Folia archeologica 36.

V. Kocztur Éva: Adalék Solymár római kori történetéhez

94 ENDRE TÓTII Schaft auch von der Landkarte, oder nur ohne eine solche kennengelernt hat, bildet nur die eine Seite des Problems. Die neuesten, zeitgemäßen Landkarten, die proportionsmäßig verkleinern und konform projiziert sind, sowie der Geographie-Unterricht in der Schule, und überhaupt die moderne Erweiterung der einschlägigen Kenntnisse — die durch mancherlei Dinge, darunter auch durch den Turismus und durch die hochentwickelten Kommunikationsmittel unerhört gefördert werden — alle diese Faktoren haben wesentlich dazu beige­tragen, daß wir von der Landschaft im allgemeinen ein genaueres und zuverläs­sigeres Bild besitzen, als das Bild des antiken Menschen von derselben war. Unsere geographischen Kenntnisse haben sich bedeutend vermehrt. Die Ver­änderung ist nicht bloß quantitativ, sondern zu derselben Zeit auch qualitativ. Die Raumerfahrung wurde im Laufe der Zeiten immer vollständiger und realer, ja sie funktioniert heutzutage schon sozusagen im Unterbewüßtsein. Die in der Schule gelernten und später dazu erworbenen Kenntnisse beeinflussen unser Denken von vornherein. Für uns sind auch solche Dinge selbstverständlich, auf der Hand liegend, die für den antiken Menschen kaum zugänglich waren. Es wäre wohl überflüssig auch darüber noch reden zu wollen, wie gefährlich für das wissenschaftliche Denken die kritiklose Übernahme solcher Berichte ist, die nur auf den ersten Anblick als einleuchtend erscheinen. Faßt man nun das heutige Bild der Geographie und Wasserkunde ins Auge, so mündet der Fluß Raab, der Arrabo der Römer, bei Győr in die Donau, genauer: in den südlichsten der drei Donau-Zweige, in die Donau von Moson. Die Raab, die Marczal und die Donau von Moson vereinigen sich 11 km östlich von Győr, bei Gönyű, mit jenem Zweig der Donau, der vom Gesichtspunkt der gegenwärtigen Schiffbarkeit aus und wegen seines Wasserreichtums als Haupt­zweig des Flusses gilt. Aber es gibt auch um 32 km weiter noch östlicher, bei Brigetio (Szöny) eine andere bedeutende Mündung: hier mündet nämlich der nördliche Zweig, die kleine Donau, nachdem sie die Gewässer der Flüsse Waag und Neutra in sich aufgenommen hatte, in den mittleren Zweig des Flusses ein. Ist es nun ein bloßer Zufall, daß man gerade dort bedeutende Flußmündungen findet, wo der Text des Ptolemaios seine ,heiklen' Punkte hat? Die Lösung des Problems ist einfach, denn sie hängt ja nur von den Benennungen ab. Es fragt sich nur, welcher Fluß im Altertum — und besonders in der Quelle des Ptole­maios — den Namen Arrabon hatte, und wo seine Mündung war? Denn es ist keineswegs unbedingt notwendig, daß die antike Benennung der Flüsse dieselbe sei, wie in der gegenwärtigen Gewässerkunde. Und dies gilt nicht nur für heute: ohne Landkarte war der Überblick der Gewässer nie leicht. Die Schilderung des Ptolemaios läßt sich leicht auslegen, wenn einst auch eine solche Ansicht existierte, für die nicht nur die Flüsse Arrabo und Mursella, 2 1 die sich bei Arra­bona vereinigen, sowie die Donau von Moson bis Gönyü als Einheit gelten, und den Namen Arrabo führen, sondern so ist es auch weiterhin bis zur Vereini­gung der Donau-Zweige zwischen Komárom und Szöny (Abb. 1). Ptolemaios besaß vermutlich zwei verschiedene Informationen. Die eine entsprach dem heutigen Bild der Gewässeikunde, und sie kannte die Raabmündung bei Győr. Die andere hielt die bei Szöny zusammenfließenden Donau-Zweige für 2 1 AUlicb, ]., A hcnfcglaláskori Mzgyzrorsíág (-Ungarn zur Zeit der Landnahrr.e) (Buda­pest 1929) 412.

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