Folia archeologica 31.

József Korek: Die Ausgrabungstätigkeit des Ungarischen Nationalmuseums im Jahre 1978

286 J. KOREK Die Erkenntnis, daß sich in der Umgebung der Kirche ein größeres arpaden­zeitliches Gräberfeld befindet, kompliziert noch das Bild, das sich in siedlungs­geschichtlicher Relation zeigt. Von diesem 500 m entfernt, nach SW, hat A. Pálóczi Horváth nämlich einen anderen Abschnitt des Gräberfeldes aus dem 10—11. Jh. freigelegt, über die sich die arpadenzeitliche Siedlung schich­tet. Die Aufgabe ist das Verhältnis zwischen den zwei naheliegenden gleich­zeitigen Gräberfeldern und dem arpadenzeitlichen Dorf festzusetzen bzw. herauszufinden, wie sich das neben der heutigen reformierten Kirche liegende Gräberfeld zu der mittelalterlichen Kirche verhält. Die Fundamente der Kirche wurden im 14—15. Jh. erbaut. Békés-Kastélyzug : Laut den alten Landkarten, darunter die Vermessung von A. Petrik vom 18. Jh. und die Beschreibungen von Fr. Pesti und E. Fényes, befand sich auf dem Gebiet genannt Kastélyzug ein alter Burgwall. Es war auch allgemein bekannt, daß dort im 15. Jh. ein Schloß der Familie Maróthy stand. Vom 16. Jh. an befand sich hier eine Erdburg, deren Wallreste auf vielen Plänen und Darstellungen zu sehen sind. 1978 setzte I. Gerelyes die Er­schließung der die Burg von umgebenden doppelten Pfostenreihe fort. Die Planke läuft hier, wie auch auf der N-Seite, parallel zu dem an der Ober­fläche heute noch sichtbaren Grabensystem. Der äußeren Pfostenreihe entlang ist der Denar von Ferdinand I, geprägt im Jahre 1551, zeitbestimmend. Im Inneren der Plankenburg, in der Nähe der SO bzw. S-Seite, fand die Ausgräberin an beiden Seiten eine mit Ziegeln gepflasterte Fläche, die ein Hof gewesen sein durfte. Das gehobene Material hat ungarisches und türkisches Charakter. Die bisherigen Freilegungen bezeugen, daß die Wandreste aus der Bautätigkeit der Maróthy stammen und auf den Anfang der 1400er Jahre zu setzen sind. An die Errichtung der türkischen Plankenfestung kam um 1550 die Reihe; sie wurde neben Gyula ein Bollwerk des türkischen Reiches. 1590 besaß sie laut den Quellen eine Besatzung von 238 Soldaten; die Festung hatte auch einen Muezzin. Visegrád-Fellegvár : Parallel zu der Rekonstruktion der Kunstdenkmäler be­schränkte sich die archäologische Forschungarbeit auf die Bestimmung der Räume, die in der SW-Ecke des unteren Burghofs zur oberen Seite der Burg­wand zugebaut waren. In der W-Ende des inneren Wandpasses hat M. Szőke, Leiter der Ausgrabungen, das Zeugenprofil der Ausgrabung des Jahres 1976 abreißen lassen. Es kam die mit Kalkmörtel verfertigte Bedielung eines Ge­bäudes mit Balkenkonstruktion aus dem 15. Jh. zum Vorschein, darunter eine Grube mit Einfüllung aus dem 14. Jh. Am ersten Niveau des aus dem 15. Jh. stammenden Westflügels des Schlosses wurden die Mauern untersucht. Auf diesem Niveau wurde eine Fensteröffnung mit Sitzbank aus dem 14. Jh. ausgebrochen, die zur Zeit des Sigismund vermauert war. In der Nähe des Fensters befand sich eine Türöff­nung, die gleichfalls während der Bautätigkeiten von Sigismund umgebaut wurde. Vorläufig wurde die Aufnahme des W-Flügels vom Schloß nur partiell ausgeführt unter der Leitung des Architekten Frau Ilona Pusztai , die gleich­zeitig Gestaltungsleiterin der Rekonstruktion von Burg Visegrád ist.

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