Folia archeologica 36.
Lovag Zsuzsa: Egy XI. századi bronz korpusz
EIN BRONZENER KORPUS AUS DEM 11. JAHRHUNDERT Das Ungarische Nationalmuseum kaufte einen vergoldeten bronzenen Korpus, der reiche Serie unserer mittelalterlichen Prozessionskreuze auf lückenfüllende Weise ergänzt. Der Korpus kam in der Erde, in der Umgebung von Dombóvár zum Vorschein, die näheren Fundumstände sind unbekannt. Die Anfertigungstechnik weicht von der der ähnlichen Stücke ab: er wurde nicht in dem üblichen Wachsausschmelzverfahren hergestellt, sondern in Sandgießformen gegossen. Die einzeln gegossenen Arme wurden mit Nieten am Rumpf befestigt. Trotz der primitiven Gießtechnik verweisen die Oberflächenbehandlung und die Vergoldung auf eine Goldschmiedearbeit guter Qualität. Aufgrund des ikonographischen Typs des mit geschlossenen Augen und auf die Seite geneigten Kopf gezeichneten verstorbenen Christus sowie aufgrund der Detailformen des Korpus versuchte die Autorin die Vorgänger dieses einzigartigen Objekts zu bestimmen. Die Einzelheiten der Biustkorbfoim, die Proportionen des Körpers und der Gliedmaßen, die auf den Schultern nach vorn fallenden — hier stark stilisiert dargestellten — langen Haarlocken und das in der Mitte geknotete Lendentuch lehnen sich an Korpusse der großen repräsentativen Goldkreuze der Ottonen und der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts an. Für jene war der Einfluß der damaligen byzantinischen Christus-Darstellungen charakteristisch. Dieser Einfluß ist auch auf diesem einfachen, beinahe grob gestalteten Objekt zu erkennen. Ein kleines Detail, die armbandartige Kannelierung am Handgelenk ist nicht für die Christus-Darstellungen der Goldkreuze typisch, es kommt jedoch bei einer Gruppe der ungarischen Prozessionskreuze der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts vor. Diese seltene Armbanddarstellung auf den Korpussen wurde von den byzantinischen Pektoralkreuzen überncmmen (Anm. 10), läßt also einen direkten byzantinischen Einfluß vermuten. Zugleich läßt die Annahme zu, daß der Korpus von Dombóvár ganz gewiß in Ungarn angefertigt wurde. Die Korpusse mit Armband stellen Christus gekrönt und lebendig dar, dies wird im 12. Jahrhundert zu einer häufigen Darstellungsweise. Der neu erworbene Korpus ahmt noch Vorbilder aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts nach. Seine Funktion als Prozessionskreuz, die ungeübte Gußtechnik sowie ein den späteren Korpussen ähnliches Detail (Armband) lassen eine genauere Datierung in die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts zu.