem Ende angewendet haben, doch wurde das hakenförmige Ende nicht einfach eingehängt, wie wir dies bei der Hals­schmuckrekonstruktion von M. Párducz sehen konnten. Der Hängehaken ist nämlich ein kleiner Bronzedraht mit kreisförmigem Querschnitt, der die Ans­pannung nicht ausgehalten hätte können und in der trapezförmigen Öffnung

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