Folia archeologica 28.
Endre Tóth: Korabizánci lámpafüggesztő Brigetioból
152 E. TÓTH Auf Grund der Forschung der letzteren Jahre steht es immer klarer, daß die ältere Darstellung der Geschichte Transdanubiens im 5.-6. Jahrhundert die wichtigsten Hauptlinien betrachtet einseitig und oft von unbegründeten Vorbedingungen belastet ist. 1 3 Hierbei darf nicht auf die Bearbeitung oder Erschlossenheit der archäologischen Nachlassenschaft und der Geschichte der einzelnen gentes gedacht werden. 1 4 Die Geschichte Transdanubiens im 5.-6. Jahrhundert bedeutete bis zu den letzten Zeiten ausschließlich die Geschichte und Erforschung der Stämme der Völkerwanderungszeit, obwohl allen Zeichen nach ein Teil vielleicht gerade der überwiegende - auch nach den ersten Jahrzehnten des 5. Jahrhunderts im Gebiete der Provinz weitergelebt hat. 1 5 So kann ihre archäologische Erforschung, die Bestimmung ihrer materiellen Kultur und Geschichte nicht vernachlässigt werden. Die Datierung des spätrömischen Fundmaterials hat das von der früheren Forschung entworfene historische Bild grundlegend beeinflußt. Die zur materiellen Kultur gehörenden Denkmäler der römischen Zivilisation - zum größten Teil auch die frühchristlichen Denkmäler mit inbegriffen - wurden im allgemeinen im Sinne des früher ausgebildeten historischen Bildes cca. mit dem Jahr 400 ante quem datiert. Im Falle einiger späterer Gegenstände unterließ man die historischen Schlußfolgerungen bzw. man versuchte auch diese Denkmäler mit den Völkern der Völkerwanderungszeit in Verbindung zu bringen. Besonders wichtig ist demnach, daß wir die - zum größten Teil christlichen - Denkmäler nach Möglichkeit bloß auf Grund der Formzeichen datieren. Der zweckmäßigste Weg zur Feststellung und des Vorhandenseins der romani sowie ihrer materiellen Kultur führt über die Erkenntnis, Einsammlung und Bearbeitung der christlichen architektonischen und liturgischen materiellen Denkmäler. Einerseits kann nicht bestritten werden, daß zu dieser Zeit für die weiterlebende provinzialrömische Bevölkerung die christliche Kirche die einzige zusammenhaltende Organisation war. Die architektonischen Objekte und ihre Verzierungen sowie die Einrichtungsgegenstände kann man im 5.-6. Jahrhundert fast ausschließlich mit dem Christentum in Zusammenhang bringen. Es liegt außer Zweifel, daß die architektonischen Aufgaben, Möglichkeiten und Ansprüche zur gegebenen Zeit kirchlichen Ansprüchen gedient haben. Während über einen Teil der christlichen Gegenstände des 5.-6. Jahrhunderts die Bautätigkeit auch unmittelbar nicht bewiesen werden kann und die liturgischen Gegenstände theoretisch auch mit den einwandernden Germanen in Verbindung ge1 3 In der archäologischen Forschung der letzteren Jahre wird immer mehr betont, daß die römische Geschichte Pannoniens nicht mit dem Ende des 4. Jhs abgeschlossen werden kann. Vgl. Barköczi, L.-Salamon, A., Alba Regia 11(1970) 74-75.; Ders., MAI 4(1973) 92-93.; Fülep, F., Acta Arch.Hung. 25(1973) 307.- Über das Weiterleben der Bevölkerung zusammenfassend: Tóth, E., Alba Regia 15(1976) 107. — 1 4 Über die Archäologie der Epoche zusammenfassend: Bóna, I., Acta Arch.Hung. 23(1971) 265. 1 5 Da die Forschungen der letzteren Jahre an immer mehreren Punkten Pannoniens das Weiterleben der römischen Bevölkerung nach 400 u. Z. mehrere Jahrzehnte und noch darüber hinaus nachweisen (Aquincum, Intercisa, Gorsium, Sopianae, Ságvár, Fenékpuszta, Savaria, Scarbantia usw.; praktisch überall, wo im 4. Jh. eine größere blühende Siedlung war) zeigt dies, daß die Bevölkerung in einem viel größeren Gebiet weitergelebt hat, als daß wir nur vom Bestehen kleinerer Gemeinschaften (z. B. Fenékpuszta), reden könnten.