Folia archeologica 29.

Éva B. Bónis: Rekonstrukciók a Szomor-somodorpusztai római kori temetkezési kocsi felszereléséből

114 É. В. BONIS ursprünglich durch den mit Blei ausgefüllten Umbo gesichert wurde. In der Mitte des Umbos ist das staubblattartig punktierte Ornament von 10 Blüten­kelchblättern, sodann von einem Dreieck und von Strahlenverzierungen um­nommen, die von den dem Rande des Umbos zu stehenden und liegenden klei­nen, kahnförmigen Verzierungen umsäumt sind ( Abb. 11-12). Der Schalenkörper ist von einer sog. lotosblütenkelchförmig geritzten Verzierung bedeckt. Den Saum des waagerecht stehenden Randes bilden mehrfach nebeneinander ein­geschlagene, etwas reliefartig ausgeführte Kranzornamente. Der gegossene Griff stützt mit einem Stützglied (sog. Skorpionschere) den Gefäßkörper. Zwei waa­gerecht herausstehende, flügeiförmige Stützansätze vergrößern noch mehr die Statik des Gefäßes. Auf die Stütze wurden Akanthusblätter eingeritzt. Diese Blätter sind von gleicher Ausführung wie die auf den Fragmenten der Kanne von Somodor sichtbaren Blattornamente. Der Griff führt zwischen tordierten verzierten Ringen mit Eierstabgliedern in den kannelierten Teil, an dem unten eine eingeritzte Rankenverzierung mit aus je 3 Punkten gebildeten Früchtchen läuft. Der Griff geht in einen schön ausgearbeiteten Widderkopf aus. Diese mit eingeritzter Verzierung geschmückte Variation der sehr häufig vorkommenden Griffe mit Widderkopf wird ebenfalls mit einer donauländischen Werkstätte in Verbindung gebracht, die im 2.-3. Jh. gearbeitet haben dürfte. 2 1 Die aus Kanne und Griffschale bestehende Garnitur kommt in Pannonién in den römerzeitlichen Wagenfunden häufig vor. Dieses im ganzen Reich ge­brauchte Gefäßpaar wurde unter weitgehender Berücksichtigung der panno­nischen Funde in einer monographieartigen Studie von H. U. Nuber bearbeitet. 22 Er hat die Rolle dieser Garnitur bei der Darbietung des Opfers, im alltäglichen Leben und bei der Grablegung gleichfalls untersucht. Mit Hilfe der antiken Literatur, des Fundmaterials und der Darstellungen wies er nach, daß dieses „Service", zu dem auch ein Handtuch - mantela - gehörte, in jedem Falle zum Händewaschen diente. Es fiel ihm beim Opfer eine rituelle Reinigungsrolle zu, diente einem praktischen Zweck bei dem Totenmahl und kam auch als Requisit des letzteren in den Gräbern vor. 2 3 Er hat nachgewiesen, daß das Beisetzen der Kannen-Griffschalengarnitur in die Gräber besonders in jenen Regionen des Römerreiches häufig vorgekommen ist, wo wir primitivere Jenseitsvorstellungen der Urbevölkerung antreffen (Thracia, Pannónia, Rheinland, Belgica, Britannia), während in Italien, wo entwickeltere Mysterienreligionen und die Philosophie prädominierten, diese Sitte nicht in Mode war. 2 4 Es wird von Nuber überzeugend bewiesen, daß die Benennung: Patera nur für die grifflose Opferschale mit Umbo gilt und daß das zur Rede stehende Gefäß eine Griffschale ist. In den Abbildungen wird uns vorgeführt, daß die Waschgarnitur entweder ein Diener hält oder sich auf 2 1 Radnóti, A., Bronzegefäße . . . 88-89.; Werner, /., Rez. Germania 23(1939) 198. — Nuber, H. U., Kanne und Griffschale. Ihr Gebrauch im täglichen Leben und die Bei­gabe in Gräbern der römischen Kaiserzeit. BRGK 53(1972) 1-232. 2 3 Hier soll bemerkt werden, daß der im Grab von Somodor gefundene Eimer (den man irrtümlicherweise als einen Eimer für Pferdetränken betrachtete) wahrscheinlich zum Auffangen des bei dem mehrfachen Händewaschen in der Griffschale überflüssig gewordenen Wassers gedient hat. An das Requisit einer zum Händewaschen dienenden Waschgarnitur dachte schon A. Radnóti (Bronzegefäße . . . 101) und F. Fremersdorf [Der römische Gutshof Köln-Müngers­dorf. Rom. Germ. Forschungen 6. (Berlin 1933) 104., Anm. 3.] 2 4 Nuber, H. U., а. а. O. 188. Liste der Gräber. 210-, und Beilage 1.; in pannonischer Relation: Mócsy, A., Pannónia. RE Suppl. IX. (Stuttgart 1962) 723-724.

Next

/
Thumbnails
Contents