Folia archeologica 28.

József Korek: Die Ausgrabungstätigkeit des Ungarischen Nationalmuseums im Jahre 1975

214 J. KOREK steht sowohl den Maßen als auch den Ergebnissen nach die Forschung der awa­renzeitlichen Siedlung von Kölked-F eketekapu (Kom. Baranya) unter der Leitung von A. Kiss und seiner Mitarbeiterin Zs. Zoffmann. Die Arbeiten wurden 1972 in Gang gesetzt und richten sich auf die gänzliche Freilegung. 1975 wurde eine weitere Fläche von 2400 m 2 erschlossen, wo Häuser (Nr. 47-56), Öfen (XXXVI­XLV) und Gruben (XLVI-LIX) zum Vorschein gekommen sind. Anläßlich der Freilegung ist auch der Brunnen Nr. III zum Vorschein gekommen. Im Umriß der Siedlungsstruktur fällt auch den erschlossenen Gräben eine große Rolle zu. Im Gebiet wurden außer der awarischen Siedlung auch Funde aus Hallstatt-A und der Zeit La Téne-Zeit zutage gefördert. Unter den Forschungsthemen des Ungarischen Nationalmuseums erhielt die Forschung der ungarischen Landnahmezeit stets eine vornehme Rolle. Auf dem Fundort Tiszafüred -~Nag/kenderföldek kamen auch bei den Erdarbeiten in einer Meierei der örtlichen LPG im Jahre 1973 landnahmezeitliche Funde ans Tages­licht. Bei der Geländebegehung hat E. Selmeczi, der Archäologe des Damjanich János-Museums von Szolnok ein charakteristisches, reiches Material aus der ungarischen Landnahmezeit mit rhombusförmigen Hemdbeschlägen, rosetten­verziertem Kleidungsschmuck, durchbrochener Scheibe mit Pferdedarstellung und Reliquienetuikreuz eingesammelt. Die Forschung hat unter Leitung von I. Fodor das Ungarische Nationalmuseum übernommen und die völlige Freilegung des Gräberfeldes sich zum Ziele gesteckt. Im Jahre 1973 kamen 54, zwei Jahre nachher weitere 61 Gräber hervor und somit kann das Gräberfeld aus dem 10. Jahrhundert mit der Gesamtgräberzahl 115 für völlig erschlossen angesehen werden. Die Reihengräber enthalten aufgrund der Beigaben das charakteristische Denkmalmaterial der Gräberfelder des gemeinen Volkes. Zwischen dem Fund­material sind glatte Haarringe, geflochtene und Blechringe sowie Armringe häufig anzutreffen. Die Frauengräber waren arm an Kleiderbeschlägen und die Männergräber arm an Waffen. Der Hügel war in mehreren Perioden besiedelt. Es wurde neben den bronze­zeitlichen Siedlungsspuren eine prähistorische Bestattung freigelegt. Ein größeres Gräberfeld war hier auch in der Spätsarmatenzeit. Hier befanden sich 21 Gräber an derselben Stelle, wo auch die Bestattungen im 10. Jahrhundert lagen. Der größere Teil der Gräber kann an die Sarmaten, ein geringerer Teil an die Gepiden gebunden werden. Die Mehrheit der Gräber wurde - wie es zu dieser Zeit sehr häufig der Fall war - ausgeplündert, enthielt dennoch Funde in reicher Menge. Die in dem einen Grab dortgelassene granulierte Goldlunula, die große Menge von Goldflittern und die Eisenlanze sprechen alle dafür, daß es sich wahrschein­lich um das Grab einer zur führenden Schicht gehörenden Persönlichkeit handelt. Die Freilegung der noch in der Erde verborgenen Gräber des völkerwanderungs­zeitlichen Gräberfeldabschnittes wird Aufgabe des folgenden Jahres sein. Aufgrund der Ergebnisse der 1973 wieder in Gang gesetzten Fundrettungs­bzw. Kontrollausgrabungen wurde die Arbeit - sich an die Sondierungsflächen des Jahres 1974 anschließend — in Zalavár 1975 an der Insel Vársziget, auf dem nördlich von der Straße nach Zalaszabar gelegenen Areal fortgesetzt. Früher stand in diesem Gebiet ein Wald und es waren hier außer einem Suchgraben keine Freilegungen möglich. In dem etwa 280 m langen und im Durchschnitt 50 m breiten Gebiet umfassen die archäologischen Objekte mehrere Perioden. Unseren jetzigen Kenntnissen nach kann die älteste Schicht auf das 9. Jahrhundert, die

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