Folia archeologica 27.
Tibor Kovács: Későbronzkori aranyleletek a Tisza-vidékről
60 T. KOVÁCS Linienbündeln bzw. aus mit Meißeln von V- und U-Profil eingeschlagenen Motiven besteht. Es muß auch noch beachtet werden, daß das auf den beiden Stücken unbekannten Fundortes sichtbare Punktkreismotiv (Abb. 4:1-2) auch auf dem im Grab ,,D" gefundenen bronzenenen Haarring vorkommt (Abb. 2:1). Die aufgezählten Übereinstimmungen bzw. Ähnlichkeiten deuten unmißverständlich an, daß die betreffenden vier Haarringe die Schmuckmode eines gegebenen Zeitalters, konkreter die der Frühphase der Hügelgräberkultur repräsentieren. Es kann angenommen werden, daß der mit Goldblech überzogene bronzene Haarring von Tiszafüred das Produkt irgendeiner Werkstätte der Theißgegend ist. Ist dies der Fall, so taucht doch die Frage auf: wurde er im Stil der örtlichen Tradition oder aber eventuell als Nachahmung der aus Transsilvanien importierten Haarringe gefertigt? Um eine annähernd richtige Antwort geben zu können, muß man die auswertbaren Exemplare der zur Zeit bekannten kahnförmigen Haarringe überblicken. 8 Den erörterten Typ der Haarringe (sowohl ihre massive, wie auch die aus Blech gefertigte Variante) hat E. Zaharia in seiner grundlegenden Studie als Typ В Id bezeichnet. 9 Seine Klassifikation haben die Verfasser der späteren Studien nicht übernommen, vermutlich deshalb nicht, da diese schon in sich selbst Fehlerquellen enthält. 1 0 In den letzten fünfzehn Jahren haben sich mehrere Forscher mit den im Karpatenbecken zum Vorschein gekommenen Haarringen befaßt. Sowohl A. Mozsolics, 1 1 als auch O. Trogmayer 1 2 bzw. B. Hansel 1 3 berührten mit mehr oder weniger Ausführlichkeit die Fragen der Entstehung der aus drei kahnförmigen Teilen bestehenden Haarringe sowie die ihres chronologischen Platzes. Die eingehende Untersuchung und Auswertung der aus drei kahnförmigen Teilen - laut anderer Benennung mit noppenartig zurückgebogenem Ende bestehenden, aus Blech gefertigten bronzenen bzw. goldenen Haarringe gibt A. Mozsolics in ihrer den Fund von Kengyel bearbeitenden Publikation. Auf Grund der in den Hortfunden von Koszider-Typ (Uzdborjád-LIangospuszta, Kengyel, Gyulafehérvár-Alba ]ulia, Velika Vrbica) vorkommenden Exemplare 8 Eine Schwierigkeit bereitet, daß die verschiedenen Typen der Haarringe von den meisten Forschern zum Teil oder völlig mit anderen Namen benannt werden. Als Folge des in der Spätbronzezeit im allgemeinen verbreiteten Brandbestattungsritus kann die Zahl der erhalten gebliebenen Haarringe bzw. der realisierbaren Fragmente als außerordentlich unsicher betrachtet werden. Besonders bezieht sich dies auf die aus Bronzeblech gefertigten Haarringe. 9 Zaharia, E., Die Lockenringe von Särata-Monteoru und ihre typologischen und chronologischen Beziehungen. Dacia 3(1959) 109-110. 1 9 So ist z. B. mit einem Fragezeichen zu versehen, warum der Verfasser in die aus Verbicioara stammenden Haarringe in den von ihr abgesonderten Typ A gereiht hat (а. а. O. Abb. 4:6), wo sie doch die ebenfalls massiven, der Konstruktion nach gleichen beiden Exemplare von Monteoru (Gräberfeld II, Grab Nr. 45: Abb. 6,4; Gräberfeld IV, Grab Nr. 110: Abb. 6, 9) als Variante des Typs Bid bestimmt. In den erwähnten Haarringen sieht E. Zaharia in die Stufe II von Monteoru gehörende Stücke (a. a. 0. 115, 117-118), also hält sie unbedingt für älter, als die gleichfalls zur Variante Bid eingereihten, aus Blech gefertigten, aus drei kahnförmigen Teilen bestehenden Haarringe (z. B. Verbicioara: Abb. 7:7; Moreçti: Abb. 8:1). 1 1 Mozsolics, A., Goldfunde . . .' 21-22. 1 2 Trogmayer, O., MFMÉ 1966-1967. 21-24. 1 3 Häusel, В., Beiträge zur Chronologie der mittleren Bronzezeit im Karpatenbecken. (Bonn 1968) 113-115.